2015 wünschte sich die Redaktion sieben Dinge

Nur drei Wünsche der Redaktion wurden im Werra-Meißner-Kreis 2016 erfüllt

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Die „Welt“ hat gewonnen: Beim traditionellen Fußballspiel zum Erntefest in Bad Sooden-Allendorf traten viele Flüchtlinge in der „Weltauswahl“ an – und gewannen sogar gegen die älteren Herren aus der Badestadt mit 5:3. Dem gemeinsamen Spaß tat das aber keinen Abbruch. Ein schönes Beispiel dafür, dass auch Traditionen offen für neue Gesichter sind.

Witzenhausen. Silvester 2015 hatte sich die Redaktion der HNA/Witzenhäuser Allgemeinen sieben Dinge gewünscht, die im Werra-Meißner-Kreis eintreten sollten. Sind sie 2016 in Erfüllung gegangen?

1. Engagement für die Flüchtlinge: 
2015 standen alle unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise, viele machten sich Sorgen, wie die vielen Menschen integriert werden können. Ein Jahr später muss man sagen: Es läuft ganz gut. Viele Sportvereine haben Flüchtlinge bei sich aufgenommen, in den Ligen kicken junge Männer aus dem Nahen Osten und Afrika ganz selbstverständlich mit oder gehen als Läufer beim Nordhessen-Cup an den Start (Johannes Esaak-Andemarian, TV HeLi). Ehrenamtliche helfen beim Deutsch lernen und bieten weiterhin Kinderbetreuung in den Gemeinschaftsunterkünften an, etwa über die Awo in Witzenhausen. Gleichzeitig bringen sich die Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat ein: Sie helfen beim Pflastern des Kirchplatzes in Witzenhausen, organisieren interkulturelle Feste in Hessisch Lichtenau oder streichen Spielgeräte in Grandenborn. Damit die Helfer sich nicht aufreiben, gibt es viele Unterstützungsangebote. Institutionen wie Awo, die Freiwilligenagentur Omnibus oder die Evangelischen Familienbildungsstätte organisieren unter anderem Fortbildungsseminare über kulturelle Unterschiede, Tipps fürs Sprachtraining oder häusliche Gewalt.

Fazit: Wunsch erfüllt! 

2. Fairer Kommunalwahlkampf: 

Seit der Schlammschlacht um die US-Präsidenten-Wahl ist man ja einiges gewohnt, aber selbst gemessen an früheren (zivilisierteren) Wahlkämpfen kann man über das Rennen um die Kommunalwahl im März nicht viel Schlechtes sagen. Unterschiedliche Positionen wurden meist sachlich diskutiert. Viele Parlamente wurden durchgemischt - und gerade dort ist seither der Ton rauer, etwa in Hessisch Lichtenau und Großalmerode. Nun bietet sich der Kommunalwahlkampf aber nur bedingt zu persönlichen Attacken an. Wollen wir hoffen, dass sich im Rennen um die anstehenden Bürgermeisterwahlen in Witzenhausen, Großalmerode, Neu-Eichenberg und der Landratswahl niemand ein Vorbild an Donald Trumps Wahlkampf-Taktik nimmt.

Fazit: Wunsch erfüllt! 

3. Schnelles Internet: 

Immer wieder war er angekündigt worden, der Breitbandausbau, der dem Landkreis schnelleres Internet bringen sollte. Passiert ist wenig. Am 13. September gab es in Rommerode den ersehnten, medial inszenierten Spatenstich der kommunalen Breitband GmbH für den Ausbau im Kreis. Auch in Friedrichsbrück und Hirschhagen haben die Arbeiten begonnen. Bis Jahresende sollten 18 Kilometer Trasse fertig sein, berichtet Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH auf Anfrage. Nutzbar sind die schnellen Leitungen erst ab 2017, wenn die Netcom Kassel die neuen Leitungen an das Kernnetz angeschlossen hat. Welche Orte als nächstes neue Leitungen erhalten, steht noch nicht fest - bis 2019 sollen es aber alle im Werra-Meißner-Kreis sein.

Fazit: Wunsch (noch) nicht erfüllt. 

4. Schnee: 

Nach grünen Weihnachten bei milden elf Grad schauten Winterfans auch Anfang 2016 in die Röhre. Einzig Mitte Januar gab es nennenswerte Schneefälle, laut HNA-Wetterexperte Kai Neumann war der Winter 2015/16 vor allem eines: zu warm. Und die Hoffnung, dass sich das in diesem Jahr ändert, ist klein.

Fazit: Wunsch nicht erfüllt! 

5. Erfolg für die Modellregion Ökolandbau: 

2015 nahm die Modellregion Ökolandbau ihre Arbeit auf. Heute haben natürlich trotzdem nicht die meisten Bewohner der Kreises vor allem Bio-Produkte im Kühlschrank. Das erste Jahr bestand für die Koordinatorinnen Sabine Marten und Silke Flörke vor allem aus netzwerken: Sie knüpften Kontakte auf Kreis-, Regional- und Landesebene, brachten Menschen zusammen, organisierten einen „Feierabendmarkt“ in Kassel und Seminare für Landwirte. Die Resonanz war gut, einige Betriebe, die auf bio umstellen wollen, wurden an Berater vermittelt. Zudem gibt es mit dem „Ringelnatz“ das erste zertifizierte Restaurant im Kreis, das nur Bio-Produkte nutzt. 2017 sollen Streuobst-Apfelchips produziert und Bio-Touren durch den Kreis organisiert werden.

Fazit: Wunsch erfüllt. 

6. Weniger Salz in der Werra: 

Seit dem Frühjahr gab es im Werk Werra des Düngemittelproduzenten K+S in Philippsthal Kurzarbeit, die Produktion von Kali wurde immer wieder gestoppt. Nur wenn die Werra genug Wasser führt, darf K+S Salzabwässer einleiten. Laut einer aktuellen Studie des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz gab es 2016 etwa doppelt so viele Fische wie im Vorjahr in der Werra. Ob das auf eine bessere Wasserqualität oder die Änderung der Messmethoden zurückzuführen ist, können die Forscher nicht erklären. Nach HNA-Informationen liegt der Chlorid-Gehalt der Werra seit Jahren konstant bei 2500 Milligramm/Liter - und wird sich vorerst wohl auch nicht bessern.

Fazit: Wunsch nicht erfüllt. 

7. Endlich ein Ergebnis in Sachen Werra-Brücke: 

Wir hatten es ja vermutet: Auch 2016 gab es keine neue Werra-brücke in Witzenhausen. Aktueller Stand: Im Frühjahr soll es nähere Informationen und einen Zeitplan zum Bau geben, sagt Bürgermeisterin Angela Fischer. „Es gibt keine Anhaltspunkte für einen Baubeginn. Es ist auch offen, wann die Brücke ins Planfeststellungsverfahren geht.“

Fazit: Wunsch war nicht zu erfüllen. Wohl auch nicht 2017.

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