Händler arrangieren sich mit Hygieneregeln

Öffnung der Läden im Werra-Meißner-Kreis: Kunden punkten mit Disziplin

Gehörte zu den ersten Kunden: In der Hobby-Boutique von Inge Scharff (rechts) ersteht Friedel Schmeiche ein Geschenk für einen kleinen Jungen. Foto: Chris Cortis
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Gehörte zu den ersten Kunden: In der Hobby-Boutique von Inge Scharff (rechts) ersteht Friedel Schmeiche ein Geschenk für einen kleinen Jungen.

Im Werra-Meißner-Kreis sind viele Einzelhändler erleichtert, dass sie ihre Geschäfte wieder öffnen dürfen. Die Mehrheit der Kunden halten sich an die Corona-Auflagen in den Geschäften. 

  • Seit Montag 20.04.2020 haben viele Geschäfte im Werra-Meißner-Kreis wieder geöffnet
  • Die meisten Kunden halten sich an die Corona-Maßnahmen in den Läden
  • Viele Inhaber fühlen sich durch Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht

Erleichterung herrscht bei vielen Einzelhändlern, dass sie nun, wenn auch mit Auflagen, nach einem Monat Corona-Zwangspause wieder öffnen dürfen.

Die neuen Hygienevorgaben des Werra-Meißner-Kreises (HNA berichtete) hält Kerstin Walger-Wenisch von der Aktionsgemeinschaft Handel und Gewerbe in Witzenhausen für gut umsetzbar. 

Problematisch sei es nur für Läden, die in der Bauweise verschachtelt sind. „Da kann es von der Breite der Gänge her schwierig werden, den Mindestabstand einzuhalten“, erklärt Walger-Wenisch, die in Witzenhausen das Geschäft „schön & gesund Walger“ betreibt. „Es geben sich aber alle viel Mühe, die Vorgaben ihrem Laden entsprechend umzusetzen, damit es funktioniert.“

In ihrem Geschäft in Witzenhausen, das sich gut überblicken ließe, können bis zu drei Kunden gleichzeitig herein. Allgemein gilt: Für eine Person müssen mindestens 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen, der Abstand zu anderen Personen muss mindestens 1,5 Meter betragen.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: die Kunden zeigen Disziplin

„Die Leute sind sehr vernünftig und schauen von draußen, wie viele Personen im Geschäft sind und warten dann“, sagt Walger-Wenisch. Bei Geschäften, die nicht gut einsehbar wären, zeigen die Händler mit Einkaufskörben vor der Tür, ob noch Personen hereinkommen können. In Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis seien die Straße heute wieder etwas belebter. Aber: „Es ist noch kein Einkaufserlebnis, sondern eine Zweckgeschichte.“

„Schön, dass wieder auf ist.“ Das war der einhellige Tenor bei Einzelhändlern und Kunden, als am Montagmorgen nach der durch Corona bedingten Zwangspause die Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen konnten. 

Mitarbeiter dieser Zeitung haben sich in Bad Sooden-Allendorf umgehört und in der Hobby-Boutique von Inge Scharff am Marktplatz und im Schuhhaus Amlung an der Kirchstraße Stimmen und Stimmungen eingefangen – stellvertretend für die vielen anderen Kolleginnen und Kollegen. 

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Inhaber erleichtert über Wiedereröffnung

„Das war die schwierigste Zeit in meinem Geschäftsleben“, sagt Inge Scharff. Wegen der Corona-Schutzmaske, die sie über Mund und Nase gezogen hat, sieht man der 56-Jährigen Freude und Erleichterung über die Wiedereröffnung nicht an.

„Gefühlte zehn Jahre zu“, ergänzt ihre Mitarbeiterin Angelika Bohn, die nach eigenen Angaben in der Nacht zum Montag nur schwer in den Schlaf gefunden hat: „Ich habe die ganze Nacht nur verkauft.“ Die 58-Jährige, schon seit 19 Jahren rechte Hand der Geschäftsfrau, ist noch in Kurzarbeit. 

Eine Kollegin musste entlassen werden. Glücklicherweise kam die Verkäuferin flugs unter in einem Lebensmittelmarkt schräg gegenüber. An diesem Morgen bedient Inge Scharff eine alte Bekannte: Friedel Schmeiche hat als Spielzeug einen Traktor erstanden. Den bekommt Marvin, weil er ihr immer im Garten hilft. Morgen wird er elf Jahre alt. 

„Die kleinen Läden hätte man ruhig auflassen können“, meint die 81-Jährige. „Uns wird es sehr schwer gemacht“, findet auch Inge Scharff und verweist auf ausbleibende Lieferungen und überbordende Bürokratie.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Kaum Andrang in Eschwege

In der Stadt Eschwege im Kreis Werra-Meißner waren die Straßen am Montag nur schwach gefüllt, nicht alle Geschäfte hatten bereits geöffnet. Einige arbeiteten aufgrund von Kurzarbeit mit verkürzten Öffnungszeiten.

Noch nicht geöffnet hatte die Schlossgalerie. Ob das Shop-in-Shop-System unter die 800-Quadratmeter-Regel in der Corona-Krise fällt, war gestern noch unklar. Jedes Geschäft hatte die Maximalzahl von Kunden draußen an der Tür angeschlagen. In der Buchhandlung Heinemann regulierten Einkaufskörbe die Maximalzahl der Kunden. 

Bei Velo Mangold wurden Atemschutzmasken an die Kunden ausgegeben. „Alle Kunden, die heute kamen, waren allerdings sehr diszipliniert“, sagt Kerstin Weck, Verkäuferin im Ausrüster.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Selbstständige fordern Kinderbetreuung

Bisher gelten nur Mitarbeiter in Lebensmittelläden als „systemrelevant“ und haben Anspruch auf Kinderbetreuung in Notgruppen, kritisiert etwa Denny Matejcek  aus Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis. Da seine Frau keinen Urlaub nehmen könne und seine Mitarbeiterin nächste Woche ausfalle, könne der Vater eines Sechsjährigen sein Sportgeschäft dann nur halbtags öffnen: „Falls die Kita länger als den Mai geschlossen ist, wird es existenzbedrohend.“ Die Politik müsse in der Corona-Krise bessere Regeln schaffen.

Alle wichtigen Infos zu Corona im Werra-Meißner-Kreis gibt es in unserem News-Ticker.

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