Beim Spielen an der Werra

Wanfried: Aref seit fünf Jahren spurlos verschwunden - Polizei sucht noch immer nach dem Kind

Noch am Abend des Verschwindens wurde mit einem Großaufgebot nach Aref gesucht. 200 Hilfskräfte waren im Einsatz. Später wurde sogar die Werra abgesenkt. (Archivbild)
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Noch am Abend des Verschwindens wurde mit einem Großaufgebot nach Aref gesucht. 200 Hilfskräfte waren im Einsatz. Später wurde sogar die Werra abgesenkt. (Archivbild)

Im Werra-Meißner-Kreis verschwindet im April 2016 ein fünfjähriges Kind - bis heute fehlt jede Spur. Auch nach fünf Jahren hofft die Polizei auf neue Hinweise in dem Fall.

Wanfried – Am 4. April 2016 gegen 18 Uhr verschwand der fünfjährige Aref beim Spielen an der Werra in Wanfried. Der Sohn einer Flüchtlingsfamilie wurde mit einem Großaufgebot gesucht. Bis heute fehlt jede Spur von dem Kind.

Die Ermittlungsansätze der Polizei haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Die Ermittlungsgruppe besteht weiter. Hinweise gehen nur noch selten ein. Die Suche im klassischen Sinne vor Ort gebe es nicht mehr, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler. Dennoch laufen die Ermittlungen noch: Sobald Hinweise eingingen, würde denen auch nachgegangen werden. „Leider gibt es aber nach wie vor nichts Neues.“

Vermisster Aref: Mutter mit emotionalen Worten im Interview - „In meinem Herzen lebt er“

Die Mutter meldet sich in einem Fernsehinterview mit dem HR noch mal zu Wort. „Jeden Tag gucke ich an der Tür und hoffe, dass er reinkommt. Aber bis jetzt ist noch nichts passiert. Es ist sehr schwer, sehr schwer“. Sie habe sofort an ein Verbrechen, eine Entführung geglaubt, nicht an einen Unfall, sagt die Mutter. „In meinem Herzen lebt er. Nie hatte ich das Gefühl, dass er gestorben ist. Ich träume nachts von ihm, sehe im Traum, dass er lebt. Niemand weiß, wie es in mir aussieht. Innerlich bin ich schon tot. Ich brauche keine Hilfe. Aref ist ein kleines Kind. Er braucht seine Mama, die Mutterliebe.“ (Tobias Stück)

Wanfried: Aref seit fünf Jahren vermisst - Chronologie der Suche

Die Gerüchte in den Wochen nach dem Vorfall im April 2016 schlugen ins Uferlose. War der Junge in die Werra gefallen, wurde er verschleppt, damit die Flüchtlingsfamilie in Deutschland bleiben durfte oder wurde der Junge gekidnappt, um mit seinen Organen Handel zu betreiben? Nichts hat sich bis heute bestätigt. Die Ermittlungen der Polizei haben zu keinem Erfolg geführt. „Im letzten Jahr haben sich leider keine neuen Hinweise ergeben, denen man hätte nachgehen können“, sagt der Sprecher der Polizeidirektion Werra-Meißner, Alexander Först. Wir fassen die Ergebnisse der Ermittlungen noch mal chronologisch zusammen.

Wanfried: Kind verschwindet am 4. April 2016 - Polizei wird abends alarmiert

Gegen 18 Uhr verschwand der Junge, zuletzt wurde er im Bereich des Hafens gesehen. Das Kind hatte sich mit seiner Mutter und drei Geschwistern am Spielplatz neben der Wassertretstelle am Werra-Ufer aufgehalten. Als sich die Familie auf den Heimweg in die Flüchtlingsunterkunft im Keudell’schen Schloss machen wollte, fiel auf, dass Aref fehlte.

Die Vermisstenmeldung ging gegen 20.40 Uhr bei der Polizei von Pfarrerin Rosemarie Kremmer ein. Bis drei Uhr in der Nacht zu Dienstag suchten rund 200 Rettungskräfte von Polizei, Freiwilligen Feuerwehren, DLRG und DRK mit Booten und einer Suchhundestaffel erfolglos nach dem Vermissten.

Aref Ismaili: Der Fünfjährige verschwand am 4. April 2016 beim Spielen an der Werra.

Intensive Suche der Polizei: Kind wird mit Sonarboot in der Werra gesucht

Eine intensive Suche in der Werra blieb am Dienstag ohne Ergebnis. Wegen der starken Strömung der Werra konnte eine angerückte Taucherstaffel nicht ins Wasser. Der Einsatz eines Sonarbootes, das mithilfe von Schallwellen den Flussgrund absucht, hatte einen Hinweis darauf gegeben, dass sich etwa 500 Meter vom Wanfrieder Hafen „ein Objekt im Wasser befindet, das dort nicht hingehört“. Es sollte ein Stein sein. Das Einsatzgebiet blieb gestern auf die Werra am Hafen beschränkt.

