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So geht‘s dem geretteten Wildschwein Beethoven aus Wanfried heute

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Von: Theresa Lippe

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Dackeldame Urmel hatte Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Inzwischeln kuscheln sie aber nicht mehr. archi
Dackeldame Urmel hatte Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Inzwischeln kuscheln sie aber nicht mehr. archi © jessica sippel

Aus dem niedlichen Frischling ist inzwischen ein 60-Kilo-Keiler geworden. Tierarzt-Familie Kalden aus Wanfried hatte Beethoven als Frischling in ihrer Wildtierauffangstation aufgenommen.

Wanfried – Klein, süß und flauschig war Frischling Beethoven, als Tierarzt-Familie Kalden das Jungtier Anfang 2021 aufgenommen hat. Die Dackeldame der Familie – Urmel – war damals ganz zufällig scheinschwanger samt Milcheinschuss und kümmerte sich um das wenige Tage alte Wildschwein.

Knapp 20 Monaten später ist Beethoven gut 70 Zentimeter groß, wiegt um die 60 Kilogramm und sein weiches Frischlingsfell ist rauen Borsten gewichen. Kuscheln tut er laut Ehepaar Kalden aber immer noch genau so gerne wie zu Beginn. Jetzt jedoch nicht mehr mit Dackeloma Urmel. Dafür sei Beethoven inzwischen etwas zu ruppig. Kalden: „Da hat Urmel keine Lust mehr drauf.“

Wildschwein Beethoven: So geht‘s dem geretteten Frischling heute

„Beethoven ist ein liebenswerter Kerl und sehr sozial, aber etwas dreckig“, sagt Tierarzt und Jäger Ernst-Wilhelm Kalden. Und weil Beethoven inzwischen zu groß, stürmisch und schmutzig ist, um auf dem Sofa im Wohnzimmer zu kuscheln, lebt er jetzt in Wanfrieds erster und einziger Wildschwein-WG.

Der Garten von Friederike und Ernst-Wilhelm Kalden gleicht einem Wildtierpark: Mufflons, Damwild, Rehe und viele weitere Wildtiere leben auf dem Anwesen des Ehepaars. Ums Aufpäppeln würde sich hauptsächlich Friederike Kalden kümmern. Und die scheint ihren Job so gut zu machen, dass einer von Beethovens Wildschwein-Mitbewohnern inzwischen 22 Jahre alt ist. „Normalerweise haben die Tiere eine Lebenserwartung von 15 bis 18 Jahren“, erklärt der Tierarzt. Wenn alles gut läuft, hat Beethoven noch viele glückliche Jahre vor sich.

Dackeldame Urmel hatte Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Inzwischeln kuscheln sie aber nicht mehr. archi
Dackeldame Urmel hatte Frischling Beethoven als Ziehmutter angenommen. Inzwischeln kuscheln sie aber nicht mehr. archi © jessica sippel

Knapp zwei Jahre später: Wildschwein Beethoven geht‘s sau gut

Ausgewildert werden er und seine Mitbewohner nämlich nicht mehr, zumal das Auswildern von Schwarzwild in Hessen verboten ist. „Außerdem haben sie sich viel zu sehr an uns Menschen gewöhnt“, sagt Kalden. Angst davor, als Abendessen auf dem Teller zu landen, muss Beethoven auch nicht haben. „Alles, was bei uns einen Namen hat, darf bis zu seinem natürlichen Tod bleiben.“

In Beethovens Außengehege gibt es alles, was das Wildschweinherz begehrt. „Trotzdem ist er mit einer seiner Mitbewohnerinnen schon mal ausgebrochen. „Wir haben die Ausreißer auf dem Friedhof wiedergefunden und zurück nach Hause gelockt“, berichtet Kalden. Gerne würde das Ehepaar ihr Wildschweingehege erweitern. „Dafür könnten wir gut alten DDR-Grenzzaun gebrauchen, der ist für die Wildschweine wirklich ausbruchsicher“, erklärt Friederike Kalden. Jedoch sei der alte Zaun schwer aufzutreiben.

Seinen Namen hat Wildschwein Beethoven übrigens erhalten, weil er anfangs immer sehr melodisch gequiekt und geschrien hat. „Es hat nur noch gefehlt, dass er die 9. Sinfonie zum Besten gibt“, sagt Friederike Kalden und lacht. Von Theresa Lippe

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