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Wenige Kommunen beteiligen sich am Programm „Sport integriert Hessen“

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Von: Juliane Preiß

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Die Juniorenabteilung des SV 07 Eschwege II profitiert vom Förderprogramm„Sport integriert Hessen“: So konnten talentierte Nachwuchskicker in den Verein geholt werden, wie zum Beispiel Youssef Alfathi (am Ball).
Die Juniorenabteilung des SV 07 Eschwege II profitiert vom Förderprogramm„Sport integriert Hessen“: So konnten talentierte Nachwuchskicker in den Verein geholt werden, wie zum Beispiel Youssef Alfathi (am Ball). © Juliane Preiß

Es ist ein Topf voller Geld, den die Kommunen des Werra-Meißner-Kreises links liegen lassen. Rund 80 000 Euro hätten in diesem Jahr noch für Sportgeräte, Trainerlizenzen oder Trikots ausgegeben werden können.

Werra-Meißner – Das Geld stammt aus dem Budget des Förderprogramms „Sport integriert Hessen“. Es hat das Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte durch Sport zu integrieren. Um förderungsberechtigt zu sein, müssen in der jeweiligen Kommune mindestens 50 Menschen wohnen, die Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen.

Im Kreis wären das 13 Kommunen, doch nur vier beteiligen sich an dem Programm: Eschwege, Bad Sooden-Allendorf, Witzenhausen und Hessisch Lichtenau.

Warum das Interesse so gering ist, darüber haben am Mittwochabend in Bad Sooden-Allendorf Verantwortliche bei einem Regionaltreffen diskutiert. Dabei waren Akteure des Sportkreises Werra-Meißner, der Sportjugend Hessen, der Flüchtlingshilfe und die sogenannten Sport-Coaches, die im Rahmen des Programms zwischen der Zielgruppe und den Vereinen vermitteln.

Nicht gekommen waren Vertreter der Kommunen und Vereine, trotz Einladung. Über die Gründe konnte nur gemutmaßt werden, von „kaum Kapazitäten der Kommunen, was Ansprechpartner und Sachbearbeiter angeht“, über „fehlende Haltung zum Thema Integration“ war die Rede. „Es ist fast nirgends so einfach Geld zu beantragen, wie mit diesem Programm“, sagt Edmund Pliefke, Integrationsbeauftragter des Sportkreises.

Es gehe aber nicht nur ums Geld, die Kommunen und Sportvereine verpassten viele Chancen, sagt Peter Schreiber von der Sportjugend Hessen. „Alle beschweren sich, dass die Sportvereine keinen Nachwuchs mehr haben, unter den Geflüchteten gibt es aber sehr viele Sportbegeisterte, vielleicht sogar Trainer und Spitzensportler.“

Um an die Zielgruppen heranzukommen, gibt es den Sport-Coach, der von der Kommune berufen wird. In Unterkünften oder Beratungsangeboten, weist er oder sie darauf hin, welche Angebote es in den Sportvereinen gibt, hilft beim ersten Kontakt oder mit Formularen.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Beispiele, die den Erfolg des Programms „Sport integriert Hessen“ belegen. Den sonntäglichen, offenen Fußballtreff in Bad Sooden-Allendorf von Sport-Coach Juan Jeria-Naranjo, wo mittlerweile Trainer vorbeikommen, um nach Talenten Ausschau zu halten. Den Eschweger Boxclub, wo über 16 Nationen miteinander trainieren.

Heiko Weiershäuser, Integrationsbeauftragter des Sportkreises Region Kassel erzählt von einer Volleyballabteilung, die durch neue Spieler reaktiviert wurde oder von cricketbegeisterten Afghanen, die diesen Sport überhaupt erst nach Nordhessen geholt haben. Klar, es gebe auch immer mal Schwierigkeiten, sagt Peter Schreiber, für viele Geflüchtete ist das deutsche Vereinssystem im Breitensport absolutes Neuland, hinzukommen Sprachbarrieren beim Training.

„Das lässt sich aber alles bewältigen, der Gewinn für alle, Vereine, Kommunen, Bürger und Geflüchtete überwiegt.“ Um das Programm bekannter zu machen, soll es bei der Bürgermeisterdienstversammlung vorgestellt werden.

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