Firmen melden vorsichtshalber Kurzarbeit an

Die Auftragsbücher der Handwerker im Werra-Meißner-Kreis sind noch voll

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Noch läuft die Bautätigkeit ungebremst: Abrissarbeiten an einem ehemaligen Autohaus An der Bohlenbrücke in Witzenhausen.

Der Bauboom hält auch in Zeiten der Corona-Krise an. Zwar wird im Werra-Meißner-Kreis der eine oder andere Auftrag zurückgestellt, doch noch sind die Auftragsbücher voll.

Seit Jahren beflügeln niedrige Zinsen die Bautätigkeit. „Daran hat auch die Pandemie bisher nichts geändert“, beobachtet Stefan Schenker, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. „Zum Glück sind wir bisher nicht von der Ausgangssperre betroffen“, berichtet Reinhard Heppe, der stellvertretende Obermeister der Bau-Innung. Vorbeugend hat der Witzenhäuser Unternehmer jedoch für seine 40 Beschäftigten Kurzarbeit beantragt, um kurzfristig reagieren zu können. Noch läuft die Bautätigkeit ungebremst weiter. „Bisher hat keiner unserer Innungsbetriebe des Bauhaupt- und des Baunebengewerbes Kurzarbeit umgesetzt“, ergänzt Schenker.

„In Krankenhäusern und Altersheimen wird Handwerkern derzeit der Zutritt verweigert, um das Ansteckungsrisiko zu verringern“, weiß der Geschäftsführer. Ältere Privatkunden stellten Aufträge zurück, weil sie sich vor einer Infizierung fürchteten. Andere Kunden wollten abwarten, wie sich die Krise auf ihre Einkommensverhältnisse auswirken werde, ergänzt Dominik Benning, der Obermeister der Elektro-Innung. Die Kunden machten weniger Zeitdruck als noch vor zwei Wochen, beobachtet Bauunternehmer Heppe.

Mehr als vor wegbrechenden Aufträgen fürchten sich die Bauhandwerker im Kreis derzeit davor, dass aufgrund der Erkrankung eines Mitarbeiters der Rest der Belegschaft in Quarantäne muss. „Dann kann ich den Betrieb einstellen“, sagt Heppe, der schlüsselfertige Gebäude errichtet. Das könne in der Folge, aufgrund der Nichteinhaltung von Verträgen, zu Rechtsstreitigkeiten mit Kunden führen. „Damit es nicht so weit kommt, verzichten meine Mitarbeiter möglichst auf Körperkontakt“, sagt Heppe. Seine Beschäftigten säßen auf dem Weg zur Baustelle im Transporter mit ausreichend Abstand zueinander. Besonderen Augenmerk lege er auf gute Waschgelegenheiten auf den Baustellen. Er stelle zusätzliche Wasserkanister sowie Desinfektionsmaterial zur Verfügung.

„Auf Mundschutz, wie wir ihn bisher bereits bei Stemmarbeiten getragen haben, müssen meine sieben Mitarbeiter derzeit verzichten“, sagt Elektromeister Benning. Die Masken seien derzeit nicht zu bekommen. „Auch Handschuhe oder Desinfektionsmittel werden knapp“, weiß Geschäftsführer Schenker. Dieser Engpass habe einige Innungsbetriebe „auf dem linken Fuß“ erwischt.

Mit Interesse verfolgt Bauunternehmer Heppe die Ankündigungen der Politik, dem Mittelstand in der Krise helfen zu wollen. Auf Unterstützung könnte er in Zukunft angewiesen sein, so Heppe. Dann werde sich zeigen, ob die öffentliche Hand den kleinen Firmen wirklich schnell und unbürokratisch helfe. „Ich habe Kredite aufgenommen, um Investitionen zu tätigen“, berichtet der stellvertretende Obermeister. Ein neuer Bagger koste zum Beispiel 250 000 Euro. Er habe 18 Stück. Seine Hausbank habe ihm bereits mitgeteilt, dass sie ihm bei Umsatzeinbrüchen die Raten eine Zeit lang stunden würde.

Auswirkungen auf Baubranche sind schwer abzuschätzen

Derzeit lässt sich schwer abschätzen, wie sich die Corona-Krise in den kommenden Monaten auf das Bauhandwerk auswirken wird“, betont Stefan Schenker, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes warne davor, dass im Falle einer Rezession gewerbliche Kunden Investitionen zurückstellten. Beschäftigte, die Arbeitslosigkeit fürchteten, würden den Bau eines eigenen Hauses oder auch Sanierungsarbeiten aufschieben. Durch Krankheitsfälle in den öffentlichen Verwaltungen könne sich die Vergabe öffentlicher Aufträge oder die Bearbeitung von Bauanträgen verzögern. Der Verband habe erste Hinweise auf Unterbrechungen bei den Lieferketten. „Noch ist unser Lager voll“, sagt dazu Bauunternehmer Norbert Schanze aus Hessisch Lichtenau, der zwei Mitarbeiter beschäftigt. Einen großen Teil seines Materialbedarfs decke er bei regionalen Anbietern: Steinbrüchen und Betonwerken. 

Von Michael Caspar

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