Arbeitsgruppen wieder aufgelöst

Projekte fehlen: Bürgerenergie-Genossenschaft von Gericht ausgebremst

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Entgangenes Projekt: Unter anderem an der Photovoltaik-Anlage, die neben der Kreismülldeponie am Breitenberg bei Meißner-Weidenhausen entstanden ist, wollte sich die Bürgerenergie-Genossenschaft beteiligen. 

Der Vorstand packt jetzt aus: Bürgerenergie-Genossenschaft war mehr als eineinhalb Jahre nicht handlungsfähig und konnte sich an verschiedenen Projekten nicht beteiligen.

Mario Gölitz

Bei der Energiewende schneidet der Werra-Meißner-Kreis im Nordhessen-Vergleich schlecht ab. Liegt das womöglich nicht nur daran, dass im Kreis keine großen Flächen für Windräder zur Verfügung stehen, wie Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann (Grüne) es jüngst unter anderem erklärte? Die Bürgerenergie-Genossenschaft Werra-Meißner (BEG), die auf Initiative Wallmanns gebildet wurde, um die Bürger beim Gestalten der Energiewende vor Ort einzubeziehen, kam jedenfalls spät in die Gänge. 

Klaus Großkurth

Den Grund dafür legten Klaus Großkurth und Klaus Rohmund, Mitglieder des alten Vorstands, und der neue Vorsitzende Mario Gölitz jetzt auf Nachfrage der HNA dar: Die Eintragung ins Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Eschwege, ohne die die Genossenschaft keine Verträge abschließen kann, verzögerte sich um eineinhalb Jahre - weil die zuständige Rechtspflegerin einen Mangel in der Form der Satzung und den dazu gehörenden Unterschriften der Gründungsmitglieder sah. Und als die BEG Ende April 2015 endlich eingetragen und damit handlungsfähig war, war der Zug bei einigen Projekten, an denen sich die Genossen beteiligen wollten, schon abgefahren, sagt Klaus Großkurth. Im Visier hatte der Vorstand Photovoltaik-Anlagen unter anderem neben der Kreismülldeponie bei Meißner-Weidenhausen und an Kläranlagen sowie mehrere Windkraftanlagen, wie beispielsweise Söhre/Nieste.

Klaus Rohmund

„Wir wollten die regionale Windkraft fördern, um die Wertschöpfung in der Region zu halten,“, erläutert Klaus Rohmund. Auch LED-Straßenbeleuchtung und Nahwärmeversorgung für Kommunen hätten unterstützt werden können.

Das Geld der Gründungsmitglieder - zunächst rund 70 000 Euro - lag zwar auf der Bank, arbeiten konnte man aber nicht damit. Entsprechend wurde auch keine Dividende ausgeschüttet, im Gegensatz zu anderen BEG in Nordhessen, deren Eintragung nur wenige Wochen gedauert hatte. Und es konnte kein Kapital gebildet werden, um renditeschwächere Projekte im Kreis anzugehen.

Heute noch bei damals gestarteten Projekten einzusteigen, lohnt nicht mehr. Außerdem fehlen selbst betriebene Projekte; drei schon 2013 gebildete Arbeitsgruppen, die umsetzungsreife Vorhaben vorbereiten sollten, waren wieder aufgelöst worden.

Zusätzlich beklagt Vorsitzender Mario Gölitz ein „enormes Imageproblem“. Während dem Warten auf die Eintragung durften keine weiteren Mitglieder aufgenommen werden, Interessierte wanderten ab zu anderen Genossenschaften. „Wer aus ideellen Gründen mitmachen wollte, wurde besonders verprellt,“ hadert Gölitz, der schätzt, dass die BEG ohne die Verzögerung heute doppelt bis dreimal so viele Mitglieder hätte. Und bedauert: „Etwas hätten wir schon zur Energiewende im Kreis beitragen können.“

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