Über die Grenze für die Liebe

Waltraud und Günter Wenzel feiern am 15. September ihre Eiserne Hochzeit

Seit 65 Jahren verheiratet: Waltraud und Günter Wenzel, links im Jahr 1958, rechts wenige Tage vor ihrem großen Ehejubiläum, 63 Jahre später. Repro/
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Seit 65 Jahren verheiratet: Waltraud und Günter Wenzel

Waltraud und Günter Wenzel sind beide in Schlesien geboren. Mit ihren Familien werden sie aus ihrer Heimat vertrieben und lernen sich 1947 als Kinder im Lager Martinsrieth im Südharz kennen. Neun Jahre später wird geheiratet. Das ist 65 Jahre her – heute (15.09.2021) feiert das Paar seine Eiserne Hochzeit.

Hessisch Lichtenau – Waltraud, eine geborene Lange, ist zehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie nach wochenlanger Reise im Lager Martinsrieth in der damaligen Ostzone ankommt. Dort trifft der zwölfjährige Günter mit seiner Familie vier Monate später ein. Zwischen ihren beiden Müttern entwickelt sich schnell eine enge Freundschaft. Die bleibt auch bestehen, als Familie Lange im fünf Kilometer entfernten Sangerhausen ein neues Zuhause findet. Waltraud besucht dort die Schule und arbeitet nach dem Abschluss in einem Frisiersalon, Günter absolviert eine Ausbildung zum Modelltischler.

Doch als sein Arbeitsverhältnis 1954 endet, flieht er aus dem Land – inzwischen DDR – zum Onkel nach Bayern und arbeitet dort als Tischler, mehrere hundert Kilometer entfernt von Waltraud. Als Günters Schwester im Jahr drauf in Martinsrieth heiratet, darf er einreisen und lädt Waltraud ein, ihn auf die Feier zu begleiten.

Prompt kommen sich die beiden näher und bleiben nach der Abreise in Briefkontakt. Er lässt nicht locker, bittet sie immer wieder, ihm in den Westen zu folgen, und hat Erfolg: Ein halbes Jahr später steigt seine Freundin unter dem Vorwand, ihre Tante in der Bundesrepublik zu besuchen, in den Zug, überquert die Grenze und fährt bis Hildesheim, wo Günter mittlerweile arbeitet.

Waltraud und Günter Wenzel im Jahr 1958.

Am 20. Mai 1956, an Günters 21. Geburtstag, verloben sich die beiden. Am 15. September lässt sich das Paar standesamtlich trauen. Im Frühjahr drauf werden die Zwillinge Annemarie und Rosemarie geboren. 1967 legt Günter Wenzel in Düsseldorf seine Prüfung als Tischlermeister ab. Beruflich bedingt zieht die Familie ein Jahr später nach Hessisch Lichtenau. 1986 kaufen sie sich ein Reihenhaus, in dem sie bis heute wohnen und auch ihre Eiserne Hochzeit im Kreis der Familie feiern.

Auch wenn die beiden Töchter längst aus dem Haus sind, gibt es immer was zu tun. Dafür haben nicht nur die drei Enkelkinder gesorgt, sondern auch die drei Urenkel. Vor allem für die beiden Urenkelinnen Mia und Dana war Waltraud da, hat die berufstätige Mutter entlastet.

Morgens brachte sie die beiden Mädchen in den Kindergarten, später dann in der ersten Zeit zur Schule. Sie holte sie auch mittags wieder ab, sorgte für das Mittagessen und half, wenn nötig, bei den Hausaufgaben.

Mit 15 und 16 Jahren sind die beiden Jugendlichen zwar selbstständiger, auf das Essen bei der Uroma verzichten sie jedoch bis heute nicht. Und bis die beiden aus der Schule kommen, betreuen Waltraud und Günter die beiden Eurasier-Hündinnen Rica und Daila. (zlr)

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