Mit Knüppeln gegen Lämmer

Sechs Jugendliche haben bei Wanfried eine Schafherde angegriffen

Ein Mann steht vor einer Schafherde.
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Ist über die Tat entsetzt: Schäfer Jan-Philipp Timmerberg (27) bei seinen Mutterschafen und deren 36 Lämmern an der Werra zwischen Wanfried und Frieda. Die Tiere wurden von Jugendlichen geschlagen und gehetzt.

Sechs junge Männer im Teenageralter haben am frühen Montagabend eine Herde Mutterschafe und deren Lämmer bei Wanfried angegriffen.

Wanfried/ Frieda – Sechs junge Männer im Teenageralter haben am frühen Montagabend eine Herde von Mutterschafen und deren wenige Wochen alten Lämmern auf einer Koppel bei Wanfried angegriffen und versucht, die Tiere zu schlagen und zu hetzen. Möglicherweise nur durch das couragierte Eingreifen einer 81 Jahre alten Frau, die die Tat beobachtete, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Helferin in der Not

Ursula Horn aus Frieda sitzt am Montagabend gegen 18 Uhr mit ihrer Tochter in ihrem Schrebergarten nahe Wanfried, die beiden Frauen trinken Kaffee, als sie hören, wie die Schafe, deren Weide direkt an der Werra ihrem Garten gegenüberliegt, plötzlich „fürchterlich schreien und blöken“, erzählt Ursula Horn. Als sie auf die Weide schaut, sieht sie, wie die sechs Jugendlichen mit Stöcken und Ästen die Tiere jagen, nach ihnen schlagen und in die sich panisch drängenden Tiere reinspringen.

„Leute, wenn ihr soviel überschüssige Energie habt, geht woanders hin, aber lasst die Tiere in Ruhe“, ruft sie der Gruppe zu. Doch erst als die mit ihrem Handy in der Hand droht, sofort die Polizei zu rufen, lassen die Jugendlichen von den Tieren ab und wandern gemächlich auf dem Radweg zurück in Richtung Frieda. „Die haben sich immer wieder umgedreht, weil sie wohl Angst hatten, dass ich sie fotografiere“, sagt Ursula Horn. Für Bilder sei sie viel zu aufgeregt gewesen. „Ich hab am ganzen Körper gezittert und dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt“, sagt sie. Sie will sich garnicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die Tiere versucht hätten, Richtung Werra zu fliehen. „Die wären möglicherweise alle ertrunken.“

So sehen Heldinnen aus: Ursula Horn (81) eilte den Schafen zu Hilfe.

Tiere verängstigt, Zaun eingetreten

Die Gruppe Jugendlicher, die sie zwischen 14 und 16 Jahre alt einschätzt, hatte sie schon auf deren Weg in Richtung Wanfried beobachtet. Alle sechs seien schwarz gekleidet gewesen. Kurz darauf informiert sie den Schäfer des Kalkhofes Jan-Philipp Timmerberg über den Vorfall, der die 21 Mutterschafe und 36 Lämmer betreut.

„Ich bin dann zur Koppel gefahren, um das Stromgerät und den Zaun zu kontrollieren“, sagt Timmerberg. Die Jugendlichen hatten den Stromzaun an einer Ecke der Koppel runtergetreten, um auf die Weide zu gelangen. Sichtbare Verletzungen habe er an den Tieren, die zum Teil wie kleine Teddybären aussehen, nicht sehen können. „Aber die Herde war total unruhig und gestresst“, erzählt er.

Normalerweise seien die Schafe sehr zutraulich. „Aber so gehetzt zu werden, hat sie in Panik versetzt.“ Der 27-jährige Schäfer, der Betriebsleiter des Kalkhofes mit seinen insgesamt 700 Schafen ist, will jetzt Anzeige bei der Polizei erstatten. Erst im vorigen Jahr hatte ein freilaufender Husky in der Nähe des Wanfrieder Schwimmbads, der in die Koppel gesprungen war, elf Schafe des Kalkhofes zum Teil schwer verletzt. Stefanie Salzmann

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