Werra-Meißner-Kreis: Fledermäuse im Fokus

Fledermaus-Vorkommen deutet auf hohe Artenvielfalt im Werra-Meißner-Kreis hin

Mit Batcorder: Elena Krannich, vom Institut für Tierökologie und Naturbildung, forscht zu Fledermäusen um Witzenhausen. Dazu zeichnet sie den Ultraschall der Tiere auf.
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Mit Batcorder: Elena Krannich, vom Institut für Tierökologie und Naturbildung, forscht zu Fledermäusen um Witzenhausen. Dazu zeichnet sie den Ultraschall der Tiere auf.

Um Witzenhausen stehen derzeit zwölf Batcorder. Damit werden Fledermäuse erfasst. Doch es geht nicht nur um die Tiere selbst, sondern auch um die Artenvielfalt im „Hotspot 17“.

Werra-Meißner – Dieser ist eines von 30 besonders artenreichen Gebieten in Deutschland, der das Werratal mit dem Hohen Meißner und dem Kaufunger Wald einschließt, erklärt Susanne Pfingst vom Frau-Holle-Land, Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege im Werra-Meißner-Kreis.

„Fledermäuse sind Hinweise auf die Artenvielfalt in einer Region, da sie sehr anspruchsvoll sind“, sagt Elena Krannich vom Institut für Tierökologie und Naturbildung, die die Batcorder aufgestellt hat. Erwartet würden etwa zehn Arten. „Naturnahe Wälder sind mit etwa 13 Arten nur knapp darüber.“ Bei ersten Untersuchungen im Juni seien 25.560 Aufnahmen gesammelt worden, an zwei von zwölf Standorten mehr als 5.000: einer südlich von Witzenhausen, einer bei Wendershausen. Jedoch würden mit den Batcordern, die Ultraschallwellen aufzeichnen, nur Arten unterschieden – keine einzelnen Tiere.

Dabei seien auch Schlüsselarten wie Mops- und Bechsteinfledermäuse erfasst worden. „Werden sie geschützt, hilft das vielen anderen Arten“, so Krannich. Denn, wo sie leben, gebe es viele gesunde Bäume, aber auch Totholz und blütenreiche Wiesen. Beides sei Nahrung für Insekten, die von Fledermäusen und Vögeln zum Überleben gebraucht würden.

Streuobstwiesen seien dabei ein Puffer zwischen der Natur und den Menschen, den Fledermäuse gern nutzten. Daher würden dort die Batcorder aufgestellt. 5.000 Tier- und Pflanzenarten lebten auf den Wiesen. „Sie sollten nicht mit Plantagen verwechselt werden“, sagt Pfingst. Dort werde nur eine Obstbaumsorte angebaut, ihre Stämme seien kürzer als 1,6 Meter. „Die Artenvielfalt ist dort deutlich geringer.“

Wie es mit den heimischen Fledermäusen aussieht, stehe erst im Herbst oder Winter fest, wenn die Aufzeichnungen ausgewertet seien, so Krannich. 2022 sollen einige Tiere gefangen und mit Sendern freigelassen werden, um ihre Brutstätten zu finden.

Fledermäuse können Geburt verzögern

Fledermäuse sind Säugetiere und bekommen ein Junges pro Jahr, erklärt Elena Krannich vom Institut für Tierökologie und Naturbildung. Die Paarung finde im Herbst statt. Die Weibchen könnten Spermien im Körper aufbewahren und damit die Befruchtung der Eizelle und die Geburt verzögern. Jungtiere würden in Wochenstuben aufgezogen. Das seien bis zu 50 Weibchen, die sie zwischen Mai und August versorgten und dabei etwa alle drei Tag die Bruthöhle wechselten.

Fledermäuse im Werra-Meißner-Kreis: Dünger schadet Artenvielfalt

Zum zweiten Mal in diesem Sommer stehen derzeit bei Witzenhausen Batcorder, um Fledermausarten in der Region aufzuzeichnen. Die Tiere lassen Schlüsse auf die Artenvielfalt einer Region zu und halten sich gern auf Streuobstwiesen auf. In Wendershausen sind diese Wiesen in den vergangenen zwei Jahren besonders gefördert worden.

„Das Land Hessen hat in dieser Zeit etwa 50.000 Euro für den Erhalt der Streuobstwiesen gezahlt“, sagt Susanne Pfingst vom Frau-Holle-Land, Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege im Werra-Meißner-Kreis. Wichtig sei, dass alte Bäume durch gezielten Schnitt gepflegt würden. Tote Bäume sollten als Nahrungsgrundlage für Totholzbewohner stehen bleiben. Für jeden abgestorbenen Baum sollte jedoch ein neuer gepflanzt werden.

Das koste pro Baum etwa 250 Euro, da nicht nur der Baum selbst, sondern auch ein Schutz gegen Verbiss bezahlt werden müsse. Insgesamt seien auf diese Weise etwa 200 Bäume in den vergangenen beiden Jahren um Wendershausen gepflanzt worden.

Denn damit werden zum Beispiel Bechsteinfledermäuse geschützt. Sie seien im Juni bei den ersten siebentägigen Aufzeichnungen an zwölf Standorten um Witzenhausen erfasst worden. „Bechsteinfledermäuse bevorzugen alte Wälder mit vielen Baumhöhlen, jagen aber auch in Streuobstwiesen“, erklärt Elena Krannich, vom Institut für Tierökologie und Naturbildung, die die Batcorder aufgestellt hat. Es könne zudem vorkommen, dass sie Baumhöhlen in Streuobstwiesen für die Aufzucht ihrer Jungen nutzten.

Um dem Anspruch der Tiere zu genügen, bedarf es einer extensiven Bewirtschaftung, so Pfingst. Das bedeute vor allem, Dünger zu vermeiden. So setzten sich nicht nur Pflanzen wie Löwenzahn durch, die von Dünger profitierten. „Sie blockieren den Platz für andere Pflanzen, die weniger Nährstoffe brauchen.“ Im Gegensatz dazu entstünde durch extensive Bewirtschaftung ein reichhaltiges Blütenangebot – die Grundlage für viele Insektenarten und damit für die Nahrung der Fledermäuse.

Um das zu fördern, werde das Gespräch mit den Streuobstwiesenbesitzern gesucht. „Wir wollen Anreize dafür schaffen, dass sie ihre Wiesen nutzen und nicht verfallen lassen“, sagt Pfingst. Ansonsten breiteten sich Büsche aus, die vielen Pflanzen den Raum zum Wachsen nähmen. Auch finanzielle Förderungen seien möglich. Dazu berate die Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege im Werra-Meißner-Kreis.

„Unser Ziel ist es, ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen zu schaffen.“ Bestehen soll es aus Wäldern, Streuobstwiesen und blütenreichen Wiesen. Hinzu käme bei Witzenhausen mit der Werra ein Fluss als weiterer Lebensraum für zahlreiche Arten. (Von Fabian Becker)

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