Wenige Straßensperrungen

Werra-Meißner-Kreis: Amphibienwanderung beginnt - Naturschützer sind aktiv

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Vor dem Tod gerettet: Viele Erdkröten werden nicht auf der Straße sterben, dafür sorgen jedes Jahr zahlreiche Amphibienschützer, so wie auch die Gruppe um Heike Matthies.

Im Werra-Meißner-Kreis beginnen die Amphibienwanderungen in den kommenden Wochen wieder. Damit die Tiere nicht gefährdet sind, werden die Naturschützer aktiv.

Auf dem Weg vom Winterquartier zum Laichgewässer sind die Tiere einigen Gefahren ausgesetzt, weshalb sie Unterstützung von den Menschen benötigen. Eine von zahlreichen Amphibienschützern ist Heike Matthies aus Grebendorf. „Wären wir nicht vor Ort, würden die Tiere in Massen von den Autofahrern überfahren werden“,sagt sie. Sie ist Mitglied der Amphibienschutzgruppe Meinhard und Umgebung.

Ihr Einsatzgebiet ist unter anderem die Kreisstraße zwischen Jestädt und Grebendorf – dort, wo jetzt fest eingebaute Schrankenanlagen aufgestellt wurden. Damit die Amphibien, zum größten Teil Erdkröten, vom Wald sicher über die Straße zu den Teichen gelangen, investierte die Schutzgruppe viel Zeit und sammelte bis spätabends Tiere von der Fahrbahn auf. In den vergangenen Jahren seien die Wanderungen immer Mitte März losgegangen.

Eine Schrankenanlage gab es auch auf der Landesstraße zwischen Hessisch Lichtenau-Friedrichsbrück und Helsa im Landkreis Kassel.

Die Schrankenanlage war laut Matthies in die Jahre gekommen „und plötzlich wurde keine Notwendigkeit mehr gesehen, diese Straße sperren zu lassen, sodass es in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Gemetzel kam.“

Amphibienwanderung: Tiere in Gefahr

Thomas Reimann vom BUND berichtet, dass es im Bereich Friedrichsbrück „eine fantastische Reproduktion“ gab – doch dadurch, dass die Straßensperrung nicht mehr existiere und der Sommer zudem sehr trocken gewesen sei, seien die Tiere in Gefahr.

„An der L 3400 zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau-Friedrichsbrück werden im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel, Obere Naturschutzbehörde, voraussichtlich bis Mitte April Amphibien erfasst, gezählt und bestimmt“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel. Dazu seien mobile Amphibienschutzzäune aufgebaut worden. Verkehrsteilnehmer sollten an der Stelle besonders aufmerksam sein, um Menschen und Tiere nicht zu gefährden – vor allem in der Zeit zwischen 19 und 7 Uhr. 2020 soll laut Conrad die Amphibienerfassung, -zählung und -bestimmung wiederholt werden. Danach werde entschieden, ob eine Schranke wieder sinnvoll sei.

Diese Schranke steht zwischen Jestädt und Grebendorf und kann bei Bedarf eingesetzt werden.

Laut Jörg Klinge, Sprecher des Werra-Meißner-Kreises, wird die Straße täglich von etwa 1200 Fahrzeugen befahren und es gibt eine temporäre Schranke. Durch den Übergang der Zuständigkeit von Hessen Forst zu Hessen Mobil gebe es Optimierungsbedarf.

Bei Ermschwerd habe es einen mobilen Zaun gegeben, aber keine Freiwilligen mehr, die sich darum kümmern wollen, und der amtliche Naturschutz habe nichts bereitgestellt. Das erzählt Bernd Hiddemann von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und zudem Mitglied im Naturschutzbeirat des Kreises. An der B 80 bei Ermschwerd-Freudenthal gebe es Naturschutzteiche, allerdings wäre es laut Hiddemann sinnvoll, Ersatzlaichgewässer nördlich der Bundesstraße anzulegen, damit die Tiere nicht die viel befahrene Straße queren müssen.

Die B 80 bei Freudenthal ist laut Klinge ein „prioritärer Konfliktpunkt“, empfohlen worden sei der Bau einer Leiteinrichtung. Rund 6100 Fahrzeuge seien täglich in dem Bereich unterwegs.

„Es gab die Idee, zu prüfen, wo Querungshilfen sinnvoll sind und sich noch lohnen, aber bei dem Vorschlag ist es geblieben“, so Hiddemann. Die Untere Naturschutzbehörde habe alle Querungen aufgezeichnet – viele davon seien ungeschützt.

Straßen, an denen Amphibien queren könnten

An folgenden Stellen gibt es laut Kreissprecher Jörg Klinge im Nordkreis sogenannte neuralgische Punkte, an denen Amphibien Straßen überqueren oder überqueren könnten: 

  • Landesstraße bei Ermschwerd Richtung Stiedenrode: temporärer Zaun, 2900 Autos am Tag, Überprüfung des Vorkommens 
  • Landesstraße zwischen Stiedenrode und Gertenbach: ortsfeste Anlage in gutem Zustand, 2900 Autos am Tag 
  • Hoher Meißner, Landesstraße am Frau-Holle-Teich: keine Schutzeinrichtung, 480 Autos am Tag, Verkehrszeichen vorhanden, weitere Beobachtung 
  • Großalmeroder Straße zwischen Rommerode und Epterode: keine Schutzeinrichtung, 3200 Autos am Tag, unklare Datenlage, eventuell Überprüfung des Vorkommens 
  • B7 bei Fürstenhagen, zwischen Kläranlage und Kirschenberg: keine Schutzeinrichtung, 13 300 Autos am Tag, von der Oberen Naturschutzbehörde wurde in Aussicht gestellt, nach Fertigstellung der A 44 Durchlässe einzubauen, Verkehrszeichen vorhanden 
  • B7 am Lenoir-Mausoleum in Hessisch Lichtenau: keine Schutzeinrichtung, 13 300 Autos am Tag, Verkehrszeichen vorhanden, Überprüfung des Vorkommens 
  • Fürstenhagener Straße südlich des Lenoir-Mausoleums: keine Schutzeinrichtung, mittleres Verkehrsaufkommen, Verkehrszeichen vorhanden, Überprüfung des Vorkommens 
  • Landesstraße zwischen Hopfelde und Hessisch Lichtenau: ortsfeste Anlage, Zustand nicht bekannt, 930 Autos am Tag 
  • B487 zwischen Retterode und Schnellrode: ortsfeste Anlage in gutem Zustand, 3100 Autos am Tag 
  • Landesstraße zwischen Kammerbach und Dudenrode, Höhe Gasthaus Forellenhof: ortsfeste Anlage in gutem Zustand, 2960 Autos am Tag 
  • B27 bei Oberrieden: ortsfeste Anlage, Zustand nicht bekannt, 7460 Autos am Tag

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