Weniger Vorbehalte bei Astra

Corona: Menschen im Kreis nutzen jeden Impfstoff

Im Impfzentrum in Eschwege wird Astrazeneca gut aufgenommen, heißt es von Seiten des Kreises.
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Im Impfzentrum in Eschwege wird Astrazeneca gut aufgenommen, heißt es von Seiten des Kreises.

Im Werra-Meißner-Kreis scheinen die Menschen weniger Vorbehalte gegen den Corona-Impfstoff Astrazeneca zu haben als im übrigen Hessen.

Darauf lässt zumindest eine Anfrage im Impfzentrum in Eschwege sowie bei Dr. Klaudia Ress, Sprecherin des Ärztebündnisses Werra-Meißner, schließen.

Obwohl es keine Statistiken zu nicht wahrgenommenen und zudem nicht abgesagten Impfterminen gibt, meldeten die hessischen Impfzentren vermehrt, dass vereinbarte Termine für eine Impfung mit Astrazeneca nicht wahrgenommen werden, berichtet Michael Schaich, Pressesprecher des hessischen Innenministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die durchschnittliche Quote lag in Hessen bei rund 25 Prozent nicht wahrgenommenen Terminen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca.“

Aus dem Impfzentrum in Eschwege heißt es hingegen laut Kreissprecherin Sylvia Weinert, dass dort Astrazeneca gut aufgenommen wurde. Diejenigen, die sich nach einem Arztgespräch dagegen entschieden hätten, seien später mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech geimpft worden. Unmut habe es nur selten gegeben.

Auch Dr. Klaudia Ress berichtet zum Zeitpunkt der Anfrage von nur einer Terminabsage – und bei dieser handelte es sich um eine Im-pfung mit Biontech. In ihrer Praxis gibt es jeweils eine Warteliste für Impfungen mit Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson, die je nach Priorisierung zugeteilt werden. „Diskussionen wegen Astrazeneca gibt es auch, aber jeder kommt auf seine Wunschliste. Und die Biontech-Liste ist sehr lang, entsprechend lang ist dann auch die Wartezeit.“

Damit kein Impfstoff – gleich welcher Marke – verloren geht, werden im Impfzentrum laut Weinert alle Impfdosen auf Basis der zu erwartenden Personen grob vorbereitet. „Im letzten Impfabschnitt des Tages werden dann immer nur Spritzen für Kleingruppen mit sechs Personen aufgezogen, um zu verhindern, dass Impfdosen übrig bleiben, weil zum Beispiel Personen nicht zum Impftermin erscheinen.“

Ein Drittel sagt bei Astrazeneca ab

Mehr als ein Drittel aller Impfkandidaten hessenweit sagen ihre Erstimpfung ab, wenn diese mit Astrazeneca vorgenommen werden soll. Laut Michael Schaich, Pressesprecher des hessischen Innenministeriums, sind es genau 34,3 Prozent. Bei Moderna liegt der Wert bei 21,9 Prozent und bei Biontech bei 17,3 Prozent. Insgesamt wurden bisher über die zentrale Terminvergabeplattform rund 1,85 Millionen Ersttermine vergeben und rund 413 000 storniert. 

Wunsch nach mehr Biontech-Impfstoff: Fragen und Antworten zum Impfen in Arztpraxen

Wie wird in den Praxen, in denen gegen Corona geimpft wird, gearbeitet. Darüber berichtet Dr. Klaudia Ress, Sprecherin des Ärztebündnisses Werra-Meißner, in unseren Fragen und Antworten.

Mit welchen Mitteln wird in der Praxis geimpft?

Als Pilotpraxis erhielt Ress in Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum bereits in der zweiten Aprilwoche Impfstoff von Astrazeneca zusätzlich zu den wenigen Impfdosen von Biontech, die jeder Hausarzt über seine Apotheke bekam.

Wie viele Menschen wurden bereits geimpft?

In der Praxis von Ress werden es bis Ende der Woche mehr als 600 sein.

Welche Logistik steckt hinter den Impfungen?

Bei Ress gibt es Wartelisten nach Priorisierung für die Impfstoffe von Astrazeneca, Biontech und Johnson. Bis Dienstag kann sie den Impfstoff für die darauffolgende Woche bestellen und ordert immer so viel, wie von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung maximal vorgegeben sind – Biontech-Impfstoff werde oft weniger geliefert. Geimpft wird am Montagabend, Dienstagmorgen und am Mittwoch immer nach oder vor der Sprechstunde.

Daraufhin ruft Ress Impfwillige für den Impfstoff, der an dem jeweiligen Tag dran ist, an und teilt Termine zu. „Es kommt vor, dass ein Patient dann schon bereits im Impfzentrum geimpft wurde, dann nehme ich den nächsten von der Liste“, sagt Ress. Es sei zu keiner Zeit auch nur eine Impfdosis verloren gegangen

Wie viele Patienten sind bisher unentschuldigt nicht zum Impftermin gekommen?

Seit dem 6. April handelte es sich in der Praxis von Ress um nur eine Patientin, die den Biontech-Impfstoff erhalten sollte. Der Termin war innerhalb von drei Minuten entsprechend der Prioritätsliste wieder vergeben.

Gibt es bevorzugte Impfstoffe?

Aktuell ist laut Ress der Impfstoff von Johnson sehr gefragt, da dieser nur ein Mal geimpft werden müsse.

Wie aufwendig ist diese zusätzliche Arbeit?

„Logistisch ist das für uns eine riesige Herausforderung“, erklärt Ress. Insgesamt seien die Impfungen, Covid-Schnelltests und PCR-Abstriche für sie und ihr Team eine große Aufgabe. Sie impfe aber immer noch gerne, betont die Ärztin.

Was könnte noch besser laufen?

Sie wünsche sich mehr Biontech-Impfstoff und das Ende der Priorisierung dafür, damit schneller geimpft werden könne und alle ihre Impfung erhalten, sagt Ress.

(Nicole Demmer)

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