Informationen für Käufer beim RP

1360 Grundstücke im Werra-Meißner-Kreis sind mit Schadstoffen belastet

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Altlasten in Böden können nicht nur mit Aufwand, sondern auch mit hohen Kosten verbunden sein. Auf dem Bild untersuchen Spezialisten das Gelände eines ehemaligen Munitionslagers aus dem Zweiten Weltkrieg im Harz (Niedersachsen).

Hessenweit gibt es vermutlich 100.000 Grundstücke, die mit Schadstoffen belastet sind. Im Werra-Meißner-Kreis sind es etwa 1360. Wir beantworten Fragen zu dem Thema.

Ab wann gilt eine Grundstücksfläche als belastet?

Anhaltspunkte für eine Belastung liegen dann vor, wenn Überschreitungen von Prüf-, Vorsorge- oder Maßnahmenwerten der Bundesbodenschutzverordnung festgestellt werden. Das berichtet Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Kassel. „Dazu müssen belastbare Untersuchungsergebnisse relevanter Umweltmedien vorliegen“, sagt er. Umweltmedien sind beispielsweise Boden und Grundwasser.

Von einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast spricht man laut Bundesbodenschutzgesetz erst dann, wenn dadurch auch eine Gefährdung des Einzelnen oder des Allgemeinwohls hervorgerufen wird. Folgende Fragestellungen seien zu klären:

  • Welche Nutzung liegt auf dem Grundstück vor?
  • Ist das Grundstück frei zugänglich?
  • Handelt es sich um Einzelbefunde oder wurden flächendeckend Wertüberschreitungen festgestellt? Wie massiv sind diese?
  • Welche chemisch-/physikalischen Eigenschaften haben die relevanten Stoffe?
  • Welche Transferpfade – etwa Boden-Mensch, Boden-Grundwasser, Boden-Nutzpflanze – sind betroffen?

Welche Altlasten finden sich auf Grundstücken im Werra-Meißner-Kreis?

Es finden sich laut Conrad Einträge für nahezu alle erfassungsrelevanten Branchen. Im Bereich der bereits untersuchten und bewerteten Standorte seien es vor allem die Wirtschaftszweige Metallbe- und -verarbeitung inklusive Kfz-Gewerbe, Tankstellen und Mineralölhandel sowie chemische Reinigungen. Eine Sonderstellung nehme der Standort des ehemaligen Sprengstoffwerks Hirschhagen ein.

Was ist das Besondere dort?

Boden und Grundwasser des rund 230 Hektar großen Geländes waren nach Kriegsende großflächig mit sprengstofftypischen Schadstoffen verunreinigt, heißt es vonseiten des RP Kassel. Produziert wurde hauptsächlich der Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT). Ende der 1960er-Jahre wurden erstmals Schadstoffe in umliegenden Trinkwasserbrunnen nachgewiesen. Neue Trinkwasservorkommen weit außerhalb wurden daraufhin erschlossen.

Etwa 45 Prozent der Fläche war sanierungsbedürftig. Während die Bodensanierung wegen Vorarbeiten erst 1997 begann, läuft die Grundwassersanierung seit 1989 und wird voraussichtlich noch über Jahrzehnte hinweg fortgesetzt werden müssen. Die Bodensanierung wurde Ende 2009 abgeschlossen und insgesamt rund 200 000 Tonnen schadstoffbelasteter Boden entsorgt – der Kostenfaktor fürs Land: 105 Millionen Euro.

Gibt es Tipps, wie ich verhindern kann, ein Grundstück mit Altlasten im Boden zu kaufen?

Grundstückskäufer sollten sich vorab Informationen aus der Altflächendatei über eine möglicherweise kritische Vornutzung des Grundstücks einholen. Auskünfte geben laut Conrad die Bodenschutzdezernate der Regierungspräsidien. Das RP bietet auf seiner Internetseite Antragsvordrucke zum Download an.

„Daneben sollten auch Nachbarn des zum Verkauf stehenden Grundstücks sowie die Kommune direkt angesprochen werden, da eine Reihe von Kommunen ihrer Meldepflicht bekanntermaßen nicht oder nur lückenhaft nachkommt“, berichtet Conrad. Für den Fall, dass ein Kaufinteressent zur Absicherung selbst Untersuchungen in Auftrag geben will, empfiehlt er eine Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde.

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