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Wanfried überträgt seine Stadtverordnetenversammlung künftig als Livestream

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Von: Theresa Lippe

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Bequem und vom Sofa aus können Interessierte heute und weitere fünf Mal an der Stavo in Wanfried per Livestream teilnehmen. WR-Praktikant Felix Rockenkamm und Volontär Marius Gogolla werfen schon mal einen Blick auf die Tagesordnung.
Bequem und vom Sofa aus können Interessierte heute und weitere fünf Mal an der Stavo in Wanfried per Livestream teilnehmen. WR-Praktikant Felix Rockenkamm und Volontär Marius Gogolla werfen schon mal einen Blick auf die Tagesordnung. © Eden Sophie Rimbach

Die Testphase mit den ersten sechs Live-Übertragungen startet am heutigen Freitag (18. November). Interessierte können der Versammlung über die Video-Plattform YouTube beiwohnen.

Wanfried – Als erste Kommune im Werra-Meißner-Kreis wird Wanfried ihre Stadtverordnetenversammlung künftig per Livestream übertragen. Die Premiere ist heute (18. November) ab 19 Uhr. „Mit mehreren Kamera- und Mikrofoneinstellungen werden dabei sowohl Bild als auch Ton der Sitzungen übertragen“, erklärt Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Einer bequemen Teilnahme vom Sofa aus steht also nichts mehr im Wege.

Zunächst geht das Projekt Livestream, also Video-Übertragung in Echtzeit über das Internet, in eine Testphase. Sechs Sitzungen sollen vorerst live auf der Video-Plattform Youtube übertragen werden: youtube.com/@stadt-wanfried. Das Zuschauen ist kostenlos, ein Passwort braucht man nicht. Nach der Testphase werde evaluiert, ob man den Livestream dauerhaft anbietet.

„Pro Übertragung fallen für die Stadt rund 1.000 Euro durch die Dienstleistung des Medienwerks Eschwege an, die das Projekt realisieren. Hinzukommen die Verwaltungskosten und das Einrichten einer sicheren Internetleitung“, sagt Gebhard.

Nicht jeder Beitrag muss zu sehen sein

Durch die Testläufe im Vorfeld seien zusätzlich noch bis zu zehn Stunden Verwaltungskraft in Anspruch genommen worden. „Das wird natürlich mit der Zeit weniger, wenn eine gewisse Routine entsteht.“ Interessierte Zuschauer können im Ratsinformationssystem der Stadt Wanfried die Tagesordnungspunkte einsehen: wanfried.risportal.de.

Die Übertragung erfolgt auf Grundlage des ausgiebig diskutierten Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 24. Juni. Nicht alle Stadtverordneten waren von einer Liveübertragung begeistert. Und so wurde durch Abstimmung beschlossen, dass die Übertragung unterbrochen wird, sollte ein Parlamentsmitglied nicht wollen, dass sein Beitrag live im Internet zu sehen ist.

Die Wanfrieder Stadtverordnetensitzungen werden lediglich live einsehbar sein, zuschalten können sich Interessierte währenddessen aber jederzeit. Gespeichert wird die Aufnahme nicht. „Nachträglich zu anderen Zeiten kann der Livestream allerdings nicht mehr im Internet angesehen werden“, sagt Gebhard.

Bad Sooden-Allendorf könnte folgen

Geht es nach den Abgeordneten der Stavo in Bad Sooden-Allendorf, werden auch dort künftig die Sitzungen im Internet übertragen. Ein Antrag dafür wurde bereits zur weiteren Beratung an den Finanzausschuss überwiesen. Das teilte Bürgermeister Frank Hix auf Anfrage mit.

Der künftigen Liveübertragung von Wanfrieds Stadtverordnetenversammlungen ging eine kontroverse Diskussion bei der Sitzung im Juni dieses Jahres voraus. „Nicht alle Parlamentsmitglieder sind von der Idee begeistert, müssen sich aber der Abstimmung beugen“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

Durch eine Übertragung der Stavo im Internet erhofft sich die Gemeinde ein größeres Interesse an der Wanfrieder Kommunalpolitik. „Das Angebot richtet sich nicht nur an Wanfrieder, die lieber von Zuhause aus teilnehmen möchten, sondern auch an ehemalige Bewohner der Gemeinde, die vielleicht aus einem anderen Teil Deutschlands mal schauen möchten, was in der alten Heimat so los ist“, sagt Gebhard.

