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Messerangriff bei Altenburschla: Angeklagter erinnert sich nur vage

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Hier kam es Anfang November 2021 zu dem Polizeieinsatz mit Schusswechsel: Der Angeklagte bedrohte auf der B250 (links) zunächst Autofahrer mit dem Messer und soll dann die Polizeibeamten angegriffen haben.
Hier kam es Anfang November 2021 zu dem Polizeieinsatz mit Schusswechsel: Der Angeklagte bedrohte auf der B250 (links) zunächst Autofahrer mit dem Messer und soll dann die Polizeibeamten angegriffen haben. © Hessennews.TV

Vor dem Landgericht Kassel muss sich ein 38-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis verantworten, der im November 2021 für einen Polizeieinsatz mit Schusswaffengebrauch sorgte.

Altenburschla/Kassel – Für die elf Zeugen, die gestern vor dem Landgericht Kassel gehört wurden, hat sich der außergewöhnliche Vorfall an er B 250 zwischen Wanfried und Altenburschla, über den sie aussagen mussten, ins Gedächtnis eingebrannt.

Damals stand der Angeklagte um die Mittagszeit auf der Bundesstraße und brachte den Verkehr teilweise zum Stocken. Mit einem Messer bewaffnet wedelte er umher, hielt Autos und sogar einen Lkw an. Autofahrer, die sich trauten, den Beschuldigten auf sein Verhalten anzusprechen, antwortete er zumeist gar nicht, oder fragte geistesabwesend, „ob sie lieber eine Welt oder zwei“ haben wollten.

Ohne, dass es zu ernsteren Zwischenfällen kam, ging der damals 37-Jährige nach einiger Zeit von der Straße auf einen benachbarten Radweg. Dort eskalierte die Situation, als alarmierte Polizeibeamte den Mann aufforderten, sein Messer niederzulegen und sich festnehmen zu lassen. Dieser Anweisung kam er nicht nach. Stattdessen lief er mit dem Messer auf die Beamten zu, die daraufhin ihre Schusswaffen einsetzten und den Angreifer niederstreckten.

Nachdem Staatsanwältin Wißing die Anklageschrift verlesen hatte, nahm der Beschuldigte die Möglichkeit wahr, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Mit leiser Stimme und gesenktem Kopf beantwortete er die Fragen des Vorsitzenden Richters Quandel. Demnach kaufte er an diesem Vormittag in Wanfried ein. Anschließend habe er sich auf den Weg nach Altenburschla machen wollen. Das Messer, so sagte er auf Nachfrage, habe er die ganze Zeit bei sich gehabt.

Obwohl Erinnerungslücken bei dem 38-Jährigen deutlich wurden, verneinte er Mutmaßungen, dass bei der Tat Drogen oder Alkohol im Spiel gewesen seien. Gleichwohl sei es ihm an diesem Tag nicht besonders gut gegangen, räumte er weiter ein. Geldsorgen und Liebeskummer hätten ihm zugesetzt.

Warum aber, so frage das Gericht schließlich nach, sei er auf die Bundesstraße gegangen? Fast schon verschüchtert kam als Antwort, es habe auf ihn alles so gefährlich gewirkt, er habe die Autos umlenken wollen. Warum diese Gefühle in ihm aufgekommen seien, konnte er indes nicht sagen.

Erinnern konnte sich der Angeklagte hingegen daran, dass der zwischenzeitlich alarmierte Stiefvater versucht hatte, ihn zu bewegen, mit nach Hause zu kommen. Das aber gelang nicht. Bruchstückhaft schilderte er wiederum die Geschehnisse mit der Polizei. An Rufe der Beamten glaubte der Angeklagte sich zu erinnern. Mehr jedoch nicht. Auch weiß er nichts mehr über seinen Krankenhausaufenthalt, der nach den Schussverletzungen unter anderem in Bauch, Bein und Fuß notwendig war.

Die im Anschluss vernommenen Zeugen sagten weitestgehend übereinstimmend aus, dass der Beschuldigte auf sie einen verwirrten und abwesenden Eindruck machte. Eine Zeugin, die den Angeklagten seit vielen Jahren kennt und mit ihren Kindern im Auto auf den 38-Jährigen traf, sagte, er sei „leichenblass“ gewesen. Auf ihre Frage, was passiert sei, habe er geantwortet: „Das wirst du schon sehen,“ um danach noch zu sagen: „Fahr weiter“.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 30. November, fortgesetzt.

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