Neue Kampagne mit Landrat Reuß

Apotheken leiden unter Nachwuchsmangel und Online-Konkurrenz

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Immer weniger junge Menschen wollen Apotheker werden.

Nachwuchsmangel allerorten: Vergleichbar mit der Situation der Hausärzte haben auch die inhabergeführten Apotheken im ländlichen Raum Sorge um ihre Nachfolge.

„Allein in den kommenden zehn Jahren werden elf Apotheker das Rentenalter im Werra-Meißner-Kreis erreichen“, weiß Dr. Joachim Kirch, der gerade mit einer seiner beiden Apotheken vom Eschweger Obermarkt in das neue Ärztezentrum am Eschweger Stadtbahnhof umgezogen ist.

Nicht nur bundesweit ist die Zahl der sogenannten „Apotheken vor Ort“ im letzten Jahrzehnt von 21 000 auf jetzt 19 400 gesunken, im Werra-Meißner-Kreis gab es vor zehn Jahren noch 30 Apotheken, jetzt sind es noch 20.

Landrat Reuß: Apotheken sind wichtiges Element der medizinischen Versorgung

Landrat Stefan Reuß, der ebenso wie Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe für die Kampagne des Apothekenverbandes „Einfach unverzichtbar“ steht, sagt: „Apotheken sind nicht nur Arbeitsplätze und Wirtschaftsfaktor, sondern ein wichtiges Element der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.“

Für das Nachwuchsproblem bei Apotheken beschreibt Kirch vielfältige Ursachen: Als junger Pharmazeut eine Apotheke zu übernehmen, sei mit hohen Investitionen verbunden, die auch wieder erwirtschaftet werden müssen. Zugleich steige die Konkurrenz durch Versandapotheken, die inzwischen laut einem Urteil des EuGH auch Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente gewähren dürfen – etwas, das stationäre Apotheken nicht dürfen. 

Paln für ein E-Rezept und Bürokratie bereiten Apotheken Probleme

Auch die geplante Einführung des E-Rezeptes sei eine potenzielle Bedrohung. Große Konzerne könnten die Rezepte kanalisieren, sodass die Vor-Ort-Apotheken von diesem Kuchen nichts mehr abbekommen. „Allein vom Verkauf von Nasenspray kann keine Apotheke bestehen“, sagt er.

Ein weiterer Punkt, der den Nachwuchs schreckt, gleicht der Problematik der Hausärzte. Die administrativen Aufgaben der Apotheker wie Dokumentationen, Sicherheitsprüfungen und Rabattsysteme nehmen stetig zu. Gehen junge Pharmazeuten in die Industrie, tragen sie kein unternehmerisches Risiko und werden in aller Regel verlässlich gut bezahlt.

Rabatte und Boni bei Medikamenten

2016 entschied der EuGH, dass sich ausländische Versandapotheken bei der Lieferung verschreibungspflichtiger Medikamente nach Deutschland nicht an die Arzneimittelpreisverordnung halten müssen, sondern die Preise nach unten oder oben regulieren und den Patienten Rabatte gewährend dürfen. Das dürfen weder die Vor-Ort-Apotheken noch deutsche Versandapotheken in Deutschland. Tun sie es trotzdem, drohen ihnen juristische Konsequenzen.

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