Der Bann ist gebrochen

Nach 70 Jahren brüten Weißstörche jetzt auch in Nesselröden

Wieder Vertrauen gefasst und den Horst in Nesselröden bezogen. Das letzte Storchennest war nach dem Zweiten Weltkrieg vom Dach des Landgrafenschlosses geschossen worden – seither mieden die Störche den Ort.
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Wieder Vertrauen gefasst und den Horst in Nesselröden bezogen. Das letzte Storchennest war nach dem Zweiten Weltkrieg vom Dach des Landgrafenschlosses geschossen worden – seither mieden die Störche den Ort.

Der Weißstorch hat den Werra-Meißner-Kreis wieder für sich entdeckt. Nachdem es drei Jahrzehnte kein Brutpaar gab, brütet nun nach Schwebda auch in Nesselröden ein Weißstorchenpaar.

Nesselröden – „Seit April klappert es in Nesselröden von einer Pappel unweit der Autowerkstatt Rimbach“, weiß Stephan Boschen, Gutverwalter von Hohenhaus, zu berichten. 70 Jahre hatte in der Gemeinde kein Weißstorchenpaar mehr gebrütet, trotz zahlreicher Bemühungen um sozialen Wohnungsbau für Adebar.

Umso überraschender sei es gewesen, dass Mitte April 2021 gleich vier Störche heftig um eine Nisthilfe auf der Pappel stritten. „Als das Verliererpaar abzog, nahmen die Gewinnerstörche das Nest in Besitz, vertrieben flugs noch die untermietenden Nilgänse und klapperten, was der Schnabel hergab.“ Scheinbar mit Erfolg, denn unverzüglich wurde die Brut aufgenommen und seit einigen Tagen sei zu beobachten, dass die Störche Futter zum Nest tragen. Bestätigt werden, so Boschen, kann ein Bruterfolg aber noch nicht – die Höhe des Nestes ermöglicht von unten keinen Einblick.

Lange schon hätten die Herleshäuser neidisch über die Werra nach Lauchröden geschielt – denn dort brüteten immer wieder Weißstörche. Das letzte Storchenpaar bei Herleshausen wurde nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges vom Landgrafenschloss geschossen. Offenbar „aus Rache“ mieden die Störche fortan das hessische Werratal und zogen ihre Jungen lieber in Lauchröden auf. Zwar seien sie zur Nahrungssuche auch in Hessen unterwegs gewesen, bleiben wollten sie aber offenbar nicht. „Nun schein der Bann gebrochen“, sagt Boschen.

Vor acht Jahren angestiftet von Wolfram Brauneis fanden sich bereits vor acht Jahren genügend Freiwillige, um den Störchen in Nesselröden eine Nestunterlage anzubieten. Zimmerei Eisenberg baute die Nestunterlage und sorgte zur Nestmontage für einen schwindelfreien Handwerker, der den Host in 15 Metern Höhe montierte. Gut Hohenhaus fertigte das Nest. Firma Rimbach sorgte für eine freie Anfahrt. Schon wenige Tage später tauchten die ersten Störche damals am Nest auf, bleiben wollte aber keiner. Und auch in den kommenden Jahren führten einzelne Besuche von Störchen nicht zu einer Brut.

Waldbewohner auf Wiese: Ein seltener Schwarzstorch wurde jetzt auf einer Wiese in Jestädt gesichtet.

Als der Sturm dem Storchennest arg zu schaffen machte, wurden Nest und Nestunterlage 2017 erneuert. Ergänzt wurde das bewährte Helferteam um die Firma Mateco aus Kassel, die eine Hebebühne samt Personal für die Nestmontage abstellte. Und wieder wurde das liebevoll von Hannah und Lars Boschen geflochtene Nest nur besucht – eine Brut blieb bis zu diesem Jahr weiterhin aus.

Doch nicht nur die Weißstörche finden wieder Gefallen am hessischen Werratal. Gudrun Krause beobachtete kürzlich im Morgennebel von ihrem Haus aus am Klingengraben in Jestädt auf einer frisch gemähten Wiese einen Schwarzstorch. Die Tiere sind nicht nur selten, sondern sehr scheu und absolute Waldbewohner.

Von Stefanie Salzmann

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