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Grundsteuerreform löst Hektik aus: Was Eigentümer wissen müssen

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Von: Tobias Stück

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Ende Januar läuft die Frist für die Grundsteuererklärung ab. Noch immer fehlen aber mehr als 40 Prozent der Erklärungen – auch im Werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Bei Grundstückeigentümern im Werra-Meißner-Kreis geht Hektik um. Rund 40 Prozent hatten in der vergangenen Woche noch nicht die Daten an die Finanzämter übermittelt. Die Frist endet mit Monatsende. Seit Jahresbeginn haben deshalb Steuerberater und das Amt für Bodenmanagement sprunghaft mehr zu tun. „Gerade nach dem Ende der Weihnachtsferien häufen sich die Anfragen bei uns“, sagt Helmut Welsch, Sprecher des Amts für Bodenmanagement.

Ursprünglich sollten Grundstückseigentümer die Angaben bis zum 31. Oktober abgeben. Weil nur 42 Prozent in Hessen dem nachgekommen waren, wurde die Frist bis zum 31. Januar verlängert. Und auch der Zeitgewinn hat nur wenig Bewegung in die Datenabgabe gebracht. 58 Prozent der Zielgruppe hatten die Aufgaben bis vergangene Woche erledigt, berichtet Alina Oehlerking von der Oberfinanzdirektion Frankfurt.

Die Frist zur Abgabe der Grundsteuerdaten läuft Ende Januar 2023 ab. Bei Eigentümern macht sich Hektik breit.
Die Frist zur Abgabe der Grundsteuerdaten läuft Ende Januar 2023 ab. Bei Eigentümern macht sich Hektik breit. © Steinach/Imago

Grundsteuererklärungen im Werra-Meißner-Kreis: Hohe Nachfrage nach Daten bei Behörden

In diesem Monat sind die restlichen Eigentümer aktiv geworden. „Die Nachfrage im Januar ist sehr hoch“, sagt Norbert Ackermann vom Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein Eschwege, der als Steuerberater privat auch die Anträge für Klienten bearbeitet. Beim einfachen Einfamilienhaus ohne Nebengebäude sieht er keine Probleme, die Erklärung jetzt noch selbst fristgerecht abzugeben. Wenn Nebengebäude wie Scheunen, Garagen oder Wintergärten dazukommen, sei Unterstützung ratsam. „Das betrifft oftmals Nebenerwerbslandwirte oder Menschen, die auf nicht mehr bewirtschafteten Resthöfen wohnen.“ Kompliziert, sagt Steuerberater Ralf Rathgeber, sei es auch bei Grundstücks- oder Erbengemeinschaften, wenn man nicht die Daten aller Beteiligten hat.

Daten wie die Flur, das Flurstück oder die Grundstücksgröße liefert das Amt für Bodenmanagement in Eschwege. Sie haben zusätzlich Personal für die vielen Anfragen abgestellt. Die Daten kann man allerdings auch im Internet kostenlos herunterladen. „Keine Angaben können wir zu Steuernummern oder Wohnfläche machen“, sagt Welsch.

„Sofern der Mandant alle benötigten Daten zusammen hat, was erfahrungsgemäß recht selten der Fall ist, könnte die Erklärung aktuell noch fristgerecht versendet werden.“ Die Registrierung bei Elster brauche besonders viel Zeit. Wer es nicht mehr rechtzeitig schafft, muss laut Rathgeber Verspätungszuschläge von 25 Euro pro Monat bezahlen.

Grundsteuererklärungen im Werra-Meißner-Kreis: Reformierte Grundsteuer soll ab 2025 greifen

Das Bundesverfassungsgericht hatte die bisherige Berechnung der Grundsteuer 2018 für verfassungswidrig erklärt. Sie spiegele die tatsächliche Wertentwicklung von Grundstücken und Immobilien nicht richtig wider. In den alten Bundesländern geht die Berechnung der sogenannten Einheitswerte auf das Jahr 1964 zurück. In den neuen Bundesländern erfolgt die Berechnung sogar anhand von Daten aus dem Jahr 1935. Ab 2025 soll die reformierte Grundsteuer greifen.

Etwa 26.000 Grundstückseigentümer aus dem Werra-Meißner-Kreis müssen noch die Daten zur Grundsteuerreform an die Finanzämter übermitteln. Wir erklären, wie man das schnell und unkompliziert erledigt.

Grundsteuererklärung im Werra-Meißner-Kreis: Diese vier Fehler können Sie Geld kosten.

Wer muss überhaupt eine Grundsteuererklärung machen?

Alle, die eine Grundsteuererklärung abgeben müssen, wurden im Sommer per Post benachrichtigt. „Vielleicht auch einmal kurz bei Oma und Opa vorbeischauen, um ihnen beim Suchen der Aufforderung zu helfen“, empfiehlt Peter Schmitz, Geschäftsführer der Software Wiso-Steuer. Gewissheit bringt ein Anruf beim Finanzamt.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Daten zu übertragen?

Um die Grundsteuererklärung schnell und digital zu erledigen, gibt es das Steuerportal elster.de. Auf Antrag mit Begründung geben die Fainazämter die Fragebögen auch in Papierform heraus.

Was brauche ich auf jeden Fall, um die Erklärung auszufüllen?

Es braucht nur vier Angaben. Wenn diese Zahlen bereitstehen, gelingt die Abgabe in weniger als einer Stunde:

  1. Adresse des Grundstücks
  2. Den Brief vom Finanzamt zur Grundsteuererklärung, darin finden sich: Aktenzeichen, Flurstück (Fläche, Gemarkung, Nummer, Zähler und evtl. Nenner), Nummer des Grundbuchblatts. Online kann man die Angaben unter gds.hessen.de/INTERSHOP/web/WFS/HLBG-Geodaten-Site/de_DE/-/EUR/Default-Start abrufen. „Innerhalb einer Minute bekommt man ein PDF per E-Mail“, verspricht Helmut Welsch vom Amt für Bodenmanagement.
  3. Den Bodenrichtwert
  4. Die Wohnfläche (aus den Bauplänen oder Kaufvertrag)

Da ist mir doch alles zu kompliziert. Kann ich das jetzt noch einem Steuerberater übergeben?

„Sofern der Mandat alle benötigten Daten zusammen hat, was erfahrungsgemäß recht selten der Fall ist, könnte die Erklärung noch fristgerecht versendet werden“, sagt Steuerberater Ralf Rathgeber. Wenn noch notwendige Nachweise fehlen, werde der Termin kaum zu halten sein.

Was kostet es ungefähr, wenn der Steuerberater die Arbeit übernimmt?

Die Gebühren werden nach § 24 der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) berechnet. „Der Gegenstandswert ist dabei beim Bundesmodell ziemlich kompliziert zu berechnen“, sagt Rathgeber. Er nennt zwei Beispiele für Eschwege im Werra-Meißner-Kreis:

  1. Grundstück 800 m², Wohnfläche 130 m², Lage: Außenbezirk/Stadtteil, Wert: 231.984 Euro. Die Gebühr beträgt dann zwischen 241,40 und 603,50 Euro.
  2. Lage Innenstadt, Wert: 297,40 Euro. Die Gebühr beträgt dann zwischen 269,70 und 674,25 Euro. „Es können auch Pauschalen mit dem Steuerberater vereinbart werden“, sagt Rathgeber.

Was passiert, wenn ich die Daten verspätet übermittele?

Es müsste dann mit Verspätungszuschlägen gerechnet werden. „In der Regel sind das 25 Euro je angefangenem Monat der Verspätung“, so Rathgeber. (Tobias Stück)

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