Witzenhäuser Feuerwehr bereiteten Katastrophenschutz bezüglich des Januar-Orkans aus

Was die Einsatzkräfte von "Friederike" lernten

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Hilfe für Bürger: Bei einem längeren Stromausfall sollen die Wehren erste Anlaufstellen für Anwohner sein. Bei Orkan „Friederike“ waren in Witzenhausen daher nicht nur innerhalb einer Stunde alle Feuerwachen besetzt, es gab auch ein Infomobil auf dem Marktplatz. „Die Menschen waren dankbar, dass es für sie an einem logischen Punkt Hilfe gab“, berichtet Werner Kreßner (Bild).

Werra-Meißner. Während des Orkans „Friederike“ fiel am 18. Januar vor allem im nördlichen Werra-Meißner-Kreis stundenlang der Strom aus. Hundelshausen war besonders schwer getroffen: Hier war sieben Stunden lang der Strom weg. Doch aus so einer Situation können die Feuerwehren im Landkreis eine Menge lernen, wie Vertreter der Witzenhäuser Einsatzkräfte kürzlich bei einer Nachbereitungsrunde diskutierten.

Wir stellen einige der wichtigsten Aspekte vor.

? Wie hat bei Sturm Friederike die Alarmierung der Wehren geklappt, nachdem im nördlichen Werra-Meißner-Kreis auch die Handynetze ausgefallen sind?

!Die Feuerwehren werden nur als zusätzlicher Alarmierungsweg per Handy zum Einsatz gerufen, erläutert Kreissprecher Jörg Klinge. Normalerweise laufe die Alarmierung auch bei Stromausfall über das sogenannte BOS-Netz und die Funkmeldeempfänger.

„Da in der Regel bei einem Stromausfall auch die Sirenen nicht funktionieren, sollten die Führungskräfte mit entsprechenden Meldern ausgestattet sein.“ Wer einen sogenannten „Pieper“ bekommt, entscheide aber die Kommune, die die Kosten tragen muss.

? Die Einsatzplanung des Landes zum Brand- und Katastrophenschutz empfiehlt bei flächendeckendem Stromausfall nach vier Stunden der Katastrophenfall auszurufen. Warum ist das bei „Friederike“ nicht geschehen?

!Nur der Landrat und sein Vertreter können den Katastrophenfall ausrufen. „Dies war jedoch zu keiner Zeit nötig, wurde nicht einmal diskutiert“, so Klinge. Ob und wie die Rahmenempfehlungen angewendet werden, müsse im Einzelfall geprüft werden.

? Während des Stromausfalls haben mehrere Wehren auf der gleichen Frequenz gefunkt. Warum wird nicht jeder Kommune eine der 16 festen Frequenzen zugewiesen?

!Neben den 16 Feuerwehren im Werra-Meißner-Kreis gibt es laut Klinge auch noch Katastrophenschutzeinheiten des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und der DLRG. „Daher ist die feste Zuordnung weder sinnvoll, noch produktiv oder durchführbar.“ Die Leitstelle müsse die Gruppen entsprechend aufteilen. „Die angesprochene Doppelvergabe der Funkfrequenzen war nur in der kurzen Anfangszeit und wurde kurzfristig entdeckt und behoben.“ Zudem seien bei Anwendung der entsprechenden Funkdisziplin unterschiedliche Wehren eindeutig voneinander zu unterscheiden, so Klinge. Zu Zeiten des Analogfunks habe es sogar nur vier nutzbare Kanäle gegeben.

? Wie kommt die App Katwarn zum Einsatz?

! Seit der Einführung 2015 haben sich über 9500 Menschen die App im Kreis heruntergeladen. Im Notfall können der Kreisbrandinspektor, seine Vertreter und die Leitstelle damit die Bevölkerung warnen. Laut Klinge sei das sowohl bei „Friederike“ als auch bei dem Sturmtief „Herwart“ am 29. Oktober 2017 geschehen. Auch über Störungen bei der Trinkwasserversorgung in Waldkappel und einem Notrufausfall (beides im Juli 2017) wurde per App informiert. Die Nachrichten können allerdings nur empfangen werden, wenn Telefon- und Handynetz funktionieren.

? Was passiert, wenn ein Stromausfall länger dauert?

!Viele Feuerwehrleute aus Witzenhausen haben sich nach dem mehrstündigen Einsatz gefragt, wo sie Treibstoff für die Generatoren bekommen hätten, wenn bei Stromausfall auch die Pumpen der heimischen Tankstellen nicht funktionieren.

Zunächst müsse man auf die Reserve auf den Fahrzeugen zurückgreifen, sagt Klinge. Danach hätte ein Transport von Tankstellen aus Bereichen ohne Stromausfall stattfinden können. Wolle eine Wehr größere Treibstoffvorräte für den Notfall lagern, müsse die Lagerstätte den rechtlichen Bestimmungen entsprechen, so Klinge. „Die Frage ist vielmehr, ob dies sinnvoll ist, da diese Lagerung auch regelmäßig gewälzt werden müssen, damit sich etwa der Dieselkraftstoff nicht trennt.“

Zur Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen könnten über den Landkreis die Katastrophenschutzeinheiten des DRK angefordert werden, die auch ohne Strom größere Mengen zubereiten können.

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