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Die Biomüll-Qualität im Werra-Meißner-Kreis ist schlecht

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Von: Fabian Becker

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Die Biotonne gibt es im Schwalm-Eder-Kreis seit Juli. Sie werde gut angenommen, heißt es von der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda.
Teilweise gehören mehr als fünf Prozent der dort entsorgten Abfälle nicht in die Biotonne. © Carolin Hartung

Der Inhalt der Biotonnen im Werra-Meißner-Kreis weist eine so schlechte Qualität auf, dass zum Teil nur noch eine teure Entsorgung als Restmüll möglich ist.

Werra-Meißner– Manchmal werden sogar Müllfahrzeuge aus dem Kreis abgelehnt, gibt der Kreisausschuss bekannt. „Teilweise gehören mehr als fünf Prozent der dort entsorgten Abfälle nicht in die Biotonne“, sagt Matthias Wenderoth, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Werra-Meißner (AZV).

Die Bioabfall-Verordnung schreibe unter einem Prozent vor.

Daher nutzt der AZV seit Jahresbeginn Detektoren, die die Qualität des Abfalls beim Einsammeln der Tonnen ermitteln (HNA berichtete). Ist diese zu gering, werden störstoffhaltige Tonnen nicht geleert. „Je nachdem wie sensibel die Detektoren eingestellt sind, werden in 5 bis 40 Prozent der Biotonnen Störstoffe festgestellt“, sagt Wenderoth.

Viele Störstoffe wie Restmüll, Plastik, Glas und Metall führen zu hohen Kosten, da sie aussortiert werden müssen. In der Kompostanlage Lohfelden, wo der Biomüll aus dem Kreis verarbeitet wird, waren das 2020 etwa 750 000 Euro. „Die Kosten werden letztlich auf die Allgemeinheit umgelegt“, sagt AZV-Vorsitzender Friedhelm Junghans. Die Müllgebühren könnten wieder steigen.

Ein weiteres Problem: „Zu viel Bioabfall landen im Restmüll“, sagt Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann. Dabei ließe sich daraus Energie gewinnen. Im Kreis so viel, wie durch 80 Hektar Mais, schätzt er. Der Rest werde als Kompost genutzt.

„Landwirte sind skeptisch bei der Verwertung des Komposts, wenn die Störstoffbelastung zu hoch ist“, sagt Dr. Bruns, Agrarwissenschaftler der Uni Kassel. „Die Kommunen müssen daher, die Abfall-Qualität verbessern.“

Wallmann nennt zwei Folgen falsch entsorgten Biomülls: Mikroplastik im Essen und Glasscherben in der Blumenerde. Dabei sei der Kompost für Ackerbauern, die keine Tiere haben, mit deren Exkrementen sie ihre Böden düngen können und Öko-Landwirte, die keinen Kunstdünger verwenden, besonders wichtig. „Der Kompost führt den Böden Nährstoffe wie Phosphor zu“, sagt er. (Von Fabian Becker)

So werden problematische Biotonnen markiert

Leicht mit Störstoffen verschmutzte Biotonnen werden derzeit noch mit einer Gelben Karte versehen. Der Besitzer kann die Störstoffe entfernen, beim nächsten Mal wird die Tonne wieder geleert. „Dieses System läuft aber in nächster Zeit aus“, sagt Matthias Wenderoth, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Werra-Meißner. Bei wiederholtem Verstoß folgt die Rote Karte: Die Tonne wird nicht mehr geleert, der Abfall muss in der Restmülltonne entsorgt werden.

Hinweis: Mehr dazu lesen Sie in unserer heutigen Ausgabe.

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