Zwangspause für Nachwuchs

Jugendwehren nutzen Weihnachtsbaum-Sammelaktionen für Spenden

Im vergangenen Jahr konnte die Jugendfeuerwehr in Hessisch Lichtenau noch die Weihnachtsbäume einsammeln. Dieses Jahr geht das leider nicht mehr.
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Im vergangenen Jahr konnte die Jugendfeuerwehr in Hessisch Lichtenau noch die Weihnachtsbäume einsammeln. Dieses Jahr geht das leider nicht mehr.

Wohin mit den Weihnachtsbäumen? Diese Frage stellt sich in diesem Jahr für einige Bewohner des Kreises, da vielerorts die Sammlungen ausfallen.

Die übernehmen sonst häufig die Jugendfeuerwehren, oft unterstützt von Landwirten mit Traktoren und Anhängern.

So auch im Hessisch Lichtenauer Stadtteil Fürstenhagen: Dort war es in den vergangenen Jahren zur Tradition geworden, dass die Kinder- und Jugendfeuerwehr im Januar von Haus zu Haus gezogen ist, um die Weihnachtsbäume einzusammeln. Im Gegenzug gab es eine kleine Spende. „Wir bitten meist um einen Euro pro Baum als Spritgeld für die Bauern“, sagt Vereinsvorsitzender Marco Quehl. „Der Überschuss geht dann an die Kinder- und Jugendfeuerwehr.“

Damit die Weihnachtsbäume dennoch problemlos entsorgt werden können, haben sich viele Orte eine kontaktlose Alternative einfallen lassen. Für die Jugendwehren sind die mit den Sammelaktionen verbundenen Spenden eine wichtige Einnahmequelle. Der Verwendungszweck ist den Gruppen freigestellt, sagt Kreisjugendfeuerwehrwart Carsten Schweitzer. Viele würden sie für Ausbildungsgegenstände, Ausrüstung und Fahrten nutzen.

In Fürstenhagen werden davon zum Beispiel Besuche im Schwimmbad, die Übernachtung beim Berufsfeuerwehrtag oder ein Besuch eines Freizeitparkes finanziert. „Wir nagen jetzt nicht am Hungertuch“, meint Marco Quehl. Doch wenn diese Einnahmen wegbrechen, müssten das in der Regel die Eltern ausgleichen.

Wegen der Pandemie sei im Moment jedoch eh kaum etwas möglich, sagt Quehl. So haben die Kinder und Jugendlichen in Fürstenhagen seit Beginn der Pandemie lediglich vier Übungen machen können. „Das ist traurig für die Kinder und wir werden immer wieder gefragt, wann es weitergeht“, berichtet Quehl. Das bestätigt auch Robert Heim von der Kreisjugendfeuerwehr: „Man versucht, den Kontakt zu halten und nach den Sommerferien hatte man die Kinder und Jugendlichen endlich wieder bei der Stange.“ Doch dann kam das erneute Ausbildungsverbot.

Ausbildungsverbot für Großteil des Jahres

Im Werra-Meißner-Kreis gibt es 84 Jugendfeuerwehrgruppen und etwa 30 Kinderfeuerwehren. Für alle gab es im vergangenen Jahr kaum Veranstaltungen, da im Frühjahr ein Ausbildungsverbot für die Feuerwehren verhängt wurde. Dieses wurde erst nach den Sommerferien wieder aufgehoben, wie Robert Heim von der Kreisjugendfeuerwehr berichtet. Seit Oktober ruht die Ausbildung nun wieder durch den erneuten Lockdown. 

Für Ausbildung werden Online-Alternativen getestet

Die Jugendfeuerwehren im Kreis können in diesem Jahr die Weihnachtsbäume coronabedingt nicht einsammeln. Die Spenden, die bei dieser Aktion sonst aber gesammelt werden, sind eine wichtige Einnahmequelle für sie. Bei vielen Alternativaktionen wurde deswegen auch eine Spendenmöglichkeit eingerichtet, um die Jugendarbeit der Wehren weiterhin zu unterstützen.

Die Feuerwehren versuchen während des Ausbildungsverbots dennoch den Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. „Nach den Sommerferien waren wir wirklich froh, dass alle wieder gekommen sind“, sagt Christian Staub, Wehrführer von Rommerode. Um auch weiterhin im Gedächtnis der Jugendlichen zu bleiben, gab es von den Jugendwarten einen Adventskalender für die Mitglieder.

Auf Kreisebene können die Jugendwarte an den Kursen für die Jugendleitercard (Juleica) teilnehmen, wie Robert Hein von der Kreisjugendfeuerwehr berichtet. Im Sommer hatte man einen Lehrgang begonnen, der seit Dezember nun online weitergeführt wird. „Es geht erstaunlicherweise sehr gut“, sagt Hein. Der Kurs wurde durch verschiedene Module aufgelockert. „Es sollte ja auch ein Beispiel sein, wie die Betreuer mit ihren eigenen Gruppen dann weitermachen können“, berichtet Hein.

So habe das Leitungsteam einen digitalen Escape-Room entwickelt, in dem spielerisch Wissen vermittelt wird. Von Seiten der Verantwortlichen setzen die Jugendfeuerwehren nicht unbedingt auf Spiele, sagt Hein, die Kinder natürlich schon. Deswegen versuche man, dass die Verantwortlichen es selbst ausprobieren. Zudem müssten sie auch im Onlineverfahren Erfahrungen sammeln, die die Jugendlichen schon durch die Schule haben.  

(Evelyn Ludolph)

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