1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Am 8. Dezember heulen die Sirenen und vibrieren die Handys

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tobias Stück

Kommentare

Klassiker: Die Sirene des Typs E57 mit dem pilzförmigen Dach ist wohl noch das vorherrschende Modell in Landkreis.
Klassiker: Die Sirene des Typs E57 mit dem pilzförmigen Dach ist wohl noch das vorherrschende Modell in Landkreis. © Matthias Haaß

Am Donnerstag werden in ganz Deutschland die Warnsysteme getestet. Der erste Versuch im September 2020 verlief nicht wie geplant.

Werra-Meißner – Am nächsten Donnerstag um 11 Uhr findet der bundesweite Warntag statt. Es ist der zweite seiner Art. Es soll erneut geprüft werden, ob bei einer Gefahrensituation alle Bürger gewarnt werden. An die Erstauflage im September 2020 haben Katastrophenschützer keine guten Erinnerungen. Eher selten funktionierte damals die bundesweite Warnung. Auch im Werra-Meißner-Kreis blieben beispielsweise viele Sirenen still. Aus den Fehlern habe man gelernt, am 8. Dezember soll es besser laufen, sagt Kreisbrandinspektor Christian Sasse.

Neues Konzept für bundesweites Warnsystem

Sasse ist nicht nur für den Brandschutz im Kreis zuständig, sondern auch für die Gefahrenabwehr. In den vergangenen Monaten hat er mit seinem Team ein Konzept entwickelt, um die Probleme vom letzten Mal auszumerzen und neue Techniken zu integrieren. Mit Ende des Kalten Krieges wurden in Deutschland zahlreiche Einrichtungen zur Bevölkerungswarnung abgebaut. „Jetzt gilt es, die teilweise nicht mehr vorhandenen Strukturen neu aufzubauen beziehungsweise zu aktualisieren“, sagt Sasse.

Christian Sasse Kreisbrandinspektor
Kreisbrandinspektor Christian Sasse © Salzmann, Stefanie

Der Plan des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist ein modulares Warnsystem aus verschiedenen Elementen wie Sirenen, dem erstmals getesteten Cell-Broadcasting aufs Handy, Warnapps und Durchsagen im Rundfunk zu testen. „Das besondere Augenmerk liegt auf der Sensibilisierung der Bevölkerung“, sagt Sasse. Sie soll aufgeklärt werden, warum es notwendig ist, behördliche Warnungen empfangen zu können und sich entsprechend zu verhalten.

Nur Smartphones auf dem neuesten Stand empfangen Warnung

Was wird nächsten Donnerstag neu sein? Der Bund nutzt dieses Mal ein von den Katastrophenschutzbehörden gefordertes Warnsystems – das sogenannten Cell-Broadcast. Um eine solche Warnung zu erhalten, muss ein Smartphone auf dem neusten Stand, alle Updates installiert sein. Fachleute rechnen damit, dass während des Tests nur die Hälfte aller Handys auslösen wird. Sasse sagt, dass aufgrund der technischen Gegebenheiten die Warnungen sich nicht allesamt pünktlich um 11 Uhr umsetzen lassen, sondern vielmehr ab 11 Uhr erfolgen. „Insbesondere die Sirenen werden nacheinander angestoßen.“

Neuer Alarmton direkt auf das Smartphone

Mit Cell Broadcast können Nachrichten an alle Nutzer einer Funkzelle in allen 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in Deutschland gesendet werden. Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie NINA oder Katwarn muss man keine App haben, um alarmiert zu werden. Mit dem Eintreffen des Warntextes ertönt ein lautes Tonsignal. Der Warntext erscheint dann ohne Zusatzanwendung auf dem Bildschirm. ts

Der Warntag im September 2020 war ernüchternd. Deswegen wurden seitdem auf allen Ebenen die Konzepte überarbeitet und die Probleme angegangen, wie Kreisbrandinspektor Christian Sasse berichtet. „Je nach Verfügbarkeit des Personals, der kommunalen Auftragsvergabe als auch der Verfügbarkeit der nötigen Bauteile sind die ersten Sirenen auf digitale Alarmierung umgestellt worden.“

Im Werra-Meißner-Kreis ist die Umstellung lediglich in der Stadt Waldkappel komplett erfolgt. Gut ein Jahr dauerte die Umrüstung von der Planung bis zur tatsächlichen Umsetzung im Juni 2021. Hier sind die nötigen Signale zur Warnung der Bevölkerung wieder sichergestellt. An jeder Sirenenanlage wurde ein Steuerempfänger mit Digitalfunkgerät eingebaut. Dieser kann digital direkt vom Gefahrenabwehrzentrum des Werra-Meißner-Kreises in Eschwege angesteuert werden.

Weitere Modernisierungen stehen an. 120 000 Euro sind zu Beginn des Jahres für die Modernisierung der Sirenen in den Werra-Meißner-Kreis geflossen. Davon profitieren Bad Sooden-Allendorf, Herleshausen, Hessisch Lichtenau, Eschwege, Ringgau, Sontra, Witzenhausen und Wehretal, die je 15 000 Euro Fördermittel für die Errichtung neuer Sirenen erhalten. In Wanfried ist die Umrüstung der sieben Sirenen der Stadt und der Stadtteile schon angelaufen.

Die Bevölkerungswarnung unterscheidet sich dabei ganz deutlich von den bekannten Tönen bei der Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr. Ein auf- und abschwellender Heulton, der eine Minute lang ertönt, wird bei den digitalen Sirenen am 8. Dezember beispielsweise zu hören sein. Die Sirenen, die noch nicht umgerüstet wurden, werden den klassischen Feueralarm senden. „Dies kann auch nach 11 Uhr erfolgen, da die analoge Ansteuerung leider viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Sasse.

Der Werra-Meißner-Kreis habe insgesamt den Vorteil, so Sasse, insbesondere in seinen kleineren Ortsteilen noch flächendeckend Sirenen vorzuhalten. Dies bedeutet, dass er über eine gut ausgestattete Infrastruktur verfüge. „Es gilt somit, diese auf den aktuellen Stand der Technik umzurüsten.“ Zudem wurde ein Austausch vorhandener Sirenen angestoßen, sodass diese auch bei Stromausfall funktionieren würden.

Unabhängig vom Sirenenalarm empfiehlt Sasse das Herunterladen der Apps Hessenwarn und Nina, die auch unabhängig vom Warntag Verwendung finden sollten. Beide gibt es in den App-Stores von Apple und Google. (Tobias Stück)

Auch interessant

Kommentare