Bundestagswahl

Wilhelm Gebhard zu seiner Bundestagskandidatur: „An Mut mangelt es mir nicht“

Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard CDU auf dem Fahrrad in Wanfried.
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Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard CDU auf dem Fahrrad in Wanfried.

In diesem Jahr steht die Bundestagswahl an. Für den Wahlkreis 169 geht auch ein im Werra-Meißner-Kreis bekanntes Gesicht ins Rennen: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

Wanfried – Wilhelm Gebhard will es wissen. Der Bürgermeister von Wanfried tritt bei der Bundestagswahl im September an, um das Direktmandat zu gewinnen. Welche Chance er sich dafür ausrechnet, welche Rolle die Bundes-CDU dabei spielen könnte und was er in Berlin für den ländlichen Raum erreichen will, beantwortet er im Interview mit Tobias Stück.

Die K-Frage ist geklärt, Laschet wird’s. Eine gute Entscheidung?
Dass es eine Entscheidung gibt, ist erst einmal gut. Jetzt gilt es, den Menschen klarzumachen, dass die Wahl nicht an einer Person Laschet oder Söder hängt, sondern, dass die Bundestagswahl eine echte Richtungswahl ist. Davon hängt viel für unser Land ab.
Die Basis – so sagen es die Umfragen – hätte sich eher für Söder ausgesprochen. Sie selbst sehen sich als Vertreter der Basis: Hat der Bundesvorstand gegen den Willen der Basis entschieden?
Gefühlt ist das so, ja. Tatsächlich würde man das nur ermitteln können, wenn die Basis, wenigstens die Kreisvorsitzenden, abgestimmt hätte. Das ist bei der CDU nicht vorgesehen, hätte ich mir aber in diesem strittigen Fall gewünscht. Ich bin fest davon überzeugt, dass es der Bundespolitik mehr denn je guttäte, wenn Menschen von der Basis und damit frischer Wind nach Berlin gewählt werden.
Sind ein Kanzlerkandidat Laschet und das Herumgeeiere des Bundesvorstands ein Handicap für Sie im Bundestagswahlkampf?
Förderlich war die tagelang öffentlich geführte Personaldiskussion für alle CDU-Direktkandidaten sicherlich nicht. Davon lasse ich mich aber nicht beirren. Ich konzentriere mich auf den Bundestagswahlkreis, auf unsere Themen vor Ort, auf meine Person und auf meine Stärken. Die Menschen kennen mich und wissen, was sie für ihre Stimme bei mir bekommen.
Wie mutig ist es, im sozialdemokratisch geprägten Nordhessen gegen einen Bundestagsabgeordeten anzutreten, der schon sechsmal wiedergewählt wurde und als Staatsminister sich einiges an Renommee aufgebaut hat?
Wer mich kennt, weiß, dass es mir an Mut nicht mangelt. Mut muss man auch haben, wenn man sich in der Politik bewegt. Meine Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2007, bei der ich mit 30 Jahren gegen einen erfahrenen Amtsinhaber angetreten bin, hatte eine ähnliche Ausgangsposition. Ich bin Fußballer. Da will man gewinnen, wenn man auf dem Platz steht. Ich stelle mich der Wahl und biete den Menschen eine echte Alternative an, ein Kandidat von der Basis, der die Sorgen und Nöte der Menschen kennt, der den ländlichen Raum und die Interessen der Menschen in Berlin mit Nachdruck vertreten möchte.
Als Neuling brauchen Sie nicht auf einen guten Listenplatz zu hoffen. Wie gewinnen Sie das Direktmandat?
Durch meine Authentizität, durch viel Präsenz und durch meinen privaten, beruflichen und politischen Werdegang.
Woher kommt der Wunsch, in die Bundespolitik einzusteigen? Haben Sie in Wanfried schon alles erreicht?
