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Richtfest für den Plesseturm: Besucher kamen aus Ost und West

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Joachim Erndwein vom Förderverein erläutert den Gästen des Richtfestes den Fortgang der Sanierungsarbeiten.
Joachim Erndwein vom Förderverein erläutert den Gästen des Richtfestes den Fortgang der Sanierungsarbeiten. © Rainer Schmalzl

Am Montag wurde hoch über Wanfried das Richtfest für den Plesseturm gefeiert. Aber nicht nur die Wanfrieder wollten sehen, wie es um ihr Wahrzeichen bestellt ist.

Wanfried – Auch vielen Ausflüglern aus Eigenrieden, Diedorf, Struth, Lengenfeld/Stein, Faulungen und Heyerode kam der Tag der Deutschen Einheit mehr als gelegen, zum symbolträchtigen hölzernen Bauwerk an der hessisch-thüringischen Landesgrenze zu ziehen.

Sternförmig zogen Wandergruppen und Familien aus allen Richtungen zu Fuß oder mit Fahrrädern hinauf zum Plesseturm, um beim Richtfest des sanierungsbedürftigen Aussichtsturms dabei zu sein. Dabei waren natürlich allerhand Hildebrandshäuser, die das Ausflugsziel unmittelbar vor ihrer Haustür bis zur Grenzöffnung im November 1989 nur aus Erzählungen ihrer Vorfahren kannten.

„Wenn’s gut läuft, könnten die wichtigsten Arbeiten in drei bis vier Wochen fertig sein“, sagte Joachim Erndwein, der zweite Vorsitzende des Fördervereins, gegenüber nahezu 80 versammelten Gästen auf dem Gipfel oberhalb Wanfrieds. Derzeit würden die vier Seitenpfosten ausgetauscht. Die Balken bekämen nun stählerne Füße, sodass ihnen Feuchtigkeit von unten her nichts mehr anhaben könne. Von den insgesamt 34 Kubikmetern Holz des 22 Meter hohen Aussichtsturmes müssten laut Erndwein etwa drei Viertel ausgetauscht werden.

Der Zugang zum Plesseturm musste im Frühjahr 2016 aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, weil nach einem Gutachten der Dekra die Standsicherheit der Holzkonstruktion nicht mehr gewährleistet war. Holzprofile waren verwittert, Risse, Absplitterungen und zum Teil Fäulniserscheinungen festgestellt worden. Damit das Wanfrieder Wahrzeichen aber nicht weiter verfällt und saniert werden kann, hatten im Juni 2018 zunächst 59 Heimatfreunde dringenden Handlungsbedarf erkannt und einen Förderverein gegründet. Mittlerweile zählt der Verein 115 Mitglieder.

Über eine initiierte Spendenaktion sind beispielsweise Teile des alten Turms verkauft und dann weitere Mittel geworben worden. Immerhin wurden für die Sanierung des Plesseturms rund 170 000 Euro veranschlagt, erinnerte Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU). Neben den Spenden wird das Projekt mit 50 000 Euro vom Bund sowie 10 000 Euro über die Sparkassenförderung unterstützt.

Siegfried Gebhard aus Wanfried hatte eine Landkarte von 1989 mitgebracht.
Siegfried Gebhard aus Wanfried hatte eine Landkarte von 1989 mitgebracht. © Rainer Schmalzl

Insgesamt handelt es sich bei dem Projekt um ein hessisch-thüringisches Gemeinschaftswerk. So kümmert sich die Baufirma Uwe Klaucke aus Hildebrandshausen um die Fundamente, während die Wetzestein Holzbau GmbH aus Wanfried auch auf Zimmerleute aus Struth, Faulungen, Treffurt und Falken zählen kann, die Malerfirma Christian Anhalt aus Wanfried-Völkershausen zu Gange ist und die Gerüstbauer von Pudenz aus Geismar zupacken.

Richtig glücklich blickt Erich Klemm aus Eschwege auf den eingerüsteten Plesseturm. „Das lass ich mir nicht entgehen, wenn etwas am Turm passiert.“ Der heute 88-Jährige hatte 1963 am Bau des Fundaments und am beschwerlichen Aufrichten der Balken als Zugführer einer Pioniereinheit des Bundesgrenzschutzes mitgewirkt. Der Aussichtsturm habe nach Darstellung Klemms aber nie eine militärische Bedeutung gehabt, weil man beispielsweise nicht über die bewaldete Anhöhe ins benachbarte Eichsfeld blicken konnte.

Im Frühjahr soll der Turm wieder begehbar sein und dann auch sein 60-jähriges Bestehen gefeiert werden können.  (Rainer Schmalzl)

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