Landwirte, Forstleute und Waldbesitzer sind bereits in Sorge

Anhaltende Trockenheit im Werra-Meißner-Kreis wirkt sich schon negativ aus 

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Sieht es auf den Feldern im Werra-Meißner-Kreis bald wieder so aus wie im vorigen Jahr?

Nicht nur die seit Mitte März anhaltende Trockenheit treibt den Landwirten, Forstleuten und Waldbesitzern im Werra-Meißner-Kreis die Sorgenfalten ins Gesicht. „Auch die Kälte macht den Feldfrüchten zu schaffen“, sagt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.

Denn: Insbesondere die Bienen schafften es nicht, die Bestäubung komplett zu übernehmen. Der Grund: Damit Honigbienen gut arbeiten können, dürfen die Temperaturen nicht unter 10 Grad fallen. Lediglich die Wildbienen flögen bereits ab 5 Grad, so Roth.

Besorgniserregender sieht es nach seiner Einschätzung beim Sommergetreide und bei den Zuckerrüben aus, denen bereits das notwendige Wasser fehle. Und auch das Gras wächst aufgrund dieses Mangels nicht, so der Geschäftsführer. Insbesondere die Milchviehhalter, denen zudem noch ein Preisverfall wegen einbrechenden Milchabsatzes aufgrund der Corona-Einschränkungen bevorstehe, machten sich schon jetzt Sorgen, nicht genügend Silage und Heu zu bekommen, um die Tiere über den Winter zu bringen. Laut Roth ist nach derzeitiger Lage an den sonst zwischen dem 6. und 10. Mai üblichen ersten Grasschnitt nicht zu denken. Und die Vorräte von 2019 seien auch nicht so groß.

Die Trockenheit wird, wie Roth ausführt, noch beschleunigt durch die andauernde Ostlage mit starkem Wind. Der habe die Böden komplett ausgedünstet.

Wann wird die Trockenheit denn bedrohlich für die Landwirtschaft? Roth: „Bis Ende dieser Woche müssen 20 bis 30 Liter Regen fallen“ – doch die sind nicht in Sicht.

Nicht ganz so dramatisch sieht Matthias Dumm, der Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau, die Lage. Da die Bodenspeicher im Winter gut aufgefüllt worden seien, hätten die älteren Bäume noch keine Probleme, aus den tieferen Wasserschichten zu saugen. „Langsam kritisch“ werde die Trockenheit aber für die jungen Bäume, die erst in den oberen Schichten wurzeln. Für sie seien der starke Wind und die Sonneneinstrahlung derzeit „Gift“, da sie dem Boden die Feuchtigkeit entzögen, so Dumm.

Ein Problem jetzt, das sich in der Landwirtschaft beispielsweise beim Raps negativ auswirkt, ist das wegen der vor allem nachts noch niedrigen Temperaturen das vegetative Wachstum. Die Ölpflanze habe noch gar keine Blätter angesetzt, dennoch blühe er bereits, erläutert Landwirt Uwe Roth. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Pflanzen sei die Tageslänge. Der Lichtreiz gebe den Pflanzen das Signal: „Jetzt musst Du blühen.“ Da sei es ihr egal, ob im Frühjahr noch mal Schnee kommt. Immerhin sei der Raps schon tief genug verwurzelt, um etwas Feuchtigkeit zu ziehen, so Roth.

Hier liegt wiederum das Problem, das Matthias Dumm vom Forstamt Hessisch Lichtenau vor allem für die mehr als 1000 jungen Eichen sieht, die erst jüngst gesetzt wurden. Da sie nur in der oberen Schicht wurzelten, bestehe die Gefahr des Vertrocknens. Zumal, wenn die Bäumchen bei den milden Temperaturen schon jetzt austreiben und dann auch über ihre Blätter verdunsten. In diesem Jahr sei alles früher als sonst, so die Einschätzung des Forstmannes. Aber 14 Tage, gibt er sich zuversichtlich, „halten sie noch durch“.

Ebenfalls in knapp zwei Wochen werde man auch das Ausmaß einschätzen können, in dem die jetzt in den tieferen Lagen bereits ausfliegenden Borkenkäfer die Wälder befallen. Danach, so Matthias Dumm, werde man gleich mit dem gezielten Einschlagen beginnen.

Hoffnung auf eine Besserung der Lage macht Torsten Rost Landwirten, Forstleuten und Waldbesitzern vorerst nicht: „Bis Anfang Mai ist keine entscheidende Wende erkennbar“, sagte der Hobbymeteorologe aus Eschwege. Der wenige Regen am vergangenen Wochenende, zumal nur hier und da aufgetreten, sei „der einzige Tropfen auf den heißen Steinen“ seit Mitte März gewesen und hätte an der extremen Frühjahrstrockenheit nichts geändert.

Rost gibt das derzeitige Niederschlagsdefizit mit 100 bis 150 Millimetern (gleich 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter) an. Und durch den kräftigen Nordostwind – Böen mit bis zu 60 km/h seien Anfang der Woche selbst im Werratal keine Seltenheit gewesen – trockne der Boden noch zusätzlich aus. Der Meteorologe geht von sechs Litern Wasser aus, die derzeit pro Tag durch Wind und Sonnenschein verdunsten.

Gefahr von Waldbränden ist schon erhöht

Wegen der anhaltenden Trockenheit, verbunden mit intensivem Wind, warnt Hessens Umweltministerin Priska Hinz vor erhöhter Waldbrandgefahr. Konkret wird untersagt, im Wald zu rauchen, Zigarettenkippen aus dem Fenster zu werfen und außerhalb von Grillplätzen Feuer zu entzünden. Trockenes Laub und Reisig vom Vorjahr stelle eine Brandgefahr dar. Seit Jahresbeginn hat es in Hessen bereits mehr als 20 Waldbrände mit einer Schadfläche von zwei Hektar gegeben.

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