Naturschutz-Siegel

Drei Privatwälder in Hessen sind FSC-zertifiziert: Alle im Werra-Meißner-Kreis

Ein Wald mit hohen Standards: Peter von Roeder hat als privater Waldbesitzer seinen Wald jetzt FSC-zertifizieren lassen.
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Ein Wald mit hohen Standards: Peter von Roeder hat als privater Waldbesitzer seinen Wald jetzt FSC-zertifizieren lassen.

In Hessen gibt es nur drei private Waldbesitzer, deren Wälder FSC-Zertifiziert sind: Alle drei stammen aus dem Werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Wer schon einmal Papier oder Holzmöbel gekauft hat, dem wird unter Umständen schon einmal ein sogenanntes FSC-Siegel aufgefallen sein. Holzprodukte, die damit gekennzeichnet sind, stammen dann aus Wäldern mit strengen Richtlinien für eine nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft.

Auch im Werra-Meißner-Kreis sind einige Wälder FSC-zertifiziert: Gut Hohenhaus in Herleshausen trägt das Siegel bereits seit 2005, mittlerweile haben die Waldbesitzer eine Gemeinschaftszertifizierung mit dem Forstgut Berlitzgrube, erklärt Stephan Boschen, Verwalter von Gut Hohenhaus. Ganz frisch zertifiziert ist seit Kurzem der Wald von Peter Freiherr Roeder von Diersburg vom Rittergut Völkershausen. Das Besondere daran ist aber, dass es in ganz Hessen lediglich diese drei privaten Waldbesitzer gibt, die FSC-zertifiziert sind und sich damit ihre Wälder naturnahe Bewirtschaftung nachweisen lassen. Denn ansonsten sind häufig eher Staats- und Kommunalwälder ausgezeichnet.

FSC-Siegel: Aufwändig und streng kontrolliert

„Das heißt aber nicht, dass andere Waldbauern ihren Wald nicht ebenfalls naturnah bewirtschaften. Das Siegel weist dies aber konkret nach“, betont von Roeder, der sich für etwa 2500 Euro pro Jahr rezertifizieren lassen muss. Jährlich überprüft ein FSC-Auditor von Roeders 600 Hektar Wald aufs Neue, ob der Waldbesitzer die strengen Vorgaben weiterhin einhält. Erfüllt ein Waldbesitzer diese Standards nicht mehr, wird ihm das Siegel wieder entzogen.

„Dieses Siegel bedeutet für mich nachweislich aktiver Naturschutz“, sagt Peter von Roeder. Ein klimastabiler und zukunftsfähiger Wald für die nächste Generation sei das Ziel seiner ökologisch und ökonomischen Waldwirtschaft. „Eine durch FSC zertifizierte Forstwirtschaft setzt sich für Artenvielfalt durch Pflege ein. Nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutz sind für uns kein Widerspruch“, betont Peter von Roeder.

Hauptsitz in Bonn

Der Forest Stewardship Council (FSC) wurde im Jahr 1993 gegründet. Der Unternehmenssitz der internationale Non-Profit-Organisation ist in Bonn. Das Hauptziel ist die Gewährleistung einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Laut Unternehmenswebseite wird der FSC in Deutschland getragen von Umweltverbänden wie WWF und NABU sowie Vertretern aus der Wirtschaft und Gewerkschaften wie der IG Metall oder der IG BAU. 

Durch die Zertifizierung könne er gleichzeitig sein Holz etwas teurer verkaufen. Ob sich die Vermarktung rentiert, müsse man in den kommenden Jahren beobachten. „Es ist aber immerhin ein besseres Gefühl und ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, der regelmäßig kontrolliert wird“, ergänzt Boschen. Zudem gebe es Kunden bei lokalen Holzverarbeitungsbetrieben, die nur noch FSC-zertifiziertes Holz kaufen wollen, weiß von Roeder. Das am weitesten verbreitete PEFC-Siegel habe ähnliche Standards und einige Gemeinsamkeiten mit FSC, erklärt von Roeder. Es sei aber weniger streng und werde seltener kontrolliert.

60 Seiten ist die Liste lang, auf der die deutschen Standards von FSC festgehalten sind. Auf die Fahne schreibt sich FSC die drei Pfeiler umweltgerecht, sozial förderlich und wirtschaftlich tragbar: Wälder sollen nachhaltig ökologisch bewirtschaftet werden, Artenvielfalt fördern, die Rechte und Gesundheit der Forstarbeiter sollen respektiert und Forstwirtschaft soll sich zwar rentieren, aber nicht auf Kosten der Waldressourcen, des Ökosystems, oder der Gemeinden gehen.

Eine FSC-Zertifizierung in Deutschland ist nicht gleich einer FSC-Zertifizierung anderswo. Denn international hat das Forest Stewardship Council (FSC) – das steht übersetzt für Forstverwaltungsrat – zwar zehn einheitliche Prinzipien für alle Länder aufgestellt, zum Beispiel negative Umweltauswirkungen zu vermeiden, Arbeitnehmerrechte durchzusetzen und besondere Schutzwerte im Wald zu erhalten und zu verbessern. Das soll dazu beitragen, dass die Wälder langfristig erhalten bleiben können. National gibt es aber trotzdem Differenzen, erklären Waldbesitzer Peter Freiherr Roeder von Diersburg sowie der Gutsverwalter Stephan Boschen von Gut Hohenhaus, deren Wälder FSC-zertifiziert sind. Deshalb steht das FSC-Siegel auch hin und wieder in Kritik.

Denn während in Deutschland zum Beispiel Kahlschlag – erlaubt ist nur das Fällen einzelner Bäume oder weniger Baumgruppen – und Plantagenwirtschaft tabu sind, gibt es in anderen Ländern Wälder mit FSC-Siegel, bei denen genau das erlaubt ist.

In Deutschland ist vieles viel strenger, weshalb von Roeder auch vom FSC-Konzept überzeugt ist: Der Wald wird naturnahe bewirtschaftet, soll sich natürlich verjüngen, Pestizide sind tabu. Der Wildbestand soll so reguliert werden, dass seltene Pflanzenarten nicht durch zu viel Wildbiss verschwinden. Bei Staats- und Kommunalwäldern ist ab einer Größe von 1000 Hektar zudem fünf Prozent an Stilllegung gefordert. Auch die Baumernte soll generell so schonend wie möglich stattfinden.

Dazu kommt noch die Erhaltung von Biotopbäumen, ebenso soll ein höherer Anteil an Totholz im Wald liegen bleiben.

»Von Jessica Sippel

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