15-Jährige kämpft seit vier Jahren ums Überleben

"Wir sind nicht allein“: Überwältigende Unterstützung für schwer kranke Emily-Sophie

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Ein Bild aus gesunden Tagen: Emily-Sophie hat es ausgewählt, um Danke zu sagen.

Die Unterstützung für die schwer kranke Emily-Sophie aus Rambach ist schlichtweg überwältigend. Die Familie dankt nun allen Spendern und Unterstützern. 

Update, 04.12.2019, 9 Uhr: Die erst 15-jährige Emily-Sophie kämpft seit vier Jahren tapfer gegen handtellergroße Hirntumoren und Metastasen im Spinalkanal, erlitt dabei gar einen Hirninfarkt und magerte auf nur noch 19 Kilogramm Körpergewicht ab.

Der Zuspruch, den die gesamte Familie sofort nach Erscheinen des Berichts in unserer Zeitung erfahren hat, „hat uns umgehauen“, sagt Vater Jens Schweinsberg. Besonders wertvoll: die Anteilnahme der Menschen am Schicksal der Familie, der Trost in Zuschriften, persönlichen Gesprächen und Treffen. „Wir haben gemerkt: Wir sind nicht allein“, sagt Jens Schweinsberg.

Glauben, was in den vergangenen Wochen von Nachbarn, Freunden, Bekannten, ja von völlig fremden Menschen in die Wege geleitet wurde, um selbstlos zu helfen, können Emily-Sophies Eltern, ihre Schwestern und der Bruder kaum. Unzählige Menschen, Institutionen und Vereine haben gespendet, Wohltätigkeitskonzerte wurden organisiert, die Erlöse etwa aus Weihnachtsmärkten und Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. „Gänsehautmomente“ seien das gewesen; emotional fordernd, aber doch unendlich tröstend in ihrer Menschlichkeit. „Jedem Einzelnen möchten wir auf das Herzlichste danken, niemanden wollen und werden wir vergessen“, sagt Vater Jens Schweinsberg im Namen der gesamten Familie.

Aus Zuwendungen Kraft geschöpft 

Kraft geschöpft haben die Schweinsbergs aus der Vielzahl an Gesten und Zuwendungen – und ganz besonders eine: Emily-Sophie. „Emmy befindet sich gerade stationär in der psychosomatischen Abteilung des Universitätsklinikums Göttingen“, sagt der Vater. Dort wird sie von erfahrenen Ärzten betreut, um ihre Psyche behutsam wieder aufzubauen; auch ihr Selbstbewusstsein möchte die 15-Jährige zurückbekommen. Krebsfrei aber – das ist sie momentan, „und ihr drittes Haar wächst wieder“.

Kämpfen, das hat Emily-Sophie gelernt, und so ist sie auch während dieser neuen Herausforderung über alle Aktivitäten informiert. „Sie zieht Energie aus dem Beistand, den sie von so vielen Menschen erfährt, und schöpft mehr und mehr Lebensmut“, sagt Jens Schweinsberg.

Selbstverständlich ist, dass jeder Cent der Genesung der 15-Jährigen zufließt. Eine Liste aller Spender ist durch die Familie unter Einbezug eines Steuerberaters erstellt worden – und hier kann auch die Verwendung jedes einzelnen aus der Gesamtsumme entnommenen Betrags jederzeit nachgewiesen werden.

Dank der Familie

Diese Zeilen hat Emily-Sophie mit ihrer Familie ausgesucht, um Danke zu sagen:  „Der Dank ist das edle Eingeständnis unserer Grenzen. Wir sind alle aufeinander angewiesen, und dies äußert sich im menschenwürdigen Geben und Nehmen, im Bitten und Danken. In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön an alle Spender.“

Unterstützung angeregt

In besonderem Maße dankbar ist die Familie Schweinsberg Matthias Müller von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Er ist Initiator des Spendenaufrufs; gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Mäurer hat er den Anstoß gegeben. Wer Emily weiterhin helfen möchte, kann spenden: VR-Bank Mitte, DE60522603850101145355. Jeder einzelne Cent hilft.

15-jährige Emily-Sophie aus Rambach kämpft seit vier Jahren ums Überleben

Erstmeldung 17.11.2019, 6.45 Uhr: Die 15-jährige Emily-Sophie ist eine Kämpferin. Dann, wenn selbst die Worte fehlen, um das Unsagbare zu beschreiben, entwickelt die Rambacherin ihre schier unglaubliche Stärke, ihren unbändigen Lebenswillen. 

