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Die Wiedervereinigung lag Hubert Steube immer am Herzen

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Von: Harald Triller

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Viele Ehrungen und Auszeichnungen: Hubert Steube hat sich in großem Maße für Heldra und die Menschen der Grenzregionen auf beiden Seiten eingesetzt.
Viele Ehrungen und Auszeichnungen: Hubert Steube hat sich in großem Maße für Heldra und die Menschen der Grenzregionen auf beiden Seiten eingesetzt. © . harald triller

Hubert Steube hat direkt nach der Grenzöffnung den deutsch-deutschen Verein IG Heldrastein mitbegründet. Über Jahrzehnte war er eine ihrer Triebfedern. Ein Porträt.

Heldra – Beim Blick auf die Urkunden, Nadeln, Medaillen und Orden, mit denen Hubert Steube aus Heldra für sein verdienstvolles Wirken im Ehrenamt zum Wohle der Allgemeinheit bislang ausgezeichnet wurde, fällt es schwer, nach einem Platz in seinem Haus für die jüngste Würdigung zu suchen. Übrigens ganz oben auf der langen Liste steht die Medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik und der Besuch bei Bundespräsident Wulff zum Gartenfest.

Der Vereinsmeier durfte sich vor 14 Tagen über eine Urkunde vom örtlichen Heimatverein, verbunden mit einem Orden am Band, freuen. Der Wortlaut der Urkunde: Ernannt und Gehoben ist Hubert Steube vom heutigen Tage an Ehrengeneral von Steuben. Zur Erklärung: Der Name des Geschlechts Steube(n) kommt seit dem Jahr 1427 im mittleren Werratal vor und in Heldra beginnt erwiesenermaßen die Stammreihe mit dem Müller Klaus Steube (1595 bis 1635), die im 18. Jahrhundert in von Steuben umbenannt wurde.

Der Gewerkschafter

Hubert Steube wurde 1944 in Oberköditz in Thüringen geboren und siedelte schon ein Jahr später mit seinen Eltern nach Heldra um und erlernte nach der Schule den Beruf des Maurers, den er bis zur Rente ausübte. Bei der Firma G. F. Hesse in Eschwege war er Betriebsratsvorsitzender und engagierte sich über 35 Jahre hinweg im Bezirksvorstand Hersfeld-Eschwege bei der Gewerkschaft IG Bau-Steine-Erden.

In Heldra war er 1959 Mitgründer des Gesangvereins, wo er begann, sich für die Heimatgeschichte zu interessieren: „Ich bin eine Woche nach meiner Konfirmation eingetreten und habe in zahlreichen Gesprächen mit älteren Sangesbrüdern viel über unser Dorf im Wandel der Zeit erfahren. Und noch vor der Gründung des Heimatvereins 1962 habe ich mit Werner Jung und Herbert Trümner unser Dorfmuseum eröffnet“, schildert Steube, dass er bereits vor der Wende Augenmerk auf Orte der anderen Grenzseite legte.

Die Triebfeder

Der heute 78-Jährige hat Bilder von Treffurt, Großburschla, Schnellmannshausen und Wendehausen gesammelt, die Orte selbst waren ja nur aus weiter Ferne zu erkennen. „Ich habe schon vor der Wiedervereinigung Bilderausstellungen initiiert und damit Interesse auf unserer Seite der Grenzregion geweckt. Und als der Eiserne Vorhang unter großem Jubel gefallen ist, haben wir sofort die IG Heldrastein gegründet“, erklärt Hubert Steube, der ohne Frage die Triebfeder für viele Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie für den Wegebau war.

Der Spendensammler

Auch die Hütte, die am Heldrastein aufgestellt wurde, hat er besorgt, um sie für Verkaufszwecke zu nutzen: „Damit haben wir den finanziellen Grundstock geschaffen, die an Wochenenden bis zu 1000 Besucher verköstigt, welche vor allem auch an Feiertagen wie Himmelfahrt den Berg erklommen haben. Und mit den Einnahmen konnten wir den alten Nachrichtenturm neu gestalten.“ Er macht deutlich, dass er Klinken geputzt und für die Erneuerung der 333 Stufen ganz viel Geld gesammelt hat. „Das ging ganz schnell, die Bereitschaft, uns zu unterstützen, war wirklich groß. Und jede einzelne Stufe trägt den Namen des Spenders, der dafür jeweils 333 Mark angelegt hat. Schließlich konnten auch die Fenster vom neu benannten Turm der Einheit über Spenden finanziert werden“, schwärmt Hubert Steube noch heute von diesen selbstlosen Gesten.

Der Vorsitzende

Er selbst hat nach Peter Krause den Vorsitz der IG übernommen, nicht zuletzt, weil er sich bei Verhandlungen mit den zuständigen Behörden leichter getan hat. „Ja, wir mussten häufig den Amtsschimmel verdrängen, um Zuschüsse aus Fördertöpfen zu ergattern“, spricht der 78-Jährige die großen Ziele an, die sich die IG seinerzeit gesetzt und auch verwirklicht hat. Das hätten die vielen Besucher wohlwollend registrieren, weil sie ein erfreuliches Zeichen der deutschen Einheit zu sehen bekommen.

Diese Tatsache geht auch aus den beiden Büchern hervor. Insgesamt konnte dabei die Arbeitsgruppe der IG Heldrastein auf Textbeiträge von zehn redaktionellen Mitarbeitern aus Eschwege, Großburschla Wanfried, Heldra und Schnellmannshausen bauen. Hubert Steube: „Es hat Spaß gemacht, Geschichten über die einzelnen Orte mit den jeweiligen Brauchtümern zusammenzutragen. Auch die dabei entstandenen Verbindungen mit den kommunalen Entscheidungsträgern waren löblich, selbst Weißenborn und Rambach wurden als direkte westliche Nachbarn mit einbezogen.“

Der Abschied

Im feierlichen Rahmen wurde der Mitbegründer der IG Heldrastein nach 27 Jahren Vorstandsarbeit 2017 verabschiedet. Dabei sei, so sagt er, schon die eine oder andere Träne geflossen.

Die Kommunalpolitik hat um den Sozialdemokraten auch keinen Bogen geschlagen. Beginnend im Ortsbeirat von Heldra, engagierte er sich unter den Bürgermeistern Erich Thomas und Otto Frank über 20 Jahre im Wanfrieder Stadtparlament.

Die eingangs gestellte Frage nach einem Platz für die jüngste Urkunde des Heimatvereins war schon berechtigt und erklärt sich in einem geliebten Hobby: „Ich habe mich der Ölmalerei verschrieben und die Landschafts- und Porträtbilder zieren viele Wände unseres Hauses“, bedankt sich Hubert Steube an dieser Stelle bei Ehefrau Roswitha, die ihm bei all seinen Ehrenämtern stets zur Seite stand.

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