Autodidakt und Improvisator

Hans-Jörg Schneider ist seit 50 Jahren Organist in Wanfried

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An seinem Lieblingsplatz: In Wanfried hat Hans-Jörg Schneider entdeckt, was in der Orgel alles drin steckt. Seit dem 1. April 1970 ist er von hier nicht mehr wegzudenken. 

Seine große Gabe ist das Improvisieren. Auf die Frage, wie er zu seinen Improvisationen komme, antwortet Hans-Jörg Schneider: „Aus dem Moment heraus lasse ich mich fordern!”

Sein Improvisationstalent ist gepaart mit ganz viel Erfahrung. Seit genau 50 Jahren spielt Schneider die Orgel in Wanfried. Sein Jubiläum findet in besonderen Zeiten statt. Deswegen hat er sich dazu auch etwas Besonderes einfallen lassen.

Autodidakt

Im Alter von neun oder zehn Jahren hat Hans-Jörg Schneider das Klavierspielen erlernt. Schon damals improvisierte er. Bevor er Klavierunterricht bekam, hat er immer am Klavier der Großmutter gesessen und erste Melodien gespielt.

Und auch das Geigespielen hat er sich selbst beigebracht. Das Klavier war aber immer sein Favorit. „Das Klavierspiel mochte ich lieber, da muss man die Töne nicht suchen.”

Organist

1964 zog Hans-Jörg Schneider mit seiner Familie von Eschwege nach Wanfried, wo er unter anderem im Hause Scheer musizierte und von dem Wanfrieder Organisten Mank um Vertretungsdienste im Gottesdienstt gebeten wurde. Da habe er zum ersten Mal an einer Orgel gesessen und „entdeckt, was in der Orgel alles drin steckt”. 

Angeregt durch Pfarrer Bennewitz machte er dann den Berechtigungsschein für Organisten. Seit dem 1. April 1970 ist er nebenamtlicher Organist der Kirchengemeinde Wanfried.

Wirken zu zweit

Seit 50 Jahren hat Hans-Jörg Schneider in unzähligen Gottesdiensten, Kasualien, Orgelvespern und -konzerten, bei Chorbegleitungen oder zusammen mit Solisten in Wanfried und in vielen anderen Gemeinden des Kirchenkreises Eschwege zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen musiziert. 

Fast immer an seiner Seite: seine Frau. Sie sitzen zwar nicht zu zweit auf der Orgelbank und an den Tasten, aber sie sind ein eingespieltes Team. Die Zeichen der Pfarrer vom Altar auf die Empore werden durch sie an den Organisten übersetzt. „Oft genug ist Frau Schneider die kommunikative Brücke zwischen Pfarrer, Gemeinde und Organist“, sagt Wanfrieds Pfarrerin Rosemarie Kremmer.

Was sie an „ihrem“ Organisten besonders schätzt? Die Treue und zugleich Flexibilität in seinem Dienst: Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Absage von ihm zu irgendeinem Vorhaben gehört zu haben.“

Radiomoderator

Neben dem Orgelspiel in Gottesdiensten hat Hans-Jörg Schneider eine weitere Leidenschaft, die ebenfalls mit der Musik zu tun hat. Er moderiert eine Radiosendung beim lokalen Radiosender Rundfunk Meißner (RFM). Die Klassik-Sendung hat er selbst entwickelt, stellt das Programm zusammen und recherchiert die Themen. 

Schon als Kind habe er einen „Radiotick“ gehabt, sagt er selbst. Seit 1997 kann er den auch ausleben. Seine nächste Sendung geht am Sonntagabend um 17.05 Uhr über den Äther.

Überraschung

An jenem Ostersonntag wird er dann schon einen großen Auftritt gehabt haben. Trotz sozialer Distanzierung kann er die Finger nicht von der Orgel lassen. Deswegen wird er auch am Sonntag die Königin der Instrumente zu seinem 50-jährigen Jubiläum erklingen lassen. 

In dem Gotteshaus wird er allein sein. Die Kirche wird ihre Türen aber weit öffnen, damit sein musikalisches Wirken weit hinaus schallen kann. Um 11 Uhr geht’s los.

Quelle: Werra-Rundschau

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