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Ungewollt kinderlos: neue Selbsthilfegruppe in Eschwege

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Von: Julia Stüber

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Negativer Schwangerschaftstest: Jennifer und Matthias Krüger erlebten diese Situation immer wieder.
Negativer Schwangerschaftstest: Jennifer und Matthias Krüger erlebten diese Situation immer wieder. © Khunkorn Laowisit/IMAGO

Ein Paar ist ungewollt kinderlos und hat nun eine Selbsthilfegruppe in Eschwege gegründet

Eschwege – Hoffnung, immer wieder Hoffnung, dass es bei diesem Mal geklappt hat. Warten, bis das Ergebnis endlich kommt. Enttäuschung, dass der Schwangerschaftstest wieder nicht positiv ist. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das Jennifer und Matthias Krüger erlebt haben.

Das Paar wünscht sich schon lange ein eigenes Kind. „Ich wollte schon immer Mutter werden“, sagt Jennifer. Mit Ende 20 kam das Thema erstmals auf, die beiden versuchten es auf natürliche Weise. Doch es klappte nicht – auch nach drei Jahren nicht. Besuche bei Frauenärzten, Gespräche, Untersuchungen folgten. Am Ende war klar: Das Ehepaar möchte eine Kinderwunsch-Behandlung.

Hoffnung kam wieder auf, denn eine künstliche Befruchtung könnte die Lösung sein. Mehr als drei Jahre probierten sie es – ein Jahr lang machte das Paar eine Pause, um sich zu erholen und abzuschalten. Denn die Belastung während einer solchen Behandlung ist groß. Die Frau nimmt Hormone zu sich, um den Körper auf die verschiedenen Methoden der künstlichen Befruchtung vorzubereiten. Nebenwirkungen sind möglich.

Wenn der Wunsch ein Wunsch bleibt

„Als Partner fühlt man sich oft hilflos, weil die Frau während einer solchen Behandlung sehr viel auf sich nimmt“, sagt Matthias Krüger. Und dann, wenn die Versuche immer wieder scheitern, ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Wieder wurde eine Chance vertan, wieder ist es eine vollendete Tatsache, vor die beide ungewollt gestellt werden. Das kann auch eine langjährige Beziehung sehr belasten. Doch für die zwei war immer klar: Wir wollen nur miteinander ein Kind. Und sie merken: Reden hilft – mit Menschen aus dem Umfeld, aber vor allem auch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben (Artikel unten).

Wie soll es also weitergehen? Jennifer und Matthias Krüger wollen noch einen Versuch wagen. „Wenn es dieses Mal nicht klappt, dann ist klar: Nun ist Schluss.“ Das Paar schöpft noch einmal alle Möglichkeiten aus. Das ist ihnen wichtig – denn sie wollen nicht das Gefühl haben, nicht alles ausprobiert zu haben.

Also geben sie alles für diesen wirklich allerletzten Versuch – er scheitert. „Irgendwann muss man den Absprung schaffen. Es muss eine Grenze geben, die man sich gemeinsam setzt. Sonst sucht man immer weiter neue Möglichkeiten“, so das Paar. Mit dem gescheiterten Versuch ist der Weg zum leiblichen Kind beendet. Es ist kein leichter Entschluss, aber ein notwendiger. „Und das war für uns dann auch ok.“

Den Krügers wurde bewusst: Es gibt bereits Kinder, die Eltern brauchen, die ihnen ein zu Hause geben können. Und das ist jetzt der Weg, den Jennifer und Matthias gehen. Sie möchten ein Kind aufnehmen. „Ich hoffe, wir können in ein paar Jahren sagen: ‘Es war in Ordnung, nicht schwanger zu werden. Denn ansonsten hätten wir diesen wunderbaren Menschen, den wir nun bei uns haben, niemals kennengelernt’.“

Selbsthilfegruppe gegründet

Erfahrungen teilen, über das Erlebte sprechen, das Thema enttabuisieren: Das wollten auch Jennifer und Matthias Krüger. Also gründeten sie eine Selbsthilfegruppe zum Thema „ungewollt kinderlos“. Hier können sich Betroffene austauschen. Jeder Mensch ist willkommen – ob Singles mit Kinderwunsch, homo- oder heterosexuelle Paare. Die Gruppe trifft sich jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr in den Räumen der Familienbildungsstätte in Eschwege, An den Anlagen 14 A.

„In dieser Gruppe können sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sicher fühlen. Alles was besprochen wird, bleibt auch in diesem Raum. Und jeder kann das sagen, was er möchte“, betonen beide.

Informationen und Anmeldung: Selbsthilfekontaktstelle des Werra-Meißner-Kreises, Tel.: 0 56 51/30 22 53 80, E-Mail: selbsthilfekontaktstelle@werra-meissner-kreis.de

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