142 Kinder und Jugendliche leben bei Ersatzeltern

Pflegefamilien gesucht: Plätze im Werra-Meißner-Kreis werden knapp

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Werra-Meißner. In einigen Kommunen im Werra-Meißner-Kreis werden die Pflegefamilien knapp. Der Bedarf an Ersatzeltern und die Zahl an Pflegekindern ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Waren es vor zehn Jahren noch 87 Kinder, die bei Pflegeeltern betreut wurden, so sind es aktuell laut Kreissprecher Jörg Klinge bereits 142 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im ersten Halbjahr 2017. „Parallel zu diesem Anstieg sind die Unterbringungen in Kinder- und Jugendheimen jedoch um die Hälfte gesunken“, so Klinge.

Gesucht werden immer wieder Familien oder Ehepaare, die bereit sind, ein Kind bei sich aufzunehmen. Zuständig dafür ist der Fachbereich Kinder, Jugend und Familien des Landkreises. Dabei gibt es drei Formen der Betreuung: 

1. Bereitschaftsfamilien, die Kindern bis zu zehn Jahren aus Notsituationen ein Zuhause geben, wenn noch nicht geklärt ist, ob sie zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren können. Die Unterbringung findet kurzfristig in Form einer Krisenintervention statt. 

2. Kurzzeitpflege eignet sich für Kinder, die grundsätzlich von ihren Bezugspersonen hinreichend versorgt werden, aber wegen besonderer Umstände außerhalb der Familie betreut werden müssen. Der Aufenthalt ist zeitlich klar begrenzt.

3. Vollzeitpflege brauchen Kinder, die für längere Zeit oder gar nicht mehr bei ihren Eltern leben können. In der Pflegefamilie finden sie ein neues soziales Umfeld, in dem sie sich ihrem Alter entsprechend entwickeln können. Je nach Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten oder bei schwierigem Familienhintergrund werden die Kinder in eine besonders geschulte Pflegefamilie vermittelt.

Bei der Aufnahme eines Pflegekindes wird ein monatliches Pflegegeld gezahlt, das sich aus dem Grundbetrag für den Unterhalt und einem Erziehungsbeitrag zusammensetzt. Die Pflegesätze liegen in Hessen monatlich zwischen 500 und 700 Euro je Kind und Alter. 

Elternstammtisch und Kontakte

Der Pflegekinderdienst informiert interessierte Eltern, führt ein Bewerberverfahren durch und begleitet die Vermittlung. Außerdem erhalten die Pflegeeltern im Verlauf des Pflegeverhältnisses Beratung, Fortbildung und bei Bedarf Supervision. 

Nächster Informationsabend ist am Donnerstag,  5. Oktober, 19 Uhr im Raum 206 der VHS Witzenhausen. 

Weitere Informationen unter Tel.: 05542 / 958 1468 oder auf der Seite des Landkreises: http://zu.hna.de/FamilieWMK Unabhängig vom Jugendamt, treffen sich Pflege- und Adoptiveltern monatlich zu einem Stammtisch im Kreisgebiet. Interessierte können sich unverbindlich beteiligen. Kontakt: Tel. 0 55 42/ 10 87, oder  unter:  05602 / 1236, Mail:  margaret.buhle@pfad-wmk-kassel.de

„Liebe allein reicht nicht aus“

Die Entscheidung, welches Kind wohin vermittelt wird, ist für das Team des Pflegekinderdienstes ein aufwendiger Prozess, erklärt Karin Meissner-Erdt vom Pflegekinderdienst in Witzenhausen. „Wir suchen eine Familie für das Kind und nicht andersherum“, so die Diplomsozialpädagogin. Die Suche richtet sich dabei nach den Bedürfnissen des Kindes. „Liebe allein reicht nicht aus“, weiß Meissner-Erdt. Denn: „Die Kinder haben eine Vorgeschichte und tragen ein gewisses Päckchen mit sich“, sagt die Pädagogin. „Sie brauchen daher viel Zeit und Aufmerksamkeit. Das ist eine große Leistung und eine Herausforderung. Aber auch ein Abenteuer, bei dem wir die Familien gerne begleiten und beraten."

Kontaktdaten Pflegekinderdienst: Karin Meissner-Erdt unter Tel.: 05542 / 9581467


Welche Voraussetzungen Pflegeeltern erfüllen müssen, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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