Famiiien-Friedhof saniert

Familienfriedhof mit Geschichte: Am Wanfrieder Wanderweg P5 liegt besondere Grabstätte

Andreas von Scharfenberg auf der Familiengrabstätte bei Wanfried: Im Hintergrund sind die Ehrengräber und Denkmäler der im Krieg gefallenen Familienmitglieder zu sehen, ebenso wie die seiner Ururgroßeltern.
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Andreas von Scharfenberg auf der Familiengrabstätte bei Wanfried: Im Hintergrund sind die Ehrengräber und Denkmäler der im Krieg gefallenen Familienmitglieder zu sehen, ebenso wie die seiner Ururgroßeltern.

Geschichtsstunde auf dem privaten Friedhof: Die Historie der Familie von Scharfenberg reicht von Kuba über Napoleon bis nach Wanfried.

Wanfried – Wer bei Wanfried den Premiumweg fünf hinauf wandert, hält am Waldrand des Berges vermutlich an einer besonderen Grabstätte inne. Denn dort, mit weitem Blick über die Berge und Wälder des Werratals, befindet sich der private Friedhof der Familie von Scharfenberg, auch bekannt als „Konsuls Grab“.

Vier Generationen der Familie von Scharfenberg sind auf dem Friedhof begraben

Erst in diesem Jahr hat die Familie von Scharfenberg die gut gepflegte Grabstätte saniert: Die halbrunde und stützende Steinmauer am Hang hinter dem großen Kreuz-Monument, das schon aus der Ferne gut sichtbar ist, wurde erneuert. Bäume wurden zurückgeschnitten und das Erbbegräbnis wurde um etwa 50 Quadratmeter vergrößert, um Platz für zukünftige Generationen zu schaffen, erklärt Gutsbesitzer Andreas von Scharfenberg.

„Vier Generationen der Familie sind hier begraben“, sagt von Scharfenberg. Hinter jedem der 28 Grabstätten und fünf Gedenksteine verbirgt sich eine Geschichte – darunter fröhliche Erinnerungen aber auch tragische Schicksale, erzählt Andreas von Scharfenberg. Der Gutsbesitzer hält an den Ehrengräbern inne, in denen gefallene Familienmitglieder des Ersten und Zweiten Weltkriegs bestattet wurden.

Die Ururgroßeltern der Familie von Scharfenberg trafen sich in Kuba

Genaue Aufzeichnungen über die Fertigstellung des Erbbegräbnisses gebe es nicht, sagt von Scharfenberg. Sicher sei aber, dass die erste Person, die dort begraben wurde, Mary Hurry von Scharfenberg (1828-1885), geborene Tolmè, war – die Ururgroßmutter von Andreas von Scharfenberg sowie seinen Geschwistern Harald von Scharfenberg und Valeska von Hagen.

Mary von Scharfenberg stammte aus einer Bremer Kaufmannsfamilie, mit der sie in Havanna auf Kuba lebte. So lernte sie auch ihren Mann kennen, Karl Franz Joseph Friedrich von Scharfenberg (1812-1890), wie aus der Chronik der Familie hervorgeht. Er war ebenfalls ein Bremer Kaufmann für Tabak, Geschäftspartner der Tolmès und ab 1854 österreichischer Konsul in Kuba. „Daher kommt die Bezeichnung des Familienfriedhofs als Konsuls Grab“, sagt Andreas von Scharfenberg. Er geht davon aus, dass die Tätigkeit als Konsul aus den engen Beziehungen der Familie zu Jerome und Napoleon Bonaparte hervorgeht, dessen zweite Frau Österreicherin war.

Urgroßvater gründete Familienstandort in Wanfried

Zurück in Deutschland ebneten Mary und Karl von Scharfenberg für die Familie schließlich den Weg zum Familienbesitz, denn sie wollten einen Familienstandort in Deutschland gründen. „Die Idee stammte von ihnen und mein Urgroßvater, Karl Xaver, hat es dann umgesetzt“, sagt Andreas von Scharfenberg.

Denn als Karl Xaver von Scharfenberg und seine Frau Berta nach einem Besuch in Eisenach mit ihrer Kutsche Wanfried passierten, verliebten sie sich in die Landschaft des Werratals. Sie beschlossen, sich hier niederzulassen, erwarben einen land- und forstwirtschaftlichen Besitz, das Gut Kalkhof, das Rittergut in Wanfried sowie etwas später die Werramühle, das heutige E-Werk.

Friedhof als Wanderziel und Ort der Besinnung

„Und zu jedem schönen Familienbesitz gehört auch ein Familienfriedhof“, sagt Andreas von Scharfenberg mit einem Lächeln. „Wir sind uns der Besonderheit dieser Familiengrabstätte als regionales Kulturgut aber auch als besonderes Wanderziel bewusst“, sagt er. Der Familie sei es wichtig, dass der Friedhof für Interessierte jederzeit frei zugänglich ist, betont Andreas von Scharfenberg. Daher will die Familie im Frühjahr auch Sitzbänke an der Grabstätte aufstellen, damit Besucher der Anlage dort verweilen können. (Von Jessica Sippel)

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