Frauke Pfeiffer sucht ehrenamtliche Begleiter

Lust aufs Leben: 91-Jährige sucht Abwechselung zu ihrem Zimmerpflanzendasein

Frauke Pfeiffer (91) aus Wanfried malt aus Leidenschaft. Für Ausflüge sucht die kulturbegeisterte Seniorin nun nach ehrenamtlichen Begleitern.
+
Frauke Pfeiffer (91) aus Wanfried malt aus Leidenschaft. Für Ausflüge sucht die kulturbegeisterte Seniorin nun nach ehrenamtlichen Begleitern.

Wenn Frauke Pfeiffer aus Wanfried aus ihrem Leben erzählt, dann blitzen ihre wachen Augen auf. Und sie hat einiges zu berichten: Flucht aus der DDR, Arbeit im OP oder Widerstand.

Wanfried – Ganz genau kann sie sich an jeden Augenblick ihres Lebens erinnern. Zum Beispiel an die Flucht aus der DDR, ihre Tätigkeit als Pflegehelferin im OP-Saal, Widerstandsproteste während der deutschen Teilung in Mühlhausen und natürlich an die Geburten ihrer drei Kinder, sechs Enkelkinder und vier Urenkel.

„Der Kopf funktioniert zum Glück noch sehr gut“, sagt die Seniorin. Aufgrund von Asthma, Schulter- und Wirbelsäulenproblemen ist sie körperlich stark gehandicapt. In ihrer Wohnung braucht sie einen Rollator, draußen einen Rollstuhl und Hilfe beim Schieben. Lange laufen oder stehen kann sie nicht mehr. „Trotzdem habe ich noch viel Lebensfreude.“

Die 91-Jährige sitzt an ihrem Esstisch im Wohnzimmer, wie jeden Morgen, wenn sie die Werra-Rundschau liest und anschließend die Rätsel löst, sagt sie. Am Nachmittag wird dann gemalt. Angeregt durch ihre Tochter, die in München Kunsttherapeutin ist, hat Frauke Pfeiffer noch mit 87 Jahren mit dem Malen begonnen. „Ich hatte vorher noch nie einen Pinsel in der Hand.“ Inspiriert wird sie vor allem von impressionistischen und expressionistischen Künstlern, 2018 und 2019 hat sie ihre Bilder in München sogar ausgestellt – einige Bilder haben Interessierte gekauft. Sie holt eine dicke Mappe mit ihren Werken hervor, zeigt bunte Aquarellporträts und Stillleben.

„Langweilig wird mir gewiss nicht“, sagt die kulturbegeisterte Seniorin, die außerdem viel liest und gerne klassische Musik hört. Für ein Mozartkonzert, das im Fernsehen übertragen wird, bleibt sie auch mal die ganze Nacht auf. In Mühlhausen, wo sie auch ihr Abitur gemacht hat, hat sie als OP-Schwester gearbeitet, später als Sprechstundenhilfe.

1955 ist sie mit ihrem Mann Rolf und ihrem Sohn von Mühlhausen über die Grenze in den Westen geflüchtet. „Es war eine Nacht-und-Nebel-Aktion an Weihnachten. Wir haben alles stehen und liegen lassen, den geschmückten Baum und auch die Geschenke“, erzählt sie. Das Paar wollte nicht, dass seine Kinder in der DDR aufwachsen müssen.

Heute sind Frauke Pfeiffers Kinder und Enkel zum großen Teil in ganz Deutschland und Europa verstreut und beruflich sehr eingespannt. Von ihrer Familie erfährt sie aber trotzdem sehr viel Unterstützung. „Wir haben ein sehr herzliches Verhältnis und viel Kontakt, sie besuchen mich, wir telefonieren täglich und chatten über Whatsapp“, sagt die 91-Jährige.

Auf ihrem Handy zeigt sie stolz zahlreiche Fotos ihrer Enkel und Urenkel. Im Alltag bekommt die Seniorin außerdem Hilfe durch den Pflegedienst, Essen auf Rädern und eine Haushaltshilfe. Auch wenn sie jeden Tag ein gut ausgefülltes Programm hat, so wünscht sich die 91-Jährige auch unabhängig von der Unterstützung ihrer Familie eine ehrenamtliche Helferin oder einen Helfer, der sie – „nicht immer, aber wenigstens ab und zu“ – auf Ausflügen begleitet und ihr mit dem Rollstuhl hilft.

„Einfach, um öfter raus zu kommen.“ Zum Beispiel zu Spaziergängen, zum Werratalsee, zum Gottesdienst oder auch mal zu Konzerten in der Umgebung. „Das wäre eine angenehme Abwechslung zu meinem Zimmerpflanzendasein“, sagt sie und lacht wieder.

Wer Interesse hat, Frauke Pfeiffer kennenzulernen und als Helfer hin und wieder zu unterstützen, kann sich bei unserer Redaktion melden, wir vermitteln weiter: per Mail an redaktion@werra-rundschau.de. (Jessica Sippel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.