Weiter Schutz im Unterricht

Werra-Meißner-Kreis empfiehlt Schulen, auf Masken-Lockerung zu verzichten

Auf einem Holztisch liegt eine FFP2-Maske, im Hintergrund eine Kaffeetasse
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Das sind die Änderungen der Corona-Regeln. (Symbolbild)

Die auf einen niedrigen Stand gesunkene Inzidenz und der Impffortschritt sorgen für weitere Lockerungen bei den Schutzmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie. Größtenteils gelten sie in Hessen ab heute.

Werra-Meißner – Dazu gehört unter anderem, dass im Freien keine Maske mehr getragen werden muss. Außerdem sind wieder Treffen von mehr Personen möglich – im Freien statt bis zu zehn nun bis zu 25 Menschen, wobei Geimpfte, Genesene und unter 14-Jährige nicht mitzählen.

Auch in Innenräumen fällt die Maskenpflicht zum Teil, beispielsweise für die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten und für die Schüler, wenn sie im Unterricht an ihrem Platz sitzen. Letztere Lockerung ist allerdings auf große Bedenken beim Landkreis gestoßen. Deshalb haben sich Landrat Stefan Reuß (SPD) und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann (Grüne) gestern in Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt an alle Schulleitungen gewandt und „dringend empfohlen“, die Maskenpflicht im Unterricht zumindest bis zu den Sommerferien noch beizubehalten.

Bei 25 und mehr Schülern könne der Abstand oft nicht richtig eingehalten werden, zudem kämen sie aus unterschiedlichen Haushalten, begründete Vize-Landrat Wallmann gestern diese Empfehlung. „Das ist ein großes Risiko.“

Die Empfehlung kommt gerade auch Lehrkräften entgegen, die noch nicht zum zweiten Mal geimpft wurden. Aus ihren Reihen waren bereits Bedenken gegen diese Lockerung bei der Schulaufsicht geäußert worden, wie Schulamtsleiterin Anita Hofmann bestätigte. Schulleiter, Lehrkräfte und Eltern seien verunsichert, berichtete sie: Einerseits nehme man mögliche Lockerungsschritte gerne entgegen, andererseits müsse man wissen, dass bei Infektionsfällen in Räumen, in denen keine Masken getragen werden, die Quarantäne der ganzen Klasse notwendig sein wird.

Und nicht nur Hofmann, auch Wallmann blickt sorgenvoll auf die Delta-Variante des Virus’, die sich schnell verbreitet und deren Anteil mittlerweile offenbar auch in Hessen bei 20 Prozent liegt.

Für die Gastronomie hat sich eigentlich nichts geändert, kommentierte Christian Pelikan die Lockerungen der Corona-Maßnahmen durch das Land Hessen. Die Wirte hätten angesichts der sehr geringen Inzidenz erwartet, dass der Testnachweis für die Gäste für die Innenräume wegfallen kann, sagte der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Von daher sei man „schon enttäuscht“ und könne es auch nicht verstehen.

Als einzige Verbesserung durch neue Lockerungen für die Gastronomen sieht Pelikan, dass sich mehr Personen treffen können. Das bringe aber höchstens ein paar mehr Familienfeiern mit bis zu 50 Personen. Die Nachfrage für bis zu 30 Personen bestehe mittlerweile, für größere Feiern sei sie noch sehr verhalten. Entsprechend legten die Wirte den Fokus derzeit auf ihre Außenbereiche.

Und dass Hotels nun keine Begrenzung bei der Bettenbelegung mehr beachten müssten, bringe wirtschaftlich auch nicht viel. Denn, so der Dehoga-Kreischef, wer habe schon 100 Prozent Auslastung?

Zufriedener hört sich der Handel an. Ab sofort dürfen alle Geschäfte öffnen, ohne dass auf die Zahl der Kunden entsprechend der Größe des Verkaufsraums geachtet werden muss. So dürften sich zu Stoßzeiten keine Warteschlangen für Einkaufswagen mehr vor Super- und Baumärkten bilden.

Aber auch in kleineren Läden ist die Erleichterung groß: Axel Fahnert, stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Sontraer Handel, sprach beispielsweise von einem „wichtigen Schritt zur Normalität“. Nach Wegfall der Test- beziehungsweise Nachweispflicht von Genesenen und Geimpften sei die erhöhte Verunsicherung bei der Kundschaft schon gewichen, berichtete er. Die Kunden kämen wieder unbefangener und zahlreicher ins Geschäft.

Und an das „Hemmnis Maske“, so Fahnert, habe man sich zwar nicht gewöhnt, aber damit arrangiert. Solange dieser Schutz für nötig erachtet wird, sei er auch wichtig, äußerte er Verständnis für das Beibehalten der Maskenpflicht.

„Heilfroh“ sei man über die Lockerungen, sagte Obermeister Frank Fechtel (Eschwege) von der Friseur-Innung Werra-Meißner. Die bisherige Einschränkung von einem Kunden je zehn Quadratmeter habe eine „gewaltige Einschränkung in den Betriebsablauf“ bedeutet und sei angesichts des Hygienekonzepts auch „nie nachvollziehbar“ gewesen. Fechtel spricht von einer ungerechten Behandlung seines Berufsstandes. Nun hofften die Friseure im Landkreis wieder auf viel Kundschaft.

Treffen von 25 und mehr Menschen werden vom Land jetzt als Veranstaltung bezeichnet. Diese sind möglich mit Abstands- und Hygienekonzept, mit Kontaktdatenerfassung und – in Innenräumen – mit Erfassung der Kontaktdaten. Veranstaltungen in Innenräumen bedürfen bis zu einer Teilnehmerzahl von 250 Personen keiner Genehmigung durch das Gesundheitsamt mehr. Im Außenbereich dürfen sogar bis zu 500 Teilnehmer zusammenkommen – Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. Größere Veranstaltungen müssen weiterhin genehmigt werden.

Auch wenn Club und Diskos wieder öffnen dürfen: Tanzveranstaltungen dürfen vorerst nur im Freien stattfinden. (sff)

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