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Wanfried: Wissenschaftler planen Interviews mit Anwohnern

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Von: Theresa Lippe

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Fördern seit vielen Jahren den Zuzug nach Wanfried: Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Diana Wetzestein, Jürgen Rödiger und Harald Wagner von der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieds (von links).
Fördern seit vielen Jahren den Zuzug nach Wanfried: Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Diana Wetzestein, Jürgen Rödiger und Harald Wagner von der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieds (von links). © theresa lippe

In Wanfried wollen Wissenschaftler vom Berlin-Institut kommenden Monat Interviews mit Anwohnern führen.

Wanfried – Wanfried hat sehr positive Wanderungssalden. Deshalb schickt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung nun Wissenschaftler auf Forschungsreise in Deutschlands Mitte. Die zwei Experten sollen im November vor Ort herausfinden, warum ausgerechnet in Wanfried die Bevölkerungszuwanderung gestiegen ist. Das war bei der Studie „Landlust neu Vermessen“ auffällig geworden. Aktuell verzeichnet die Gemeinde 4200 Einwohner, davon leben 2650 in der Kernstadt.

Warum Wanfried so viel Zuzug erfährt, wie dies die örtliche Gemeinschaft und die Arbeit in der Verwaltung beeinflusst und welche Chancen und Herausforderungen für ländliche Gemeinden damit verbunden sind, wollen die Wissenschaftler Eva Eichenauer und Julian Rosenbaum Interviews mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Wanfrieds führen. Sie wollen in den sechs Tagen vor Ort auch selbst Eindrücke sammeln, sagt Rosenbaum.

Forschungsreise nach Wanfried

Gesucht werden Menschen, die ihre Sicht der Dinge schildern möchten „Zeigen Sie uns Ihren Ort, erzählen Sie uns Ihre Geschichte“, heißt es auf dem Flyer. Eine Quote werde es bei den Interviews nicht geben. Wer mitmachen möchte, könne sich bei Rosenbaum und Eichenauer melden. „Wir möchten Wanfried so bunt wie möglich abbilden“, erklärt Rosenbaum. Pro Tag seien vier bis fünf Interviews geplant.

„Bei den Forschungsreisen liegt das Augenmerk auf Städten und Ortschaften, die nicht im Speckgürtel liegen und hauptsächlich wegen Wohnungsmangels in der angrenzenden Großstadt großen Zuzug erleben“, erklärt Rosenbaum. Der Fokus in Wanfried werde auf der Kernstadt liegen, die Stadtteile wolle man jedoch nicht aus dem Blick verlieren. „Wenn nun beispielsweise in Aue oder Altenburschla der Zuzug besonders hoch ist, werden wir das sicher nicht ignorieren.“

Forschungsreise von 9. bis 14. November

Die Studie „Landlust neu vermessen“ des Berlin-Instituts wurde im Juni veröffentlicht. Dabei wurde anhand von Wanderungsstatistiken festgestellt, dass der ländliche Raum wieder Zuwanderung erfährt – so auch Wanfried. Das erklärt Julian Rosenbaum, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts.

Der Aufenthalt der zwei Wissenschaftler ist für die Zeit von Mittwoch bis Montag, 9. bis 14. November angekündigt. Neben den Interviews sei außerdem ein Auftaktgespräch geplant (9. November, 15 Uhr) und eine Diskussionsrunde (voraussichtlich am 13. November). tli

Fast schon romantisch wurde deutschlandweit in den vergangenen Jahren immer wieder davon berichtet, wie die kleine Gemeinde im ehemaligen Zonenrandgebiet erfolgreich darum kämpft, den Bevölkerungsschwund abzuwenden. Vom Comeback der Provinz wird da gesprochen, die Süddeutsche Zeitung schrieb sogar vom „Wunder von Wanfried“.

Ein Wunder war es jedoch nicht, dass Wanfried den Absprung geschafft hat und seit 2011 sogar ein positiver Zuzug-Wegzug-Saldo verzeichnet. Es war harte Arbeit. „Ich freue mich sehr, dass Wanfried so positiv aufgefallen ist“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Bereits seit 2006 sei die „Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieds“ aktiv, um Abgänge und Einwohnerschwund aufzuhalten, Leerstand zu bekämpfen und die Zuwanderung nach Wanfried wieder attraktiver zu machen.

Wanfried: Wissenschaftler wollen Interviews führen

Dem pflichten seine Kollegen aus der Bürgergruppe bei. Wanfried könne aber nicht nur von freundlichen Rentnern leben, die es sich im ruhigen Ort gemütlich machen. „Deshalb freut es uns, dass wir auch viele junge Familien in Wanfried haben“, sagt Harald Wagner von der Bürgergruppe. Die Untersuchung des Berlin-Instituts wird unterstützt von der Wüstenrotstiftung. Die Studie wird im Spätsommer 2023 veröffentlicht.

Kontakt: Julian Rosenbaum E-Mail: rosenbaum@berlin-institut.org, Mobil: 01 62/6 84 54 19; Eva Eichenauer E-Mail: eichenauer@berlin-institut.org, Mobil: 01 76/64 68 48 98.

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