Corona

Lockdowns wirkten sich auf Kindeswohlgefährdungen im Werra-Meißner-Kreis aus

Kindeswohlgefährdung
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In Werra-Meißner-Kreis gingen während der Corona-Lockdowns zwar weniger Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdungen ein, doch Experten vermuten, das Fälle auch unentdeckt blieben.

Im Werra-Meißner-Kreis gingen während der Corona-Lockdowns zwar weniger Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdungen ein, doch Experten vermuten, dass Fälle auch unentdeckt blieben.

Werra-Meißner – Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist in Hessen im vergangenen Jahr gestiegen. Das teilt das Hessische Statistische Landesamt mit. Im Werra-Meißner-Kreis sind die Meldungen von Kindeswohlgefährdungen dagegen kaum gestiegen.

Für das Jahr 2020 wurden 334 mögliche Kindeswohlgefährdungen beim Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales des Landkreises gemeldet. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 335, im Jahr 2018 waren es 329 Meldungen. Das teilt der Werra-Meißner-Kreis mit.

„Allerdings waren aufgrund des Lockdowns während der Coronapandemie die Meldeketten unterbrochen“, sagt Sylvia Weinert vom Landkreis. Denn aufgrund des Distanz- und Wechselunterrichts in den Schulen und der eingeschränkten Betreuung in den Kindertageseinrichtungen wurden Kinder und Jugendliche teilweise länger nicht gesehen – „was sicherlich zur Folge hatte, dass weniger Meldungen beim Sozialen Dienst eingingen“, sagt Weinert. Ohne die Unterbrechung der Meldeketten läge die Zahl der Meldungen in 2020 sicherlich über der Zahl in 2019.

Als der Regelbetrieb in Schulen und Kindertageseinrichtungen wieder aufgenommen wurde, seien wieder mehr Meldungen zu möglichen Kindeswohlgefährdungen beim Sozialen Dienst des Landkreises eingegangen.

Zu Gewalttaten gegen Kinder führt die Polizei eine Statistik – entgegen der bundesweiten Zahlen sind die Opferzahlen im Landkreis teilweise gesunken. So gab es bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr insgesamt 19 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im vergangenen Jahr. Dazu zählt zum Beispiel sexueller Missbrauch. Im Jahr 2019 waren es 29 Opfer und im Jahr 2018 dagegen 33 Opfer, wie Jörg Künstler von der Polizeidirektion Werra-Meißner mitteilt. Die Zahl der Opfer ist also leicht gesunken.

Bei den Körperverletzungen an Kindern bis zum 14. Lebensjahr meldet die Polizei 42 Opfer. In 2019 waren es 25 und in 2018 dagegen 28 Opfer. Die statistischen Zahlen sind der Polizei durch Anzeigen bekannt – es sei teilweise nicht auszuschließen, dass durch die Lockdowns bestimmte „Verdachtsmomente“ nicht wahrgenommen werden konnten. (juh)

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