Man hat nie alles erreicht. Mit den Bürgerinnen und Bürgern Wanfrieds habe ich in den fast 14 Jahren gemeinsam sehr viel erreicht. Jetzt wurde mir eine einmalige Chance geboten. Der Wunsch, nach Berlin zu gehen, begründet sich aus den gemachten Erfahrungen meiner Amtszeit. Viele Gesetze und Beschlüsse werden in Berlin nicht bis zum Ende der Kette gedacht. Ich möchte mithelfen, dass sich das ändert und die lokale, kommunale Ebene mehr Berücksichtigung findet.
Viele in den eigenen Reihen sehen Sie als Herausforderer von Landrat Stefan Reuß bei der Wahl 2024. Schließt eine Kandidatur für den Bundestag, gar eine Niederlage, die Bewerbung als Landrat aus?
Das habe ich noch gar nicht gewusst, freue mich aber, dass mir das zugetraut wird (lacht). Jetzt ist Bundestagswahl 2021. Hier möchte ich das Direktmandat gewinnen. Die nächste Landratswahl ist im Jahr 2024. Die CDU Werra-Meißner wird auch dann sicherlich einen aussichtsreichen Kandidaten aufstellen.
Was wollen Sie in Berlin erreichen?
Oberste Priorität hat für mich dieser Wahlkreis. Ich bin überzeugt davon, dass unserem ländlichen Raum die Zukunft gehört. Vorausgesetzt natürlich, es gelingt der Politik, die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse wie im Grundgesetz beschrieben muss gleichermaßen für die Ballungsräume wie auch für den ländlichen Raum gelten. Die Digitalisierung mit einer Breitbandversorgung bis ins Haus, die wohnortnahe ärztliche Versorgung, ein verlässlicher und moderner ÖPNV, eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung und die finanzielle Entlastung von Kommunen – dafür werde ich mich einsetzen. Und wenn zukünftig unserer Landwirtschaft die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird wie der Ansiedlung des Wolfes, dann ist mir um die heimische Landwirtschaft nicht bange. Zudem möchte ich unseren geografischen Vorteil, die Mitte Deutschlands, stärker vermarkten.
Rund um Eschwege und Wanfried ist ihre Bekanntheit unbestritten. Der Wahlkreis 169 ist aber riesig und erstreckt sich von Haunetal im Süden bis nach Hebenshausen im Norden. Wie wollen Sie es schaffen, sich in nur knapp fünf Monaten überall bekannt zu machen?
Durch Interviews wie diese, durch viel Präsenz und einen engagierten Wahlkampf. Bürgernähe ist eine meiner Stärken. Und wenn die Leserinnen und Leser der Heimatzeitung, die mich hier gut kennen, ihren Freunden und Bekannten in den anderen Kommunen des großen Wahlkreises Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg sagen, dass der Wilhelm Gebhard genau so ist, wie er sich im Wahlkampf präsentiert, wäre das ebenfalls eine große Hilfe.
Die Größe des Wahlkreises führt auch zu unterschiedlichen Befindlichkeiten. Im Kali-Revier sichert der Salzabbau Tausende Arbeitsplätze, im weiteren Verlauf des Werratals spürt man die Auswirkungen der Salzeinleitung in die Werra. Wie gelingt der Spagat?
Ich empfinde die Werra-Versalzung nicht mehr als trennendes Problem. Ich meine, es wurde ein sehr guter Weg gefunden, auch mit dem Anrainer-Fonds. Mir ist es wichtig, eine gute Balance zwischen den wichtigen Arbeitsplätzen in der Region und der Ökologie zu finden. Aber da sind wir auf einem guten Weg.
Welches wird das dringendste Problem aus dem Wahlkreis 169 sein, für das Sie sich in Berlin gleich einsetzen würden?
Die Fertigstellung der A 44 ist ein wichtiges Thema, aber auch die dringend notwendige finanzielle Entlastung der Kommunen bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr.

Von Tobias Stück

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