In der Region greift die Regelung - noch - nicht

Amazon belohnt seine gesunden Mitarbeiter mit einem Bonus

Werra-Meißner/Bad Hersfeld. Der Online-Einzelhändler Amazon hat an mehreren Standorten einen Gesundheitsbonus für Mitarbeiter eingeführt. Das bestätigte Amazon-Sprecher Michael Schneider. 

In den Logistikzentren Bad Hersfeld greift das neue Prämiensystem, das gesundheitsbewusstes Verhalten und wenige Krankheitstage belohnen soll, aktuell noch nicht – doch das könnte sich nach Informationen von Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke bald ändern. Demnach soll das Bonus-Modell dem Betriebsrat bereits vorgestellt worden sein, der aktuell darüber berät.

Betriebe im Werra-Meißner-Kreis nutzen das Prämiensystem bislang offenbar nicht. Das ergab eine Nachfrage bei vier großen örtlichen Unternehmen, die wie Amazon im Schichtbetrieb arbeiten. Öffentlich bewerten will den Gesundheitsbonus aber niemand. Nur zur betriebsinternen Gesundheitsfürsorge gaben die Firmen, darunter das Witzenhäuser SCA-Werk, gern Auskunft.

Kein Blatt vor den Mund nimmt indes Verdi-Sekretärin Middeke. Sie kritisiert vor allem, dass Amazon den Bonus nicht nur an der individuellen An- und Abwesenheit eines Mitarbeiters bemisst, sondern auch an den Fehltagen des gesamten Teams. „Wer sich krank meldet, verringert also nicht nur den eigenen Bonus, sondern auch den der Kollegen. Das schürt böses Blut und fördert Mobbing“, warnt Middeke. 

Ferner bestehe die Gefahr, dass sich Mitarbeiter krank zur Arbeit schleppen, um den Bonus nicht zu gefährden. Der Schichtbetrieb sei zudem belastend für die Gesundheit – im Fall Amazon soll der Krankenstand laut Verdi zeitweise bei 20 Prozent liegen.

Amazon weist die Vorwürfe von sich. Der Bonus sei als Belohnung für gesundes Verhalten gedacht, sagt Schneider. Die von Verdi genannte Zahl zum Krankenstand sei Unsinn. Eine aus Unternehmenssicht korrekte Zahl nannte er aber nicht.

Gesundheitsprämie soll Teamgeist stärken

Bonuszahlungen, die zum Gehalt hinzukommen, sind Teil des Amazon Lohnpakets in den Logistikzentren, betont Sprecher Michael Schneider. In Bad Hersfeld zahle Amazon umgerechnet 10,71 Euro brutto die Stunde im ersten, 12,39 Euro im zweiten und 12,53 Euro im dritten Jahr. Die Bonuszahlungen seien hier noch nicht eingerechnet. „Wir arbeiten daran, eine faire Zusammensetzung aus individueller und gruppenbezogener Prämie zu finden. Durch den gruppenbezogenen Anteil wollen wir eine Kultur des Zusammenhalts fördern.“ Dazu gehöre auch, dass ein Kranker zu Hause bleibt, um sich auszukurieren und die Gruppe zu schützen. Er erhalte dann trotzdem den Gruppenanteil.

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Aus unserem Videoarchiv: So arbeitet das Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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