Werra-Meißner-Kreis: Auswilderungsprogramm für Luchse

Luchse könnten in den Werra-Meißner-Kreis zurückkehren

Pinselohren: Sieht man sie in der Region bald wieder in freier Wildbahn? Das Foto zeigt einen Luchs in einem Tierpark.
+
Pinselohren: Sieht man sie in der Region bald wieder in freier Wildbahn? Das Foto zeigt einen Luchs in einem Tierpark.

Das Nachbarland Thüringen soll zur neuen Heimat für Luchse werden. Das könnte auch bis in den Werra-Meißner-Kreis ausstrahlen.

Werra-Meißner – „Thüringen ist für den Aufbau einer langfristig stabilen und gesunden Luchs-Population in Deutschland besonders wichtig“, sagt Dr. Marcus Port. „Denn das Land mit seinen großen Waldgebieten verbindet gewissermaßen den Harz im Norden mit dem Bayerischen Wald im Süden – also die beiden Regionen, in denen schon seit Jahren Luchse leben.“

Als Mitarbeiter an der Universität Göttingen hat Port die Luchse wissenschaftlich begleitet, die in den vergangenen Jahren in den beiden Waldgebieten beobachtet wurden. Inzwischen arbeitet er auch für den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) in Thüringen.

Und dort wurden die Vorkommen nun genau untersucht. Umweltministerium und BUND gehen davon aus, dass in Thüringen etwa zehn Tiere leben. „Eine natürliche Besiedlung weiterer Lebensräume könnte allerdings noch viele Jahre dauern“, sagt Port. Das jedoch wäre möglicherweise zu lang für den Erhalt gesunder Populationen im Harz und im Bayerischen Wald, da der genetische Austausch fehlt. Deswegen wird in Thüringen jetzt über eine Auswilderung von Luchsen nachgedacht.

„Sollte dieser Plan umgesetzt werden, dann könnten sich die großen Katzen von dort aus auch nach Nordhessen ausbreiten“, so Port. Schließlich seien auch der Reinhardswald und der Kaufunger Wald für die Tiere von Bedeutung, weil diese beiden großen Waldgebiete als Trittsteine dazu beitrügen, dass für die Luchse eine weitere Verbindung zwischen Harz und Bayern bestehe.

„Bis etwa 2016 hatte es eine kleine Luchs-Population östlich und südlich von Kassel gegeben“, berichtet der Wissenschaftler. Kurz vor Weihnachten 2019 sei eine Luchsfamilie mit vier Jungtieren im Reinhardswald bekannt geworden. Port sagt: „Noch bis zum vergangenen Sommer hatten wir dort zwei junge Luchse nachgewiesen.“

Inzwischen wurde einer dieser Luchse in der Nähe von Neu-Eichenberg gesichtet. Im Dezember vergangenen Jahres hatte ein Revierpächter das Tier dort mit seiner Wärmekamera gefilmt, worauf Port und seine Kollegen selbst zwei Kameras in dem Gebiet aufstellten. „Im März wurde es dann fotografiert und anhand seiner spezifischen Musterung konnten wir zweifelsfrei sagen, dass es sich um eines der Jungtiere aus dem Reinhardswald handelt“, berichtet Port.

Dr. Marcus Port, Mitarbeiter der Universität Göttingen.

Dr. Marco Heurich, Professor für Wildtiermanagement an der Uni Freiburg, hat mit Rechenmodellen die Ausbreitung der Luchse untersucht. Demnach wäre ohne Auswilderung eine dauerhafte Besiedlung des nordhessischen Berglands bis zum Jahr 2048 nicht sehr wahrscheinlich. Würden dagegen 20 Tiere in Thüringen ausgesetzt, würde nach Heurichs Berechnungen bis 2048 auch Nordhessen von Luchsen besiedelt.

„Dass sich Luchse irgendwann auch im Werra-Meißner-Kreis niederlassen, ist allerdings eher unwahrscheinlich“, sagt Marcus Port. Dafür seien die Waldgebiete dort nicht groß genug. Möglich sei jedoch, dass Luchse (wie im Fall des im März fotografierten Jungtieres) künftig sehr viel öfter auf ihren Streifzügen zwischen dem Reinhardswald oder dem Kaufunger Wald und Thüringen auch im Kreisgebiet zu sehen sein werden.

„Allerdings haben wir auch festgestellt, dass sich die Tiere selbst Gegenden erschließen, mit denen wir nicht gerechnet hätten“, will Port auch eine eventuelle Ansiedlung in der Region nicht gänzlich ausschließen. (Von Per Schröter)

Sie wollen mehr aus der Region erfahren? Dann testen Sie das ePaper der HNA zwei Wochen gratis. Sie sind eher an Neuigkeiten aus dem Raum Eschwege interessiert? Dann können Sie das ePaper-Angebot der Werra-Rundschau ebenfalls kostenlos testen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.