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Vogelschießen in Wanfried: Das steckt hinter der Tradition

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Von: Theresa Lippe

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Wanfrieds Schützenvogel wird an diesem Wochenende „tranchiert“ und dabei ein neuer Schützenkönig ermittelt. archi
Wanfrieds Schützenvogel wird an diesem Wochenende „tranchiert“ und dabei ein neuer Schützenkönig ermittelt. archi © tobias stück

Nur noch wenige Tage, dann hat das Warten in Wanfried ein Ende. Am Freitag (8. Juli) startet das Volks- Schützen- und Heimatfest, außerdem wird der neue Schützenkönig ermittelt.

Wanfried – Aus dem Wanfrieder Vogelschießen heraus hat sich das beliebte Volksfest überhaupt erst entwickelt, dass nach Coronapause an diesem Wochenende wieder stattfindet. Deshalb werfen wir einen Blick auf diese Tradition.

Der Vogel

Der zweiköpfige Vogel aus Holz wird jedes Jahr aufs Neue gebaut und zusammengesetzt. Zuerst wird dabei der Rumpf gefertigt, es folgen Flügel, Schwanz, Beine, Zepter, Reichsapfel, Brustflächen Doppelkrone, Köpfe und Schnabelringe. Sind alle Einzelteile zusammengesetzt, wird der Vogel lackiert. Schlussendlich hat Wanfrieds Schützenvogel eine beachtliche Spannweite von 2,5 Metern und eine Höhe von 2 Metern. Gut einen Zentner bringt er auf die Waage.

Der Wanfrieder Schützenvogel hat Tradition. Bereits seit dem Jahr 1850 wird der Vogel für jedes Schützenfest neu hergestellt. Die Schreinerei Knierim hatte vor mehr als 100 Jahren den ersten Vogel gefertigt – damals noch deutlich kleiner. Diese Tradition setzte sich fort.

Karl Knierim nahm schlussendlich einen Doppeladler auf einem alten österreichischen Taler als Vorbild, um in hundertfacher Größe den heute bekannten Schützenvogel für Wanfried zu fertigen.

Viele Jahrzehnte haben die Schreiner der Familie Knierim den Vogel für das Wanfrieder Volks- Schützen- und Heimatfes gefertigt. Inzwischen hat Horst Lorenz das Amt des Vogelbaumeisters übernommen.

Die zehn Schützenkönige der Vorjahre

2010: Peter Fallis †

2011: Peter Grein

2012: Sascha Herwig

2013: Erhard Niklass

2014: Siegfried Gebhard

2015: Björn Marz

2016: Stephan Hoffmann

2017: Jörg Hofmann

2018: Andreas Höppner

2019: Lars Karaman

Das Schießen

Erst wird er sorgsam gebaut, dann wird auf den Doppelvogel geschossen: Unter Aufsicht des Oberschießwartes zielen die Schützenbrüder auf den Vogel aus Holz.

Das wird als „tranchieren“ bezeichnet – angelehnt an das richtige und kunstgerechte Zerlegen von Geflügel. Nach einer festgesetzten Reihenfolge und einem besonderen Verfahren werden die Teile des Vogels nach und nach abgeschossen. Der Schützenbruder, durch dessen Schuss am Montag das letzte Teil fällt – der Korpus – wird neuer Schützenkönig Wanfrieds.

Der Schützenkönig

Gleich zwei Jahre in Folge konnte aufgrund der Pandemie kein neuer Schützenkönig ermittelt werden. Lars Karaman blieb also im Amt und auch Leonardo Heinrich wurde als Jugendschützenkönig seit 2019 nicht abgelöst. Das könnte sich in wenigen Tagen ändern, denn bislang konnte kein Schützenkönig seinen Titel im Folgejahr verteidigen.

Von Theresa Lippe

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