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Wanfried will sich um die Aufarbeitung seiner NS-Zeit kümmern

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Von: Jessica Sippel

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Wanfried
Hatte in Wanfried einen überdurchschnittlich hohen Einfluss: Die NSDAP. Der ehemalige Richter Michael Krämer und die Journalistin Diana Wetzestein setzen sich für die Aufarbeitung der NS-Geschichte der Stadt ein. (Symbolbild) © Privat

Die Stadt Wanfried sollte ihre NS-Geschichte umfassend wissenschaftlich aufarbeiten – darum bemühen sich die freie Journalistin Diana Wetzestein und der pensionierte Richter Michael Krämer.

Wanfried – Jetzt haben sie zusammen mit Unterstützern das Thema noch einmal neu angestoßen, nachdem eine wissenschaftliche Aufarbeitung 2016 aus finanziellen Gründen durch den Kommunalen Schutzschirm nicht möglich war.

Vonseiten der Stadt und den politischen Gremien stehe man dem Anliegen einer wissenschaftlichen Aufarbeitung sehr offen gegenüber und erkenne die Notwendigkeit, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard auf Nachfrage unserer Zeitung.

Diana Wetzestein
Diana Wetzestein © Wetzestein

Derzeit befinde man sich noch im Beratungs- und Diskussionsprozess, man sei in Gesprächen mit nordhessischen Universitäten, habe Anfragen gestellt, auf deren Antworten man noch warte, so Gebhard. Diese würden am Ende im Magistrat beraten, die Stadtverordnetenversammlung hat das letzte Wort und entscheidet darüber. Auch die Frage der Finanzierung ist eine große. Mehrere Fördertöpfe gebe es speziell für solche Vorhaben, die für die Finanzierung möglichst herangezogen werden sollen.

Insgesamt strebe man aber eine wissenschaftliche Aufarbeitung von neutraler Stelle an – zum Beispiel in Form einer Dissertation, möglichst von Doktoranden aus der Region, oder auch von Studierenden über einen Werksvertrag. Wie hoch am Ende aber die Kosten ausfallen werden, ist noch nicht gänzlich geklärt. Das Thema angesprochen hat Gebhard bereits bei den vergangenen Stadtverordnetenversammlungen.

Gebhard, ebenso wie die Initiatoren betonen, dass es nicht darum geht, Wanfrieder an den Pranger zu stellen, es gehe nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr soll es mit dem Wissen von heute um die Frage gehen „Wie konnte es in der Kleinstadt Wanfried so weit kommen?“

Denn Wanfried war einst eine Hochburg der Nationalsozialisten in der Mitte von Deutschland. Wie bedeutsam die nordhessische Kleinstadt aus historischer Sicht damals aber tatsächlich für die NSDAP war, haben Diana Wetzestein und Michael Krämer erst vor einigen Jahren herausgefunden – zunächst unabhängig voneinander, später gemeinsam.

Sie recherchieren dazu bereits seit vielen Jahren und haben bereits eine Menge Zeit und Vorarbeit in das Thema investiert. Sie sprachen etwa mit Zeitzeugen, sahen verschiedenste Akten ein – insbesondere jene zur Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg, berichtet Krämer.

Hatte in Wanfried einen überdurchschnittlich hohen Einfluss: Die NSDAP. Der ehemalige Richter Michael Krämer und die Journalistin Diana Wetzestein setzen sich für die Aufarbeitung der NS-Geschichte der Stadt ein.
Michael Krämer © Eden Sophie Rimbach

„Die NSDAP hatte in Wanfried einen überdurchschnittlich hohen Einfluss“, weiß er. Als zwei der Hauptakteure aus Wanfried nennt er unter anderem Karl Vetter und Fritz Walter, die beide 1929 in die NSDAP eintraten und später hohe politische Posten besetzten. „Am Anfang haben uns Einzelne davon abgeraten, uns mit dem Thema überhaupt so intensiv zu beschäftigen“, blickt Diana Wetzestein auf die Anfangsjahre. Über der NS-Zeit in Wanfried – so scheint es – habe lange Zeit eine Art Mantel des Schweigens gelegen. Seit fast zehn Jahren beschäftigt sie sich mit diesen Themen.

Gemeinsam haben sich Diana Wetzestein und Michael Krämer ebenso wie ihre Unterstützer ein Ziel gesetzt: Der Stadt bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte zu helfen, das Thema in die Öffentlichkeit zu rücken.

Material hätten sie in ihren Vorarbeiten schon reichlich gesammelt. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, die sie im Einklang mit der Stadt angehen wollen. „Es ist eine öffentliche Aufgabe, die uns alle betrifft“, betont Krämer. Es gehe schließlich auch um Verantwortung. (Jessica Sippel)

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