Zwei Hirntumore, einer davon so groß wie ein Viertel ihres Schädels, ein Hirninfarkt, anschließende Chemotherapien und Bestrahlungen haben die so zarte Schülerin fast aufgefressen – 19 Kilo nur noch wog sie zwischenzeitlich.

Das Wertvollste auf der Welt: Familie. Die Schweinsbergs aus Rambach geben sich gegenseitig Kraft: (von links) Susanne Schweinsberg, Emily-Sophie, Ann-Kathrin, Jens Schweinsberg und Kimberly.

Emily-Sophies Erkrankung hat in den vergangenen vier Jahren Spuren hinterlassen. Sichtbare, wie den abgeschnittenen Zopf ihres eingeflochtenen dichten, glänzenden Haars, den die Familie Schweinsberg sorgsam aufbewahrt. 

Sichtbare wie die starre Maske auf dem Küchentisch, die Emily-Sophies Kopf in quälender Haltung über Stunden fixierte und auf der die Zielpunkte des Lasers angezeichnet sind, der die bösartigen Tumorzellen in ihrem geschwächten Körper zerstörte.

Unvorstellbare psychische Belastungen

Grausam aber sind die Spuren, die niemand sieht, mit denen keine Teenagerin je sollte umgehen müssen. Andauernde Appetitlosigkeit bei mittlerweile immerhin 32 Kilo Körpergewicht etwa, unvorstellbare psychische Belastungen nach unzähligen Operationen – und, ja, auch die wiederkehrenden Fragen: „Warum ausgerechnet ich? Warum trifft mich dieses Schicksal nicht nur ein-, sondern gleich zweimal?“

„Still ist Emily geworden“, sagt Vater Jens Schweinsberg. Die Liebe zu seiner Tochter ist in jedem seiner Worte zu spüren. Nicht eine Minute haben er, seine Ehefrau Susanne und die Geschwister Ann-Kathrin und Kimberly ihre „Emmy“ allein gelassen. 

Seit 2015 kämpfte sie 

Nie seit April 2015, als sich Erbrechen und Übelkeit bei der damals erst Elfjährigen häuften und am Mittwoch vor Gründonnerstag die Diagnose „Hirntumor“ gestellt wurde.

Sieben Stunden wurde Emily-Sophie in Göttingen operiert; auf die erste Erleichterung nach überstandener OP folgt in der Nacht der Fall ins Bodenlose: Hirninfarkt. Emilys rechte Körperhälfte ist gelähmt; mühsam lernt sie Laufen, Sprechen, Schreiben. 

„Und plötzlich hat sie wieder meine Hand gedrückt“, sagt Jens Schweinsberg, noch heute mit Tränen in den Augen. Chemotherapien, Bestrahlungen, Reha in Bremen – alles scheint so gut, alles scheint überstanden.

Metastasen im Spinalkanal

Bis zum Februar 2019 – bei der Nachsorge wird wieder ein Tumor in Emilys Hirn entdeckt. Kleiner zwar, doch hat er gestreut: Im Spinalkanal finden sich Metastasen. Das Hoffen und Bangen, die Sorgen und der Kampf der Familie beginnen aufs Neue. Kraftquell ist ausgerechnet Emily, die Stärkste von allen, die kein Aufgeben kennt.

Heute erholt sie sich, wird im kommenden Jahr in einer psychosomatischen Klinik in Göttingen behandelt, um ihr Trauma zu verwinden. „Wir planen nur noch von heute auf morgen; was im nächsten Monat ist, wissen wir nicht“, sagt Jens Schweinsberg.

Bitte um Unterstützung

Die Krankheit Emily-Sophies hat Wunden hinterlassen, auch finanzieller Art. Teure Medikamente, die Fahrten in die Kliniken Göttingen und Essen bringen die Familie an ihre Grenzen und lassen keinerlei Annehmlichkeiten für Emily-Sophie zu. Wer helfen möchte, kann spenden: VR-Bank Mitte, DE60522603850101145355. Jeder einzelne Cent hilft. 

Weil sie ihr Baby mit Schmerzmitteln vergiftet hatte, ist eine 25-Jährige in Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

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