Schließung aufgrund der Corona-Pandemie

Weiter monatlich 5000 Euro Lohnkosten: Friseure bangen um ihre Existenz

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Die Salons in Bad Sooden-Allendorf bleiben seit gestern geschlossen: Die Friseurmeister Alexandra Acevedo-Dilcher und ihr Bruder Peter Dilcher bei „Übungen am toten Objekt“.

Zwar muss Peter Dilcher keine Konkurrenz aus dem Internet befürchten, trotzdem kommen auf den Friseurmeister schwierige Zeiten zu.

Seine zwei Läden in Sooden und Allendorf sind seit gestern aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, sein Laden im thüringischen Heiligenstadt ist bereits seit Freitag zu. „Das ist nicht schön, aber notwendig, denn wir haben ja direkten Körperkontakt zu den Kunden.“

Um seine Kundschaft zu informieren, hat Dilcher die Schließung seiner Salons in den sozialen Medien öffentlich gemacht. „Den einen oder anderen versuche ich, telefonisch zu erreichen. Alle zu erreichen, wird nicht möglich sein, da ich nicht von allen Kunden eine Telefonnummer habe“, sagt Dilcher, der seinen Kunden aber noch Stylingprodukte vorbeibringt oder zuschickt.

Seinen 18 Mitarbeitern habe Dilcher Urlaub angeboten, der März werde noch voll bezahlt, dann kommt die Kurzarbeit. „Einige Mitarbeiter sind krankgeschrieben. Die fallen aus der Kurzarbeit raus, deswegen muss ich da die 40 Prozent des Gehalts weiter zahlen.“ Ein Mitarbeiter sitze nach einem Urlaub in Afrika dort fest und falle daher auch aus der Kurzarbeit raus. „Das wäre sonst unerlaubtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz“, sagt Dilcher, der auch für diesen Mitarbeiter weiter Gehalt zahlt.

Der Friseurmeister hat mit seinem Steuerberater ausgerechnet, dass er trotz Kurzarbeitergeld weiter 5000 Euro monatlich an Lohnkosten habe, hinzukommen zwischen 5000 und 10.000 Euro für Mieten und Kredite. „Bei null Euro Einnahmen muss ich also zwischen 10.000 und 15.000 Euro zubuttern.“ Und bereits in der vergangenen Woche habe es mehrere Terminabsagen von zumeist älteren Kunden gegeben. Dilcher hofft daher, dass seitens der Regierung schnell und unkompliziert Hilfe kommt.

Vorsorglich hat Dilcher bereits vor einigen Tagen Farbe gekauft: Er will nun die Zeit nutzen und mit seinem Sohn die Salons in Allendorf und Heiligenstadt streichen. Das bringt zwar keine Einnahmen, aber Beschäftigung – und die sei in diesen Tagen auch etwas wert.

Die Sorge um die Finanzen treibt auch Friseurmeisterin Maria Grimme-Weiland um, die in Großalmerode einen Salon betreibt. „Es ist eine harte Zeit für ein so kleines Unternehmen“, sagt die Selbstständige, die ihr Geschäft alleine mit Aushilfen betreibt.

Große finanzielle Polster könne sie nicht aufbauen und müsse jetzt erst einmal auf ihr Privatvermögen zurückgreifen. Aber: Bleibt es bei den zwei Wochen, die sie ihr Geschäft erst einmal schließen muss? Wenn es Hilfen gibt: Wann ist der einzelne Unternehmer dran und „ist dann noch etwas im Topf?“ – Das sind die Fragen, die sie sich gerade stellt.

Maria Grimme-Weiland

Fällige Beiträge an die Handwerkskammer hält sie erst einmal zurück und hofft auf eine Stundung, sagt Grimme-Weiland, die aber auch von positiven Reaktionen ihrer Kunden berichtet. „Wir kommen wieder“, würden ihr viele bei den jetzt fälligen Terminabsagen mitteilen. 

VON GUDRUN SKUPIO UND NICOLE DEMMER

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