Unterkünfte für Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis ausgelastet

Werra-Meißner-Kreis bereitet Aufnahme von Ortskräften und Flüchtlingen vor

Eindringlicher Appell: Reijanah (10) aus Afghanistan schreibt auf ihrem Bild: „Wir wollen nicht in ein geschlossenes Camp wie die Hölle von Moria gehen“. Unten steht: „Könnt ihr uns hören“, mit Ms Markle ist Angela Merkel gemeint.
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Eindringlicher Appell: Reijanah (10) aus Afghanistan schreibt auf ihrem Bild: „Wir wollen nicht in ein geschlossenes Camp wie die Hölle von Moria gehen“. Unten steht: „Könnt ihr uns hören“, mit Ms Markle ist Angela Merkel gemeint.

Durch die Suche und Anmietung weiterer Immobilien, die als Gemeinschaftsunterkünfte (GU) taugen, versucht sich der Werra-Meißner-Kreis auf eine weitere Flüchtlingswelle beziehungsweise die Aufnahme ehemaliger afghanischer Ortskräfte und deren Familien vorzubereiten.

Werra-Meißner - Denn die bestehenden Unterkünfte im Kreis in Eschwege und Witzenhausen mit aktuell 391 Plätzen sind derzeit zu fast 90 Prozent ausgelastet. Eine 100-prozentige Auslastung sei nach Angabe von Kreissprecher Jörg Klinge auch nicht möglich, da bei der Belegung der Unterkünfte unterschiedliche Ethnien, Familienzusammensetzungen, Krankheitssituationen und andere sozialen Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen. Mit der Anmietung zwei neuer GUs in Reichensachsen und Germerode sollen in Kürze insgesamt wieder 441 Plätze zur Verfügung stehen.

Nachdem der Werra-Meißner-Kreis im Juli dieses Jahres zwei Familien ehemaliger afghanischer Ortskräfte aufgenommen hat, gibt es nach Angaben des Kreises bisher keine neuen Informationen über weitere Zuweisungen durch das Regierungspräsidium in Darmstadt, auf dessen sogenannten Evakuierungslisten zirka 1000 Menschen vermerkt sind. „Allerdings sollen generell Unterkünfte für die afghanischen Ortskräfte und ihre Familienmitglieder bereitgestellt beziehungsweise reserviert werden, da die Zuweisung samt erforderlicher Unterbringung sehr kurzfristig erfolgen kann“, so Klinge.

Vor zwei Wochen wurden 180 Ortskräfte aus Afghanistan im Durchgangslager Friedland (Niedersachsen) aufgenommen sowie weitere auch in hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen. Von dort aus werden sie den Kommunen und Landkreisen zugewiesen. Anders als Flüchtlinge, die beispielsweise über das Mittelmeer kommen, haben afghanische Ortskräfte bereits aus „humanitären Gründen“ von der Bundesrepublik einen sogenannten Aufenthaltsstatus und gehören dem Rechtskreis SGB II an und müssen daher kein Asylverfahren durchlaufen. Sie dürfen sofort in privaten Wohnraum einziehen.

Hintergrund: Ehemalige afghanische Ortskräfte 

Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden die ehemaligen afghanischen Ortskräfte zunächst auf die verschiedenen Erstaufnahmeeinrichtungen in den Ländern verteilt. Dort wird neben ihrer Identität auch ihr Gesundheitsstatus festgestellt. Da sie kein Asylverfahren durchlaufen müssen wie andere Flüchtlinge, sind die Unterbringung in den Gemeinschaftsunterkünften nur schnell verfügbare Zwischenlösungen, bis geeigneter Wohnraum gefunden wurde. (Stefanie Salzmann)

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