Über Gefahren von Fanartikeln im Straßenverkehr

Autokorsos bei EM: Polizei ist kein Spielverderber

Party! Beim 4:1-Sieg der deutschen Kicker beim Fußball-WM-Spiel gegen England im Jahr 2010 gab es einen Autokorso durch die Walburger Straße in Witzenhausen. Zu riskant sollten die Kletterpartien auf dem Auto aber nicht sein, warnt die Polizei. Archivfoto: Daniel Koch

Werra-Meißner. Sollte die deutsche Elf heute Abend gegen Italien siegen, werden die Fans kräftig feiern, beispielsweise mit Autokorsos. Was sagt die Polizei dazu?

Wie die Polizei auf ausgelassenes Feiern auf den Straßen reagiert, darüber sprachen wir mit Rüdiger Willich, Leiter des regionalen Verkehrsdienstes.

Wie reagiert die Polizei auf Autokorsos und feiernde Fans? Drückt sie im Zuge der allgemeinen Euphorie ein Auge zu oder wird über die Einhaltung der Regeln genau gewacht? 

Rüdiger Willich: Seitens der Polizei wird der Ermessensspielraum eine bedeutendere Rolle spielen und es werden weniger Verwarnungsgelder erhoben werden, als streng nach der Straßenverkehrsordnung festgelegt. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an. Im Siegestaumel sollten keine unnötigen Risiken eingegangen werden. Gegen langsames Fahren unter Einhaltung der Verkehrsregeln, ohne Alkohol und nicht auf den Fahrzeugen stehend, wird keiner etwas sagen.

Wo ist die Grenze zwischen fröhlicher Feier und ernsthaftem Sicherheitsrisiko erreicht? Wo hört der Spaß auf? 

Willich: Dort, wo eine Gefährdung anderer oder eine Selbstgefährdung zu erkennen ist. Trotz aller Euphorie dürfen Fans keine unnötigen Risiken eingehen. Bei allzu riskanten Manövern können die Teilnehmer unter anderem wegen Gefährdung des Straßenverkehrs belangt werden. Nicht alle Menschen haben übrigens Spaß am Fußball. Wie beim Feiern gilt auch bei Autokorsos, dass die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen sind.

Sind Autokorsos eigentlich grundsätzlich erlaubt? 

Willich: Theoretisch müsste jeder Autokorso als Veranstaltung angemeldet werden, weil die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden. (§ 29 StVO)

Was ist mit Hupkonzerten, Herauslehnen aus Fenstern und dem Überfahren roter Ampeln, um im Korso zu bleiben?

Rüdiger Willich

Willich: Das obligatorische Hupen ist streng genommen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Laut § 16 StVO dürfen Schall- und Lichtzeichen nur gegeben werden, wenn jemand sich oder andere gefährdet sieht. Des Weiteren wird die Verursachung von unnötigem Lärm in § 30 StVO reglementiert. Bitte anschnallen (§ 21 a StVO) gilt auch bei Autokorsos. Cabrio-Mitfahrer sollten also keine riskanten Kletterpartien ausführen. Auch weites Herauslehnen aus dem Fenster und Schiebedach sollte vermieden werden. Fahnen und Schals zu schwenken oder am Auto anzubringen, ist grundsätzlich erlaubt, sofern sie nicht die Sicht beeinträchtigen. Aufgrund des großen Gefährdungspotentials ist das Überfahren von roten Ampeln absolut tabu, genauso wie das Fahren unter Alkoholeinfluss.

Welche Strafen sind zu befürchten?

Willich: Bei gravierenden Verstößen wie Fahren unter Alkoholeinfluss oder Überfahren einer roten Ampel werden Straf- bzw. Bußgeldverfahren eingeleitet, welche keine unbedeutenden Sanktionen mit sich bringen. Ansonsten gelten folgende Verwarngeldtatbestände: unnötige Lärm- und Abgasbelästigung zehn Euro, unnützes Hin - und Herfahren zehn Euro, Sicherheitsgurt nicht angelegt 30 Euro, Sichtbeeinträchtigung zehn Euro und zu laute Musik zehn Euro.

Wird es beim heutigen und eventuell folgenden Spiel der deutschen Elf verstärkte Polizeipräsenz geben?

Willich: Selbstverständlich ist der Spielplan bekannt. Am heutigen Samstag kann es nach dem Spiel gegen Italien zu Autokorsos kommen. Dies wird in der Dienstplanung berücksichtigt.

Hintergrund: ADAC zu Flaggen und Spiegelsocken

Über Gefahren von Fußball-Fanartikel im Straßenverkehr klärt der ADAC auf.

• Flaggen an einer Stange während der Fahrt aus dem Fenster zu halten, ist verboten. Kommt es durch eine Fahne zum Unfall, kann die Versicherung Regressansprüche an den Fahrzeughalter stellen.

• Fahnen müssen stabil am Pkw befestigt sein und dürfen die Sicht des Fahrers nicht beeinflussen. Keine Wimpel, Schals und Maskottchen an den Innenrückspiegel hängen.

• Keine Aufkleber auf Scheinwerfern anbringen. Wenn das Auto nur einen Außenspiegel hat, darf die Heckscheibe nicht von einer Fahne verdeckt sein.

•Spiegelsocken dürfen die bei manchen Pkw integrierten Blinker nicht verdecken.

•Bei Fahrten über Autobahn oder Landstraße sollten Fähnchen vom Fahrzeug entfernt werden, da sie durch den Wind abreißen könnten. Entstehen dabei Schäden für andere Verkehrsteilnehmer, können hohe Kosten fällig werden.

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