Endlich können Taucher ins Wasser. Mit den Schwierigkeiten der ungewöhnlich stark strömenden Werra hatte auch der Bergungsspezialist zu kämpfen, der mit viel Blei behangen und stets kopfüber den Grund des Flusses absuchte. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden. Drei Männer könnten sich zur Tatzeit in der Nähe des Ufers aufgehalten haben.

Nach einer Woche stellt die Polizei die Suche nach dem Kind vorerst ein

Die Suche nach dem Fünfjährigen hat auch am Freitag keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Wasserschutzpolizei hatte erneut die Werra zwischen Wanfried und Eschwege inklusive Nebenarm in der Kreisstadt abgesucht – ergebnislos. Die Suche wurde am folgenden Wochenende nicht fortgesetzt.

Eine Woche nach dem Verschwinden des fünfjährigen Aref aus Wanfried wird nicht weiter gezielt nach dem Jungen gesucht. „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte“, sagte ein Polizeisprecher eine Woche nach dem Verschwinden. Die allgemeine Fahndung bleibe aber bestehen.

Vermisstes Kind in Wanfried: Neue Spur? Polizei sucht Besitzer einer schwarzen Jacke

Die Polizei Werra-Meißner hat im Zusammenhang mit der Suche nach dem seit zwei Wochen Vermissten einen neuen Aufruf veröffentlicht. Gesucht wird der Besitzer einer schwarzen Jacke. Einsatzkräfte hatten die Jacke am ersten Tag der Suche auf einem Zaun an der Wassertretstelle gefunden. Die Ermittlungen dazu hatten ergeben, dass es sich definitiv nicht um ein Kleidungsstück des vermissten Aref handelt.

Rund 40 Einsatzkräfte der Bereitschafts- und Wasserschutzpolizei haben noch einmal das Gebiet rund um den Wanfrieder Hafen abgesucht. Die Beamten erhofften sich eine neue Spur. Insbesondere Ufer, Felder und Wiesen standen im Fokus der Ermittler – ohne Erfolg.

Nicht nur zu Wasser, auch in der näheren Umgebung wurde die Gemarkung rund um Wanfried mit Hundertschaften abgesucht.

BMW-Fahrer mit Berliner Kennzeichen gerät in Fokus der Polizei - Hat er das Kind entführt?

Die Kripo Eschwege bittet jetzt um Hinweise zu einem schwarzen BMW X 5 mit Berliner (B) Kennzeichen. Das Auto mit getönten Scheiben soll am Tag des Verschwindens zwischen 12 Uhr und 13 Uhr an der Marktstraße vor der Flüchtlingsunterkunft gestanden haben. In das Auto stieg eine Frau auf der Beifahrerseite ein, die aus der Unterkunft herauskam.

Die Polizei schließt eine Entführung oder ein Gewaltverbrechen nicht mehr aus. Ein Zeuge hatte den Hinweis auf den schwarzen BMW gegeben, nachdem jetzt gefahndet wurde. Auffällig sei, dass der schwarze BMW in Richtung Werrahafen/Schlagd davonfuhr.

Polizei sucht vermisstes Kind erneut in der Werra - Fernsehbeitrag bringt keine neuen Erkenntnisse

Drei Wochen nach seinem Verschwinden wurde in der Werra noch einmal nach Aref gesucht. Der Pegel der Werra wurde dafür am Vormittag zwischen Wanfried und Eschwege um 35 Zentimeter abgesenkt. Die Wasserschutzpolizei war mit zwei Booten im Einsatz, um das rund neun Kilometer lange Flussstück zwischen dem Wanfrieder Hafen und der Schleuse in Eschwege abzusuchen. Die veränderten Strömungsverhältnisse sollten Gegenstände lösen. Vorher und hinterher wurde die Werra mit einem Hubschrauber bis nach Niedersachsen überflogen. Die Aktion blieb erfolglos.

Auch mehr als zwei Monate nach dem Verschwinden des fünfjährigen Aref aus Wanfried hat die Polizei die Suche nicht aufgegeben. „Die Arbeitsgruppe ermittelt weiter in alle Richtungen“, sagte ein Polizeisprecher. Auch ein Fernsehbeitrag brachte keine neuen Erkenntnisse.

„Aktenzeichen XY“ liefert neue Hinweise: Vermisstes Kind soll in Berlin gesichtet worden sein

Dieses Phantombild des Fahrers eines schwarzen BMW führte die Ermittler nach Berlin.

Die ZDF-Sondersendung „Aktenzeichen XY... Wo ist mein Kind“ hat zu neuen Hinweisen geführt. Während der Sendung hatten sich mehrere Zeugen mit Tipps für die Polizei gemeldet. Zeugen wollen den Fünfjährigen unter anderem in der Nähe von Berlin gesehen haben. Zu den Hinweisen war es gekommen, weil ein Phantomfoto eines Mannes veröffentlich wurde, der ein verdächtiges Fahrzeug gefahren haben soll. (Tobias Stück)

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