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Naturmonument-Ausweitung verärgert Waldbesitzer im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Theresa Lippe

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Landschaft mit einzigartiger Geschichte: Die Region zwischen Hessen und Thüringen, hier der Blick auf die Werra bei Lindewerra. symbo
Landschaft mit einzigartiger Geschichte: Die Region zwischen Hessen und Thüringen, hier der Blick auf die Werra bei Lindewerra. © Annika Wiemer/nh

Das Naturmonument „Das Grüne Band“ soll auf hessischer Seite ausgeweitet werden. Das könnte zu Einschränkungen in der Bewirtschaftung der Flächen führen.

Wanfried – Natur und Tiere sind schützenswert, da sind sich alle einig. Doch das Wie und unter welchen Bedingungen sorgt bei privaten Waldbesitzern in Hessen aktuell für großen Unmut, so auch im Werra-Meißner-Kreis. Streitpunkt: Das Naturmonument „Das Grüne Band“, welches unter anderem an der Landesgrenze zu Thüringen verläuft.

Dieses soll nämlich auch auf die hessische Seite des ehemaligen Grenzzonengebietes ausgeweitet werden und könnte zu Einschränkungen in der Bewirtschaftung der Flächen führen. Das sorgt für Unmut bei Waldbesitzer und Kreistagsabgeordnetem Peter Freiherr Roeder von Diersburg (CDU) der im Wanfrieder Ortsteil Völkershausen lebt. Er ist von dem Gesetzgebungsverfahren betroffen.

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erklärt das Gründe Band wie folgt: „Das Grüne Band ist ein Korridor weitgehend unberührter Natur entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Mit der Ausweisung des Grünen Bandes soll der ehemalige Grenzstreifen als Erinnerungslandschaft mit landeskundlicher, wissenschaftlicher und kulturhistorischer Bedeutung bewahrt werden.“

Bisheriger Verlauf auf thüringischer Seite

Knapp 260 Kilometer verläuft das Band durch drei Hessische Landkreise, wobei bereits zum Teil in bestehenden (Natur-)Schutzgebiete einbezogen seien, heißt es seitens des Umweltministeriums. Insgesamt umfasst das Grüne Band knapp 1.400 Kilometer – von der Ostsee bist zur tschechischen Grenze.

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verlief das Grüne Band bisher auf thüringische Seite im ehemaligen Zonengrenzgebiet bei Wanfried. Doch nun soll das Naturmonument ausgeweitet werden, sodass auch der hessische Teil dieser Zone gleichberechtigt zum Grünen Band gehört. Das sieht zumindest der aktuelle hessische Koalitionsvertrag von CDU und Grünen vor.

Der Landesverband Hessen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) informiert, dass der Grenzstreifen in den vergangenen fast 40 Jahren zu einem Refugium für mehr als 1.200 seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten geworden sei. Der BUND hätte seit dem Fall der Mauer hier eines der größten und bedeutendsten Naturschutzprojekte geschaffen. Das Grüne Band müsse auch in Hessen geschützt werden.

Peter Roeder von Diersburg Waldbesitzer
Peter Roeder von Diersburg, Waldbesitzer © Privat/nh

Rund 100 Hektar, also 1 Quadratkilometer seiner Waldfläche, seien durch das vorgesehene Gesetz zur Ausweitung des Grünen Bandes betroffen, berichtet Peter Roeder. Er verweist verärgert auf Aussagen der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen): „Davon, dass Region, Landräte, Bürgermeister, Forst- und Landwirtschaft und Naturschutz in die Überlegung zur Ausweitung des Grünen Bandes mit einbezogen worden seien, kann keine Rede sein.“

Das betroffene Biotop in seinen zwei Waldstücken gebe aktuell nicht und hätte es auch nie gegeben. Denn das Waldstück, so Roeder, sei während des Kalten Krieges intensiv bewirtschaftet worden. „Es handelt sich um einen reinen Wirtschaftswald.“

Er bemängelt, dass betroffene Waldeigentümer nicht einbezogen wurden. Er, so wie viele andere Eigentümer, hätten durch den Hessischen Waldbesitzerverband von dem Referententwurf erwahren. Vom Ministerium sei er lediglich am 24. Juni 2022 zu einer Wanderung eingeladen worden, woran er nicht teilnahm: „Mir sind die Örtlichkeiten schließlich seit Jahrzehnten bekannt.“

Einschränkungen für bislang ausgeübte Landnutzung

Weiter berichtet Roeder, dass sich im Nachgang herausstellte, dass an diesem Datum der Referenzentwurf bereits mitsamt Kartenmaterial vorgelegen habe. „Dass das Ministerium die Waldstücke der Wanderung in das Grüne Band integrieren will, ging aus dem Schreiben vom 24. Juni nicht vor“, so Roeder. Skandalös sei dieses Vorgehen seines Erachtens nach.

Im Gesetz sei klar geregelt, dass mit der Ausweisung des Naturmonuments keine Einschränkungen für die bislang ausgeübte Landnutzung einhergehe. Das sieht Roeder anders. Der Rechtsanwalt verweist auf den Gesetzesentwurf zur sogenannten Zone II, in dem ein Verbot von Hundeeinsätzen ausgesprochen wird, mit Ausnahme der Nachsuche und Hundeausbildung. „Soll ich mit geeigneten Schildern die Hunde bei der benachbarten Drückjagd davon abhalten, die vereinnahmten Waldstücke zu betreten?“

Für groben Unfug und kontraproduktiv halte er die Verbote. „Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht der Grundstückseigentümer.“

(Theresa Lippe)

Online-Petition fordert uneingeschränkte Jagdausübung im Grünen Band

Die Petition wurde vom Hessischen Waldbesitzerverband ins Leben gerufen und richtet sich an Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident; Priska Hinz, Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Als gravierender Eingriff in Autonomie und Rechte der Waldeigentümer, Landwirte und Jagdrechtsinhaber wird das Vorhaben bezeichnet.

Konkrete Forderungen sind unter anderem, dass die Jagdausübung im Grünen Band uneingeschränkt möglich sein muss und Eigentümern Naturschutzverträge anzubieten, deren Waldflächen durch Gutachten eine Schutzwürdigkeit und -bedürftigkeit nachgewiesen wird. Seit Start am 23. Dezember wurden rund 5.500 Unterschriften abgegeben, fast 3.000 davon aus Hessen. 15.000 braucht es für ein Quorum.

(tli)

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