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Landkreis oder RKI: Welche Coronazahlen sind relevant? Wir erklären die Unterschiede

Die Inzidenz ist beispielsweise für den Einzelhandel wie hier in der Eschweger Fußgängerzone entscheidend. Ob man frei in die Läden kann, einen Termin braucht oder nur abholen kann, entscheiden inzwischen die Zahlen des RKI.
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Die Inzidenz ist beispielsweise für den Einzelhandel wie hier in der Eschweger Fußgängerzone entscheidend. Ob man frei in die Läden kann, einen Termin braucht oder nur abholen kann, entscheiden inzwischen die Zahlen des RKI.

Die Zahlen des RKI und unseres Landkreises unterscheiden sich oft - teilweise erheblich. Warum ist das so? Wir erklären, welche Zahlen relevant sind.

Werra-Meißner – Zwischen den Corona-Inzidenzwerten der Gesundheitsämter der Landkreise und den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gibt es – teils erhebliche – Diskrepanzen. Bislang hatte das für die Menschen im Werra-Meißner-Kreis keine Auswirkungen. Bis das Infektionsschutzgesetz (Notbremse) verabschiedet wurde. Wir erklären, auf welche Zahlen man achten sollte und wie die Unterschiede zustande kommen.

Wer hat denn die aktuelleren Zahlen? Der Werra-Meißner-Kreis oder das Robert-Koch-Institut?

Generell gilt: Die Behörden im Land- oder Stadtkreis verfügen immer über die aktuellsten Zahlen, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite. Diskrepanzen zwischen den berichteten Inzidenzen der Landkreise und den Daten des RKI können verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise können sie durch den Übermittlungsverzug bedingt sein. In anderen Fällen kann das auch an einem anderen Datenstand liegen. Das RKI verwendet beispielsweise den Datenstand jeweils 0 Uhr. Das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises gibt die Zahlen immer am Vormittag heraus – etwa zwölf Stunden früher als das RKI.

Warum sind die aktuelleren Zahlen der Landkreise aber nicht ausschlaggebend für anstehende Maßnahmen?

Durch die Einführung der sogenannten bundesweiten Notbremse haben sich die Prioritäten verschoben. Für alle Landkreise in Deutschland gelten jetzt grundsätzlich die gleichen Regeln. Deswegen orientiert man sich auch an den allgemeingültigen deutschlandweiten Inzidenzwerten. Die gibt das RKI heraus.

Also sind die Zahlen der Landkreise eigentlich überflüssig?

Nein, sind sie nicht. Die Gesundheitsämter der Landkreise kennen die Fälle vor Ort exakter. Weil das RKI die Inzidenzen zeitverzögert veröffentlicht, sind die Inzidenzzahlen der Landkreise also eine Art Blick in die Zukunft.

Exakt stimmen die Zahlen des RKI ja nicht mit Werten der Landkreise vom Vortag überein. Woran liegt das?

Für die Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz spielt auch die Einwohnerzahl eine wichtige Rolle, sagt die Sprecherin des Werra-Meißner-Kreises, Sylvia Weinert. Das RKI verwende die Zahlen vom 31. Dezember 2019 (100 629 Einwohner) und der Werra-Meißner-Kreis die vom Statistischen Landesamt kommunizierten. Diese stammen vom 30. Juni 2020 (100 264 Einwohner). Allein aufgrund der unterschiedlichen Einwohnerzahlen würden sich so andere Inzidenzen ergeben, so Weinert.

Ich habe den Überblick verloren: Wann gelten gerade welche Regeln?

Ab einer Inzidenz von 100: Überschreitet ein Landkreis diesen Wert, gelten laut Gesundheitsministerium ab dem übernächsten Tag zusätzliche Maßnahmen. Privat darf sich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Einkaufen darf man nur mit einem negativen Coronatest, Ausnahmen sind der Lebensmittelhandel, Drogerien etc. Die Gastronomie ist geschlossen, abholen ist erlaubt. Für den Friseur und die Fußpflege braucht man einen negativen Test. Schulen unterrichten im Wechselunterricht, Beschäftigte sollen wenn möglich ins Homeoffice. Ab einer Inzidenz von 150: Kunden dürfen einige Geschäfte nicht mehr betreten. Bestellen und Abholen (Click&Collect) ist aber weiter erlaubt. Ab einer Inzidenz von 165: Präsenzunterricht in Schulen und die Regelbetreuung in Kitas wird untersagt, wenn die RKI-Inzidenz drei Tage am Stück höher liegt. Mögliche Ausnahmen: Abschlussklassen und Förderschulen. Zurückgenommen wird die Regel, wenn die Inzidenz fünf Tage niedriger als 165 liegt.

Warum spricht der Werra-Meißner-Kreis von 148 Toten, das RKI aber nur von 141 in Verbindung mit Corona Verstorbenen?

Auch hier sind teilweise Verzögerungen in der Meldekette ausschlaggebend. In die Statistik des RKI gehen die Covid-19-Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 (direkter Erregernachweis) vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind.

Wo gibt es die aktuellen Fallzahlen und Inzidenzen, die das RKI als Grundlage nimmt?

Ab sofort werden wir die Inzidenz des RKI zusätzlich zu den aktuellen Zahlen des Werra-Meißner-Kreises in unserer gedruckten Zeitung veröffentlichen. Außerdem finden Sie beide Werte auf unserer Internetpräsenz. Das RKI veröffentlicht täglich unter corona.rki.de. Hier muss man dann noch seinen Landkreis auswählen. (Von Tobias Stück)

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