Wilhelm Gebhard Bürgermeister Wanfried
Wilhelm Gebhard, Bürgermeister Wanfried © Lippe, Theresa

Doch dieses niederschwellige Angebot der Teilnahme sorgt bei einigen Parlamentsmitgliedern für Unmut. „Wer ein Amt in Wanfrieder Parlament hat, muss vor Ort an den Sitzungen teilnehmen. Dafür werden die Personen mit 15 Euro pro Sitzung vergütet“, erklärt der Bürgermeister.

Einige seien der Ansicht, dass auch Interessierte den Aufwand betreiben und den Weg nach Völkershausen auf sich nehmen sollten, wenn sie wissen wollen, was bei der Stavo passiert. „Da schwingt sicher bei manchen auch die Angst mit, dass Menschen bequem vom Sofa aus – zu komfortabel – ein zu leichtes Urteil über die Arbeit im Parlament und Wortbeiträge der Fraktionsmitglieder gefällt wird“, erklärt Bürgermeister Gebhard.

Diese Sorge bestünde unabhängig vom Alter besagter Parlamentsmitglieder. Auch, dass Beiträge aus dem Zusammenhang gerissen werden könnten, mache manchem Parlamentarier Sorge. Wilhelm Gebhard, der selbst sehr aktiv in den sozialen Medien ist, wirkt indes positiv gestimmt: „Ich hoffe, dass durch den Livestream bei mehr Menschen das Interesse geweckt wird, irgendwann auch mal persönlich als Gast einer Stadtverordnetenversammlung beizuwohnen.“

Nach sechs Sitzungen wird geprüft, wie es weitergeht

Das Angebot richte sich aber auch an ältere Menschen, die bei Dunkelheit, schlechtem Wetter oder mangelnder Mobilität schlicht nicht die Möglichkeit haben nach Völkershausen zu kommen, um sich persönlich zu informieren. Zusätzlich sei es für ihn eine gute Plattform, gewisse Hintergründe kommunaler Entscheidungen besser und verständlicher einem größeren Publikum zu erklären, sieht Wanfrieds Bürgermeister die Übertragung positiv und als weiteres Kommunikationsmittel zu seiner Gemeinde.

Jede Stadtverordnetenversammlung hat eine abschließende Fragerunde für Mitglieder und Besucher auf der Tagesordnung. Diese wird aber weiterhin nur für Besucherinnen und Besucher im DGH Völkershausen offen sein: Einen Chat, um digital Fragen zu stellen, werde es nicht geben, sagt Bürgermeister Gebhard.

Auf die Sitzungen, die per Video übertragen werden, wolle man zudem im Vorfeld zusätzlich auf der Wanfrieder Homepage, Facebook und auch in der Werra-Rundschau hinweisen, erklärt der Bürgermeister. „Nach der Testphase von sechs Sitzungen soll dann evaluiert werden, ob und wie es mit dem Livestream der Stavo in Wanfried weitergeht.“

Bürgerversammlungen bereits in hybrider Form

Ringgaus Bürgermeister Mario Hartmann weist darauf hin, dass Bürgerversammlungen bereits als Hybrid-Veranstaltung – also wie auch die Stavo in Wanfried – stattgefunden haben. Eine Teilnahme sei dabei sowohl in Präsenz als auch per Live-Übertragung möglich.

Der Livestream der Versammlung wird technisch durch das Medienwerk Werra-Meißner aus Eschwege und Benjamin Kleinpeter aus Wanfried realisiert.

Service: Wer nicht digital, sondern persönlich als Gast an der Stavo-Sitzung teilnehmen möchte, kann dies trotzdem jederzeit tun: heute (18. November) Abend ab 19 Uhr im DGH Völkershausen, Dorfstraße 35.

Von Theresa Lippe

18 Punkte stehen auf der Tagesordnung

Die Tagesordnung dieser Stavo ist lang – 18 Punkte sind gelistet, darunter mehrere Anträge der Fraktionen. Unter anderem wird es um die Haushaltspläne 2023 für die Kitas gehen, den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen, den Ausfall kritischer Infrastrukturen (Linke), die Kontrolle über die städtischen Kinderspielplätze (SPD) und die Prüfung zur grundhaften Sanierung des Wanfrieder Schwimmbades (CDU).

(tli)

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