Gartenarbeit hat sie fit gehalten

Die zweitälteste Wanfriederin Herta Kobold feiert ihren 100. Geburtstag

Mit Abstand, Gesichtsmaske und draußen: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard überbringt Herta Kobold zu ihrem besonderen Geburtstag die Glückwünsche von Stadt, Kreis und Land.
+
Mit Abstand, Gesichtsmaske und draußen: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard überbringt Herta Kobold zu ihrem besonderen Geburtstag die Glückwünsche von Stadt, Kreis und Land.

Die zweitälteste noch lebende Wanfrieder Herta Kobold hat am Sonntag im Seniorenzentrum Plesseblick ihren besonderen Geburtstag gefeiert. Bürgermeister Gebhard gratulierte für Stadt, Kreis und Land.

Wanfried – Bürgermeister Wilhelm Gebhard beglückwünschte die rüstige Seniorin zum 100. Geburtstag auf der Terrasse des Pflegezentrums.

Große Liebe

Nach der Schule fand Herta Kobold eine Anstellung in der Wanfrieder Zigarrenfabrik Ungewitter und war fortan im Versand tätig. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, Reinhold Kobold aus Niederdünzebach kennen. Er war bei Ungewitter als Prokurist tätig. Mit Kriegsbeginn wird ihr Lebensgefährte Reinhold eingezogen und diente den ganzen Krieg über als Gefreiter. 1944 unternimmt die Jubilarin eine waghalsige Reise, um ihren Verlobten, der in Posen stationiert ist, endlich mal wieder zu sehen. „Soweit bin ich danach nie mehr gereist“, verrät die Jubilarin.

1946 wurde geheiratet. Für die Hochzeitsfeier besorgte der Vater von Herta Kobold ein Lamm bei einem Bauern. „Als Bezahlung fertigte mein Vater, der von Beruf Schreiner war, dem Bauern ein ganzes Schlafzimmer, was sich heute keiner mehr vorstellen kann“, schmunzelt die Jubilarin und berichtet von einer Zeit, in der der Hunger zum Alltag der Menschen gehörte.

1949 erblickte Tochter Rosemarie das Licht der Welt. Rosemarie wird vor allem während ihrer Schulzeit von ihren Klassenkameraden um ihre schönen Anziehsachen beneidet, die Mutter Herta mit großem Geschick strickte. Ihre zweite Leidenschaft gilt der Gartenarbeit und Blumen.

Großes Schicksal

1976 stirbt ihr Mann nach langer Krankheit. Von ihm erzählt sie heute noch mit leuchtenden Augen, was für ein guter Mann er gewesen sei. Er war immer fröhlich, hatte für niemanden ein böses Wort und machte seinem Nachnamen alle Ehre, denn ihm habe „der Schalk stets im Nacken gesessen.

Nach zwei Jahren hält Herta Kobold es nicht mehr allein in dem großen Haus aus und zieht zu ihrer Schwester nach Völkershausen, wo sie auch bis zu deren Tod im Jahr 2009 wohnen bleibt. Die Geschwister waren schon immer ein Herz und eine Seele und so funktioniert diese Wohngemeinschaft auch reibungslos. 1924 war ein Bruder der beiden mit einem Jahr gestorben.

Das Haus in Niederdünzebach bleibt in Herta Kobolds Besitz und damit auch der Garten. Nach dem Tod von Ehemann Reinhold fährt die Jubilarin 14 Jahre lang mindestens dreimal wöchentlich (im Sommer auch täglich) mit dem Fahrrad von Völkershausen nach Niederdünzebach, bewirtschaftet dort den ganzen Tag ihren Garten und fährt abends, in der Erntezeit oft schwerbepackt, wie–der zurück. „Vielleicht ist es diese jahrzehntelange harte Arbeit in der freien Natur, der sie ihre robuste Gesundheit zu verdanken hat“, vermutet Tochter Rosemarie. Ihre geistige Flexibilität hat sie bis vor Kurzem noch mit ihrer dritten Leidenschaft trainiert – dem Lösen von Kreuzworträtseln.

2001 wird Herta Kobold zum ersten Mal Uroma. Inzwischen hat sie zwei Urenkelinnen und zwei Urenkel, die aber alle in Südhessen leben, weshalb sie sie selten sieht.

Große Lebensleistung

Gebhard bezeichnete Herta Kobold als lebendigen Beweis der jüngeren deutschen Geschichte ist. Sie hat die Weimarer Republik erlebt, die Machtergreifung Hitlers, die schlimme Zeit des Krieges, die Teilung Deutschlands, die Wende und ein vereintes Europa.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.