Seit 65 Jahren verheiratet

Wenn Liebe durch den Magen geht: Eiserne Hochzeit in Ermschwerd

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Eheschließung vor 65 Jahren: Am 28. Juni 1952 gaben sich Maria und Günter Unger in Berlin das Ja-Wort. 

Ermschwerd. Jeden Morgen liest Maria Unger ihrem Ehemann Günter aus der Zeitung vor. Seine Augen haben nachgelassen, selber lesen kann der 89-Jährige nicht mehr. Ihr fällt dafür das Laufen schwer, darum erledigt Günter Unger die Wege, die seine gleichaltrige Frau nicht mehr machen kann.

Die beiden ergänzen sich fantastisch, sind immer füreinander da und feiern Mittwoch ihre Eiserne Hochzeit.

Seit 65 Jahren sind Maria und Günter Unger verheiratet. Begonnen hat ihre Liebe am Silvesterabend 1949 im Parkrestaurant in Berlin-Tempelhof. Maria Unger teilte ihre mitgebrachten Stullen mit Günter Unger, und da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, war es sofort um den Berliner geschehen. 

Ruhestand im Werraland: Maria und Günter Unger leben seit 1989 in Ermschwerd, heute feiern sie ihre Eiserne Hochzeit. Foto: Huck

Zwei Jahre dauerte es aber noch, bis sich das Paar verlobte, im darauf folgenden Sommer wurde geheiratet. Es war eine bescheidene Hochzeit, denn das Geld war knapp. „Lebensmittel haben wir im Osten eingekauft“, erinnert sich Günter Unger. „Das war billiger.“

Mit den Jahren wurde das Leben wieder einfacher. Günter Unger, gelernter Feinmechaniker, arbeitete 40 Jahre im öffentlichen Dienst bei den Berliner Wasserwerken. Seine Frau Maria ist gelernte Schneiderin und war viele Jahre beim Diakonischen Werk Berlin angestellt.

Nachdem Bekannte ihnen von Witzenhausen vorgeschwärmt hatten, entschied das Paar, in der Kirschenstadt Urlaub zu machen. Dort gefiel es ihnen so gut, dass sie sich 1980 ein Grundstück in Ermschwerd kauften, um dort ein Ferienhaus zu bauen. 1989 war dann für beide das Arbeitsleben beendet und sie beschlossen, Berlin zu verlassen, um ihren Ruhestand in einer ländlicheren Gegend zu verleben. So wurden aus den Berlinern Ermschwerder.

Maria und Günter Unger haben zwei Kinder, ein Enkelkind und zwei Urenkelkinder. Außerdem haben sie guten Kontakt zur Familie der verstorbenen Schwester von Günter Unger, die in Australien lebt. Dort sind sie 1991 für mehrere Wochen gewesen und haben sich damit einen Traum erfüllt. Im vergangenen Winter besuchten die Neffen und Nichten aus Tasmanien das Paar in Ermschwerd. Die Tage verbringen Maria und Günter Unger am liebsten gemeinsam – in ihrem Garten oder im Haus.

Maria Unger malt gerne, ihr Mann interessiert sich für Sport, war selber noch bis vor Kurzem aktiv. Ihre Eiserne Hochzeit feiern die Jubilare mit Freunden und Familie. Im Herbst wollen sie dann gemeinsam verreisen und ihren Sohn besuchen – der lebt noch in Berlin.

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