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NS-Geschichte Wanfrieds soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden: Arbeitsgruppe stellt Projekt vor

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Von: Theresa Lippe

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Michael Krämer (von links), Diana Wetzestein und Christoph Braun sind drei der vier Mitglieder der Arbeitsgruppe, Benedikt Schuler fehlt auf dem Foto.
Michael Krämer (von links), Diana Wetzestein und Christoph Braun sind drei der vier Mitglieder der Arbeitsgruppe, Benedikt Schuler fehlt auf dem Foto. © Theresa Lippe

„Dieses Projekt will nicht heutige Nachfahren der damaligen Täter des NS-Regimes anprangern und schon gar keine Schuld zuweisen“, heißt es in der Projektskizze der Wanfrieder Arbeitsgruppe. Die Gruppe fordert, dass die Stadt die eigene NS-Geschichte von einer Fachperson aufarbeiten und historisch einordnen lässt.

Wanfried – Die Arbeitsgruppe besteht aus den vier Mitgliedern Diana Wetzestein, Benedikt Schuler, Christoph Braun und Michael Krämer. „Wir sammeln und sichern Artefakte aus Wanfrieds NS-Zeit, damit schlussendlich eine unabhängige Fachperson das Material wissenschaftlich aufarbeiten und einordnen kann“, erklärt Diana Wetzestein. Körbe und Kisten voller alter Poesiealben, Bücher, juristischem Material, Fotos und Briefe und mehr haben die vier gesammelt. „Häufig bekommen wir Unterlagen von Privatleuten zugeschickt, die von dem Projekt gehört haben.“

Krämer sagt: „Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist dann auch nur der Anfang.“ Braun: „Mit dem Material können dann beispielsweise Lehrkräfte in Schulen arbeiten, interessierte Wanfrieder könnten über die eigene Familiengeschichte forschen und vieles mehr.“

NS-Geschichte soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden

„Viele kennen nur die Geschichten ihrer Vorfahren, da die Menschen nicht wirklich über das sprechen, was damals tatsächlich passiert ist“, sagt Wetzestein. Sie selbst hätte sich für die eigene Familiengeschichte interessiert und sei so mit Michael Krämer in Kontakt gekommen. Er wiederum hatte eine Ausstellung zu verfolgten Anwälten im Dritten Reich besucht, was sein Interesse am Thema geweckt hätte. „Benedikt Schuler ist dazu gestoßen, als wir ziemlich gefrustet nicht mehr wirklich weiterkamen“, sagt Wetzestein.

Die Stadt soll die NS-Geschichte Wanfrieds wissenschaftlich durch eine Fachperson aufarbeiten und einordnen lassen: Das fordert die Arbeitsgruppe.
Die Stadt soll die NS-Geschichte Wanfrieds wissenschaftlich durch eine Fachperson aufarbeiten und einordnen lassen: Das fordert die Arbeitsgruppe. © theresa lippe

Im Juni 2022 stellte die Arbeitsgruppe dann einen Antrag zur Finanzierung beim Wanfrieder Parlament – Braun wurde aufmerksam und schloss sich an. In dieser Stavo-Sitzung wurde beschlossen, für die wissenschaftliche Aufarbeitung für die Jahre 2023, ‘24 und ‘25 jeweils 25.000 Euro als Haushaltsposition zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat wurde beauftragt, eine umfangreiche Drittmittelakquise, mit dem Ziel eines möglichst geringen städtischen Eigenanteils, durchzuführen. Zudem wurde der Magistrat im Juni dazu beauftragt, ein entsprechendes Vergabeverfahren durchzuführen.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 16. Dezember wurde nun im Rahmen der Haushaltseinbringung durch Bürgermeister Gebhard vorgestellt, dass für das Projekt NS-Aufarbeitung im Jahr 2023 insgesamt 10.000 Euro Einnahmen aus Drittmittelakquisen erwartet und 50.000 Euro der geplanten 75.000 Euro Gesamtprojektkosten als Ausgaben eingeplant werden. (Theresa Lippe)

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