Werra-Meißner-Kreis setzt auf Industrielüfter

Mobile Luftreinigungsgeräte werden in Schulen im Werra-Meißner-Kreis kaum genutzt

Zum Schutz vor dem Coronavirus: Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule. Symbol
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Zum Schutz vor dem Coronavirus: Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule.

Zum Schutz vor Corona setzt der Werra-Meißner-Kreis nicht auf mobile Luftreinigungsgeräte. Nur zehn Stück gibt es laut Sprecher Jörg Klinge in Klassen, die schlecht zu lüften sind.

Werra-Meißner – Zusätzlich seien an der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf 38 stationäre raumlufttechnische Anlagen installiert worden. „Die mobilen Geräte leiten die Raumluft über einen Filter, nur ein Teil der Viren wird bei gutem Filterzustand zurückgehalten“, sagt er.

Es gebe dabei keinen Luftaustausch. „Unklar ist auch, wie oft die Filter gewechselt werden müssen“, sagt Klinge. Die Herstellerangaben wichen stark von den Forderungen der Raumlufthygieniker ab. „Darüber hinaus kann mit nur einem mobilen Gerät in einer Klasse nicht die gesamte Luft umgewälzt werden.“

Je nach Raumgröße müssten daher bis zu vier mobile Luftreinigungsgeräte installiert werden, was zu einem sehr hohen Lärmpegel führe, bei dem ein normaler Unterricht nicht möglich sei. „Zudem muss trotzdem regelmäßig gelüftet werden.“

Stattdessen hat sich der Kreis laut dem Sprecher für ein dezentrales Lüftungssystem entschieden, das derzeit an der Johannisberg-Schule in Witzenhausen, der Meißnerlandschule in Walburg und der Struthschule in Eschwege getestet werde. Es sei unter anderem von der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen entwickelt worden.

„Dabei wird verbrauchte Luft mittels Industrielüfter aus den Klassen gesaugt, während durch Unterdruck Frischluft über ein gekipptes Fenster am anderen Ende des Raumes nachströmt“, sagt er. „Dadurch ergibt sich ein Luftstrom, der den Raum mit Frischluft versorgt.“

Eltern im Werra-Meißner-Kreis unterstützen die Entscheidung der Kreisverwaltung, sagt Kreiselternbeiratsvorsitzender Marco Locorotondo. „Es gibt aber die Sorge, dass diesen Winter nicht genug Anlagen in Betrieb sind.“ Zurzeit liefen Ausschreibungen. „Mehrere Anbieter sollen mehr als 800 Anlagen gleichzeitig installieren.“ Los gehe es in den Grundschulen, das Ende sei für den Sommer geplant.

Auf dieses System setzt der Werra-Meißner-Kreis

Das Lüftungssystem hat laut Kreissprecher Jörg Klinge zwei Varianten: Außerhalb der Heizperiode kann es auf niedrigster Stufe laufen und dabei einen kontinuierlichen Luftaustausch im Raum gewährleisten. Dabei entstünden kaum Geräusche und kein merklicher Luftzug. Bei Heizbedarf gebe es einen Intervallbetrieb ähnlich dem des Stoßlüftens. Etwa alle 20 Minuten würde für drei bis sechs Minuten ein Fenster gekippt und der Ventilator des Lüftungssystems eingeschaltet.

Werra-Meißner: 890 Klassen werden mit Lüftern bestückt

Die Kosten für die Anschaffung dezentraler Lüftungssystems wie sie der Werra-Meißner-Kreis in seinen Schulen einsetzen will, liegen laut Kreissprecher Jörg Klinge für alle 890 Klassenräume bei etwa 1 780 000 Euro. Für die rund 430 Räume der Jahrgangsstufen eins bis sechs habe der Werra-Meißner-Kreis Fördermittel in Höhe von 80 Prozent (1 424 000 Euro) beantragt.

„Ein erster Förderantrag wurde bereits bewilligt“, sagt Klinge. Inwieweit der Kreis für alle 430 Grundschulklassenräume eine Förderung erhalte, könne derzeit nicht abgeschätzt werden. „Die zehn mobilen Luftreinigungsgeräte im Kreis wurden über das Corona-Förderprogramm des Landes Hessen Schutzmaßnahmen an Schulen und Kitas mit 75 Prozent gefördert.“ Die Kosten lägen pro Gerät bei rund 1400 Euro.

Die 38 stationären raumlufttechnischen Anlagen an der Rhenanusschule in Bad Sooden-Allendorf, die je Gerät etwa 12 000 Euro kosten, seien auch mit diesem Förderprogramm finanziert worden.

Bis die Klassenräume im Kreis mit Lüftungssystemen ausgestattet sind, sollen dort nach Ansicht der Eltern die 3G-Regeln gelten. „Auch der Online-Unterricht für Kinder, die wegen einer Erkrankung nicht zur Schule gehen können, soll weiter verfolgt werden“, sagt der Kreiselternbeiratsvorsitzende Marco Locorotondo.

Für mobile Luftreinigungsgeräte könnte der Werra-Meißner-Kreis derzeit von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) eine Förderung von bis zu 354 696 Euro bekommen, wie WI-Bank-Sprecherin Sibylla Küster mitteilt. Das sei aber derzeit kein Thema, da solche Geräte für den Kreis laut Klinge nicht angeschafft werden sollen. (Von Fabian Becker)

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