Der Wegbereiter der Neugotik

Der Wanfrieder Architekt Ungewitter wurde am 15. September vor 200 Jahren geboren

Geburtshaus: In diesem Gebäude an der Schlgdstraße in Wanfried, erblickte Georg Gottlob Ungewitter am 15. September 1820 das Licht der Welt. Eine Gedenktafel
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Geburtshaus: In diesem Gebäude an der Schlgdstraße in Wanfried, erblickte Georg Gottlob Ungewitter am 15. September 1820 das Licht der Welt.

Georg Gottlob Ungewitter sorgte für die Wiederbelebung der Gotik in Deutschland und gilt als Mitbegründer der Neugotik. Am 15. September 1820 hat er in Wanfried das Licht der Welt erblickt.

Georg Gottlob Ungewitter spielte damit eine wichtige Rolle in der historistischen Architektur, speziell im Kirchenbau.

Ungewitter entstammte einer Familie, die über Generationen Pfarrer, Beamte, Kaufleute, Juristen und Offiziere hervorbrachte. Sein Vater brachte es unter König Jerome von Westfalen zum Rittmeister im Kürassierregiment, gründete 1815 nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft in Wanfried eine Speditionsfirma und dann eine Tabakfabrik. Er heiratete Marie Juliane Elisabeth Hohmann und schickte seinen künstlerisch begabten Sohn nach Kassel, wo dieser nach der Polytechnischen Schule die Höhere Gewerbeschule absolvierte, die Vorläufereinrichtung für die jetzige Universität.

Architekt Georg Gottlob Ungewitter

Georg Gottlob Ungewitter interessierte sich besonders für das Baufach, wechselte 1837 an die Bauakademie in München und hatte dort namhafte Lehrer wie Friedrich von Gärtner. Es folgten 1840 die Übernahme in die Oberbaudirektion in Kassel und 1842 die Übersiedlung nach Hamburg, wo er nach dem Stadtbrand vom Mai 1842 auf Aufträge als Baumeister hoffte. Ungewitter arbeitete zunächst in einem Baubüro, eröffnete dann sein eigenes Architekturbüro und sorgte in der Hansestadt für erste Bauten. In dieser ersten Bauphase schuf er analog zum Studium in München vorrangig Putzbauten in der „Formensprache der Neorenaissance“ bis hin zum Rundbogenstil. Bis heute beeindruckt in der Hamburger Altstadt das Haus Hermann- Straße 3 Ecke Alstertor als Ungewitterbau.

Die revolutionären Ereignisse von 1848 bewogen ihn zum Wechsel nach Lübeck, wo er die mittelalterliche Backsteinarchitektur der alten Hansestadt für sich erschloss, die ihn in der Folge zum „dogmatischen Neugotiker“ werden ließ. Ungewitter fungierte ab 1851 als Lehrer für Baukunst und Bauwissenschaften an der Höheren Gewerbeschule in Kassel, propagierte in theoretischen Abhandlungen, Musterbüchern und in seinen Lehrveranstaltungen die Neugotik auf der Grundlage der „archaischen Gotik des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts“ und trat dabei in einen engen Gedankenaustausch mit Conrad Wilhelm Hase, einem anderen Neugotiker in Hanno- ver. Beide nahmen stilbildend Einfluss auf die Architektur in ganz Norddeutschland.

Eine Gedenktafel am Haus an der Schlagdstraße 16 in Wanfried erinnert an den Architekt Georg Gottlob Ungewitter.

Ungewitter „propagierte die Gotik als Universalstil“ und prägte zahlreiche Schüler in seinem Sinne, die später nach seiner Orientierung wirkten und damit eigene Bekanntheit erlangten. Sein rastloses Tätigsein untergrub seine Gesundheit. Ungewitter starb am 6. November 1864 in Kassel an Lungentuberkulose.

Die evangelische Stadtkirche von Wanfried aus der Vogelperspektive

Neben seinem Lebenswerk und seiner Witwe hinterließ er fünf Kinder. Er bekam auf dem Hauptfriedhof in Kassel ein Ehrengrab. Da war er gerade 44 Jahre alt und hatte noch viele Pläne. Darunter eine neue Kirche für seine Geburtsstadt Wanfried, die dann sein Schüler Hermann Rüppel 1888 schuf. Sein Geburtshaus in Wanfried schmückt inzwischen eine Gedenktafel.

Von Martin Stolzenau und Tobias Stück

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